Ripple im Aufwind – wie lange hält der Aufwind noch an?
Vor nur wenigen Monaten schien Ripple durch den jahrelangen Rechtsstreit mit der US-Börsenaufsicht SEC erschöpft.

Nur wenige Monate sah Ripple noch erschöpft aus nach dem jahrelangen Rechtsstreit mit der US-Börsenaufsicht SEC. Dass XRP jemals wieder in die Nähe seines Allzeithochs kommen würde, schien undenkbar. Doch das war, bevor Trump wieder ins Weiße Haus einzog. Seitdem sind die Karten in der Kryptobranche wieder neu gemischt. Die SEC zog massenhaft Klagen zurück und vergangene Woche auch jene gegen Ripple. Der XRP-Kurs war schon im Vorlauf deutlich gestiegen. Inzwischen steht die Münze 290 Prozent höher als vor einem Jahr – mehr als jede andere Coin aus den Top-10. Und es sieht danach aus, dass XRP möglicherweise sogar eine Rolle in einer zukünftigen amerikanischen Krypto-Reserve spielen könnte. Dennoch ist die aktuelle Aufwärtsbewegung alles andere als solide.
Ripple: eine Einsatzmöglichkeit ohne Zukunft?
Ripple ist zweifellos einer der Veteranen der Kryptobranche. Das Projekt wurde 2012 gegründet, also noch vor Ethereum, und versuchte, die Schwächen von Bitcoin durch schnelle und günstige Zahlungen anzugehen. Kernstück ist das XRP Ledger, auf dem das weltweite Zahlungsnetzwerk RippleNet aufgebaut ist.
RippleNet besteht aus drei Diensten:
- xCurrent, ein System für Echtzeitzahlungen zwischen Banken
- xVia, eine API-Lösung für Zahlungsverkehr
- xRapid, auch bekannt als On-Demand Liquidity (ODL), das einzige Produkt, das XRP tatsächlich als Brückenwährung verwendet.
Letzteres ist entscheidend. Ripple prahlt gerne mit einer langen Liste von Partnern, darunter American Express, Santander und Bank of America. Und ja, sie sind tatsächlich mit RippleNet verbunden. Aber der Großteil von ihnen nutzt das ODL-System nicht – wodurch es also auch keine direkte Nachfrage nach XRP gibt.
Wie oft ODL überhaupt eingesetzt wird, ist die Frage. Bekannte Nutzer sind unter anderem das japanische SBI Remit und Tranglo in Südostasien. Aber auch dort ist der Einsatz von ODL deutlich zurückgegangen. Nach dem Zusammbruch der Silicon Valley Bank im März 2023 stellte Tranglo den Dienst größtenteils ein. Laut dem Anwalt Bill Morgan auf X machten ODL-Zahlungen im letzten Jahr nur einen Bruchteil der Gesamttransaktionen aus. „Tranglo bat sogar seine ODL-Partner, die Nutzung von XRP vorübergehend zu stoppen“, so Morgan.
Kaum Nachfrage
Nicht nur im Bankensektor spielt XRP eine Nebenrolle. Auch im breiteren Kryptosystem hat das Projekt nie wirklich Fuß gefasst. Weil das XRP Ledger bislang keine Smart Contracts unterstützt, ist die Rolle im DeFi zu vernachlässigen. Laut DeFiLlama liegen nur rund 80 Millionen Dollar TVL (Total Value Locked) im Netzwerk. Ripple hat zwar angekündigt, in diesem Jahr Smart Contracts zu integrieren, aber es bleibt fraglich, ob es die Rückstände gegenüber etablierten Blockchains noch aufholen kann.
Eine mögliche Aufnahme in eine amerikanische Altcoin-Reserve, um XRP im Zahlungsverkehr relevanter zu machen, erscheint daher riskant. Die aktuelle Nachfrage nach ODL weist auf keine breite Adoption hin. Zudem ist unklar, wie eine solche Reserve aussehen würde. Trump nannte XRP zwar als Kandidaten, aber bisher kommen nur konfiszierte Krypto-Assets in Frage – und XRP gehört nicht dazu. Im offiziellen Dekret über den Digital Asset Stockpile wurde XRP daher schon nicht mehr erwähnt.
Eine ungewisse Zukunft
Angesichts all dieser Entwicklungen ist unklar, wie sich XRP weiterentwickeln wird. Ripple könnte noch eine Weile vom positiven Sentiment nach dem SEC-Verfahren profitieren. Aber früher oder später wird dieser Aufwärtstrend abflachen. Und dann bleibt die berechtigte Frage: Was würde die Nachfrage nach XRP dann noch antreiben?