Russen kaufen Hardware-Wallets massenhaft vor neuen Kryptoregeln
Die Händler M.Video und Wildberries melden starkes Wachstum, während Russland zum 1. September strengere Kryptoregeln einführt. Juristen sagen, dass non-custodial wallets vom Verbot nicht erfasst sind.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die Nachfrage nach Hardware-Wallets in Russland ist in der ersten Hälfte von 2026 stark gestiegen, auch wegen der anstehenden strengeren Kryptoregeln.
- M.Video meldete im Q2 einen Anstieg der Verkäufe um 107 % gegenüber Q1; Wildberries verzeichnete in H1 2026 ein Plus von 84 % im Jahresvergleich.
- Ab dem 1. September müssen Kryptotransaktionen über regulierte Anbieter laufen, während non-custodial wallets laut Juristen nicht verboten sind.
Die Nachfrage nach Hardware-Krypto Wallets in Russland hat in der ersten Hälfte von 2026 spürbar zugelegt, während das Land sich auf neue Kryptoregeln vorbereitet. Zwei große Händler melden kräftiges Wachstum. Das spricht dafür, dass russische Nutzer ihre Krypto angesichts strengerer Vorgaben häufiger außerhalb von Online-Diensten verwahren wollen.
Starkes Wachstum bei den Händlern
M.Video teilte mit, dass der Verkauf von Hardware-Wallets auf dem eigenen Marketplace im zweiten Quartal 107 % über dem Wert des ersten Quartals lag. Der Umsatz aus diesen Verkäufen stieg im selben Zeitraum um 92 %. Eine Gesamtzahl der verkauften Geräte nannte das Unternehmen nicht.
Auch Wildberries verzeichnete eine deutlich höhere Nachfrage. Laut RIA Novosti, basierend auf Angaben der Muttergesellschaft RWB, legte der Absatz in Stück in der ersten Hälfte von 2026 um 84 % gegenüber dem Vorjahr zu. Der Verkaufswert stieg im gleichen Zeitraum um 60 %. Der durchschnittliche Preis bei Wildberries sank zugleich um 13 % auf 7.900 Rubel, während M.Video sein Angebot ausweitete. Eine Begründung für die höhere Nachfrage nannten beide Händler nicht.
Die Regeln geben den Ton an
Auffällig ist vor allem das Timing. Russland führt zum 1. September einen neuen Kryptorahmen ein, der Transaktionen über regulierte Parteien lenken soll, darunter Exchanges, Broker und digitale depositories. Die Bank of Russia hat zudem signalisiert, dass einige Privatanleger nach einem Test und innerhalb eines jährlichen Limits von 300.000 Rubel pro Vermittler liquide Krypto kaufen dürfen. Inländische Krypto-Zahlungen bleiben jedoch verboten.
Nach Einschätzung der von RBC befragten Juristen sind non-custodial wallets nicht verboten und auch nicht illegal. Gleichzeitig gilt weiterhin, dass Auszahlungen aus russischen digitalen depositories auf persönliche Wallets nicht erlaubt sind, auch wenn dafür noch eine Übergangsfrist bis zum 1. Juli 2027 läuft. Danach müssen Krypto-Transaktionen über regulierte Einheiten laufen, und Banken sollen Transaktionen außerhalb dieses Rahmens ablehnen.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Beobachter zeigt diese Entwicklung, wie schnell die Nachfrage nach Self-Custody steigen kann, sobald ein Markt in Richtung strengerer Aufsicht rückt. Russland baut parallel ein System auf, in dem regulierte Zwischenhändler eine größere Rolle spielen, während Nutzer ihre eigenen private keys lieber auf einem separaten Gerät sichern wollen. Damit werden Hardware-Wallets nicht nur zu einem Verbraucherprodukt, sondern auch zu einem Indikator dafür, wie Marktteilnehmer auf neue Regeln reagieren.
Hardware-Wallets speichern die private keys, mit denen du auf Krypto zugreifen kannst, auf einem separaten Gerät statt auf einem internetverbundenen Dienst. Das kann das Risiko durch Online-Angriffe verringern, auch wenn technische Schwachstellen weiterhin möglich sind. So meldete Coinkite am 30. Juli einen Firmware-Fehler in der Coldcard, der die Seed-Erzeugung schwächte, mit geschätzten Verlusten von mehr als 116 $ Millionen (101 € Millionen).