Schifffahrt durch die Straße von Hormus erholt sich nach US-Iran-Abkommen nur langsam
Die Durchfahrt durch die Straße von Hormus kommt nach dem US-Iran-Abkommen nur langsam wieder in Gang. Schiffseigner warten erst einmal auf Belege dafür, dass sich die Sicherheit wirklich verbessert.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus nach dem US-Iran-Abkommen verläuft schleppend, weil Schiffseigner zuerst sehen wollen, dass die Umsetzung in der Praxis funktioniert.
- MOL-Chef Jotaro Tamura rechnet damit, dass es einige Wochen bis zu einem Monat dauert, bis der Schiffsverkehr wieder voll anläuft.
- Einige Schiffe sind bereits durchgefahren, aber die Normalisierung bleibt unsicher und ist wichtig für die europäische Energieversorgung.
Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus für die Schifffahrt nach einem Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran kommt nur langsam voran. Laut Jotaro Tamura, CEO von Mitsui OSK Lines (MOL), dem größten Tankerunternehmen der Welt nach Schiffsanzahl, werden Schiffseigner erst nach einigen Wochen wieder entspannt durch diese strategische Meerenge fahren. Tamura betont, dass das Abkommen nicht nur formal unterzeichnet werden muss, sondern sich auch in der Praxis wirklich bewähren muss, bevor die Schifffahrt wieder anzieht.
Vertrauen in die praktische Umsetzung des Abkommens
Die Straße von Hormus ist eine zentrale Passage für den weltweiten Öl- und Flüssigerdgasverkehr, über die vor dem Krieg täglich mehr als ein Fünftel der globalen Energieströme lief. Seit dem Ausbruch des Konflikts im Februar ist der Schiffsverkehr stark zurückgegangen. Tamura verweist auf frühere Fehlstarts und gebrochene Zusagen in den vergangenen Monaten, wodurch die Schiffseigner vorsichtiger geworden sind. Er erwartet, dass es mindestens einige Wochen bis zu einem Monat dauern könnte, bis die Lage genug stabil ist, um den Schiffsverkehr wieder vollständig aufzunehmen.
Aktuelle Lage und Ausblick
MOL verwaltet mehr als 900 Schiffe und hat vor dem Abschluss des Abkommens vier Schiffe aus der Golfregion verlegt. Derzeit warten noch mindestens sieben Schiffe darauf, durch die Straße von Hormus zu fahren. Inzwischen sind bereits einige Schiffe durch die Passage gefahren, darunter der indische LNG-Tanker Disha, das erste indische Schiff, das nach dem Abkommen mit einer Ladung von mehr als 62.000 Tonnen Gas durch die Meerenge fuhr. Bis jetzt sind zehn Schiffe unter indischer Flagge und fünf ausländische Schiffe erfolgreich passiert.
Das Abkommen, das voraussichtlich am Freitag in Genf offiziell unterzeichnet wird, soll den fast vier Monate dauernden Krieg beenden und die Durchfahrt wieder öffnen. Wie schnell sich der Schiffsverkehr vollständig normalisiert, hängt stark vom Vertrauen der Schiffseigner in die Sicherheit und Stabilität des Korridors ab.
Relevanz für die europäische Energieversorgung
Für die europäischen Märkte kann die schrittweise Wiedereröffnung der Straße von Hormus eine wichtige Entwicklung sein, da diese Route einen großen Teil der weltweiten Öl- und Gaslieferungen abwickelt. Eine stabile Durchfahrt könnte möglicherweise dazu beitragen, Spannungen am Energiemarkt zu verringern und die Verfügbarkeit von Brennstoffen zu verbessern. Trotzdem bleibt offen, wie schnell und in welchem Ausmaß sich der Schiffsverkehr erholen wird, was für europäische Energieimporteure und Märkte, die von dieser Lieferroute abhängen, wichtig ist.