Der Grund, warum Ripple eine Stablecoin launcht
Genau genommen verdient der Stablecoin-Markt seinen Namen nicht.

Genau genommen verdient der Stablecoin-Markt seinen Namen nicht. Das liegt daran, dass es eigentlich nur zwei Anbieter gibt, die den Handel mit in US-Dollar notierten Kryptowährungen untereinander aufteilen: Circle und Tether. Gemeinsam machen ihre Token USDC und USDT rund 90 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung aus. Ripple will diese Dominanz jetzt durchbrechen. Auf der Paris Blockchain Week erklärte CEO Brad Garlinghouse, was getan werden muss, damit dieses Vorhaben gelingt, und welche Hürden die Stablecoin von Ripple auf dem Weg stehen.
Generell ist das Wachstumspotenzial des Marktes gigantisch. Die gesamte Marktkapitalisierung von 150 Milliarden Dollar könnte in den kommenden vier bis fünf Jahren auf das 20-fache auf 2,5 bis 3 Billionen Dollar anwachsen, erklärt Garlinghouse. Das wäre mehr als der derzeitige Wert des gesamten Kryptomarkts. "Ripple muss hier eine Rolle spielen," fährt der 53-Jährige fort.
Dazu wäre zunächst eine robuste Bankeninfrastruktur nötig, an die die Stablecoin angeschlossen wird. Dies ist der Grund, warum Ripple's langjährige Partnerschaften mit dem Bankensektor sich als wichtige Stütze erweisen.
Wirkt Unsicherheit über Regulierung in den USA wie ein Bremsklotz?
Es ist in der Tat ein ehrgeiziger und riskanter Zug, den Ripple aus dem Hut zaubert. Denn mit dem Fokus auf die Entwicklung und Ausgabe einer in US-Dollar notierten Stablecoin aus den USA wird das Projekt in einem Rechtsraum gestartet, in dem der Umgang mit diesen stabilen Kryptowährungen noch völlig unreguliert ist. Derzeit werden verschiedene Gesetzesvorhaben diskutiert. Aber es ist noch nichts abgeschlossen.
Garlinghouse erwartet jedoch mittelfristig eine Entscheidung: vor einem Stablecoin-Gesetzentwurf: "Ich glaube, dass wir nach den Wahlen einen entsprechenden Rechtsrahmen sehen werden, noch vor der eigentlichen Kryptoregulierung." Er steht damit nicht allein. Branchenkollege Jeremy Allaire, CEO von Circle, äußerte jüngst ähnlichen Optimismus.
"Jetzt herrscht Klarheit über XRP in den USA"
Garlinghouse betont jedoch, dass es derzeit zumindest zu zwei Krypto-Assets einigermaßen Klarheit gibt. Einerseits hat sich Bitcoin dank der Zulassung von Spot-ETFs im Januar endlich in den traditionellen Finanzmärkten etabliert. Andererseits gibt es die native Coin von Ripple, XRP. Nach einem langwierigen Rechtsstreit mit der US-Börsenaufsicht SEC hat das zuständige Gericht Ripple im vergangenen Juli Recht gegeben. Grund genug für Garlinghouse, erneut zu betonen: "In den USA gibt es nur zwei Krypto-Assets, zu denen Klarheit über die Regulierung besteht: Bitcoin. Und aufgrund der rechtlichen Auseinandersetzung in der Vergangenheit wissen wir auch, dass XRP keinen Einfluss hat."
Im Kontext der geplanten Stablecoin ist dies eine wichtige Einschätzung für Ripple. Nebst Ethereum wird die Kryptowährung auch auf der XRP-Blockchain laufen. Es ist jedoch noch unklar, wann das neue Produkt genau gestartet wird und an welcher Börse die Coin eingeführt wird. In der Pressemitteilung kündigte Ripple eine Einführung im Laufe des Jahres an.