Das sind die drei wichtigsten Ethereum-On-Chain-Indikatoren
On-Chain-Indikatoren gewinnen zunehmend an Bedeutung für den ETH-Preis.

On-Chain-Indikatoren gewinnen zunehmend an Bedeutung für den ETH-Preis. Die drei wichtigsten Indikatoren nehmen wir unter die Lupe.
Für Krypto-Analysten sind On-Chain-Metriken zu einem unverzichtbaren Werkzeug geworden, um die fundamentale Ökonomie und das Potenzial verschiedener Blockchain-Netzwerke wie Ethereum zu verstehen. Als großes und ältestes Smart-Contract-Plattform in der Kryptomarkt bietet Ethereum eine breite Palette an On-Chain-Daten, die Einblicke in den Zustand des Netzwerks geben.
Im Folgenden schauen wir uns drei der momentan wichtigsten Ethereum-On-Chain-Indikatoren an und analysieren, was sie uns über den Zustand und die Zukunft des Ökosystems sagen können. Wie hoch sind die Einnahmen des Netzwerks? Wie hoch ist die Inflation von Ethereum? Und wie viel ETH sind derzeit in Smart Contracts gebunden?
1. Ethereum-Einnahmen und Einfluss auf den ETH-Preis
Die Einnahmen von Ethereum lassen sich mit den Einnahmen eines echten Unternehmens wie Meta vergleichen – aber mit einem wichtigen Unterschied: Während Meta Einnahmen durch Werbung und Dienste erzielt, stammen die Einnahmen von Ethereum vor allem aus Gebühren, die für Transaktionen und die Nutzung von Smart Contracts auf dem Netzwerk anfallen. Diese Gebühren sind ein Preis, den Nutzer bereit sind zu zahlen, um die Dienste des Ethereum-Netzwerks zu nutzen – ähnlich wie Kunden für Produkte oder Dienste von Unternehmen wie Meta bezahlen.
Seit 2015 hat Ethereum beeindruckende $16,8 Milliarden an Gebühren eingenommen. Laut Caleb and Brown Research wird mehr als 60 Prozent dieser Gebühren direkt als Einnahmen für das Netzwerk betrachtet. Das zeigt, wie wertvoll das Netzwerk ist.
Aber warum sind diese Einnahmen wichtig für den ETH-Preis? Ganz einfach, hohe Einnahmen bedeuten, dass das Netzwerk aktiv genutzt wird. Und das zieht mehr Nutzer und Investoren an. Steigen die Einnahmen, gewinnen Investoren bei Meta und Co. mehr Vertrauen. Die Folge: der Kurs steigt. Bei Ethereum kann die Steigerung der Einnahmen daher einen positiven Effekt auf den ETH-Kurs haben.
Indem man die Einnahmen von Ethereum beobachtet, erhält man ein Gefühl für das Wachstum des Netzwerks. Analytiker untersuchen auf ähnliche Weise Meta-Einnahmen, um das zukünftige Potenzial abzuschätzen. So auch bei Ethereum: Durch die Einnahmenanalyse versteht man potenzielle zukünftige Kursbewegungen von ETH besser. Was die gesamten Einnahmen der letzten sieben Jahre angeht, konkurriert Ethereum in derselben Liga wie Meta, Microsoft, Shopify und andere Unternehmen über denselben Zeitraum.
2. Ethereum-Inflation: Die treibenden Kräfte und aktuelle Entwicklungen
Eine weitere interessante Kennzahl, die sich aus den Blockchain-Daten von Ethereum ableiten lässt, ist die ETH-Inflationsrate. Die Inflationsrate von Ethereum ähnelt in gewisser Weise der Art, wie eine Zentralbank neues Geld in Umlauf bringt – aber mit einem Twist. Während Zentralbanken die Geldmenge steuern, wird neues Ether in festem Tempo durch Staking geschaffen. Das ist vergleichbar mit einem Unternehmen, das neue Aktien ausgibt, um Kapital zu beschaffen. Ethereum hingegen emittiert neue ETH (derzeit rund 3,2 Prozent der gesamten ETH pro Jahr), um Staker für die Sicherung des Netzwerks zu belohnen.
Mit der Einführung des EIP-1559-Upgrades im August 2021 kommt jedoch eine weitere Variable ins Spiel, die den jährlichen Inflationssatz von Ethereum beeinflusst. Denn ein Teil der Transaktionsgebühren wird seither “verbrannt”, oder einfacher gesagt, zerstört. Das wirkt sich ähnlich wie der Aktienrückkauf eines Unternehmens auf den ETH-Kurs aus. Das Verbranntes-Bereich, das bei EIP-1559 programmiert ist, sorgt dafür, dass ein Teil jeder ETH-Transaktion eine bestimmte Menge Ether zerstört, die für die Transaktion verwendet wurde.
Die Folge dieses anhaltenden ETH-Verbrandprozesses ist, dass die Gesamtmenge von ETH abnimmt und – sofern dies genügend stark geschieht – deflationäre Druck auf die Inflation von Ethereum ausübt.
Dieser deflationäre Druck kann sich wiederum positiv auf den Preis von ETH auswirken, weil weniger neue Coins geschaffen werden, während einige vorhandene Coins verbrannt werden. Bleibt die Nachfrage nach Ether konstant oder steigt sie, kann dies zu steigenden Preisen führen.
Insgesamt ist die Verbrandungsrate von Ethereum eine faszinierende Indikator, der uns viel über die Gesundheit und das Potenzial des Netzwerks erzählt. Genauso wie Aktienrückkäufe bei Unternehmen einen Hinweis auf Gesundheit und Zukunftserwartungen geben.
Wie steht es derzeit um die Inflation des ETH-Netzwerks?
Wenn wir das aktuelle Inflationsniveau von Ethereum betrachten, lässt sich aus der nächsten Grafik von Glassnode erkennen, dass das ETH-Netzwerk seit der 'The Merge' deflationär ist.

Quelle: Glassnode
Der Verbrannt-Mechanismus hat also mehr Ether „verbraucht“, als neu an Staker ausgezahlt wurde. In den letzten Monaten zeigt die Inflation jedoch wieder einen leichten Aufwärtstrend. Das deutet darauf hin, dass die Aktivität auf der Ethereum-Hauptkette derzeit abnimmt und dass der Verbranntmechanismus nicht mehr stark genug deflationären Druck aufbringt, um die neue ETH-Auszahlung an Staker zu kompensieren.
3. Menge an Ethereum, die in Smart Contracts gebunden ist
Im Gegensatz zu Bitcoin, das hauptsächlich als Wertaufbewahrung dient, bildet Ethereum die Grundlage für ein Ökosystem dezentraler Anwendungen (dApps). Zum Beispiel DeFi, Staking oder NFT-Anwendungen. Viele dieser dApps erfordern, dass ETH in Smart Contracts gesperrt wird, wodurch diese Mengen zeitweise aus dem offenen Markt genommen werden.
Die Menge an ETH, die in Smart Contracts gebunden ist, kann daher einen signifikanten Einfluss auf den ETH-Kurs haben. Ein höherer Anteil von ETH, der in Smart Contracts gebunden ist, kann den Preis erhöhen, wenn die Nachfrage stabil bleibt, weil weniger ETH für den Handel verfügbar ist. Umgekehrt kann ein niedrigerer Anteil ETH in Smart Contracts den Preis senken, weil mehr ETH auf dem Markt verfügbar ist. Ähnlich wie bei der Inflationsrate bedeutet dies einen Anstieg des Ether-Preises, wenn die Nachfrage stabil bleibt oder steigt.
Außerdem spiegelt die Menge an ETH in Smart Contracts indirekt den Nutzen des Netzwerks und das Vertrauen der Nutzer darin wider. Zum einen zeigt die Bereitschaft der Nutzer, ETH in Smart Contracts zu legen, dass das Netzwerk genutzt wird. Zum anderen signalisiert es, dass Investoren dem Netzwerk Vertrauen entgegenbringen, da sie bereit sind, ihre Ether in Smart Contracts zu stecken.
So viel Ethereum steckt derzeit in Smart Contracts
Derzeit liegen laut Glassnode etwa 32 Prozent aller ETH in Smart Contracts (DeFi, NFT, Staking etc.). Im Laufe der Zeit lässt sich zudem erkennen, dass die Menge an ETH in Smart Contracts in den letzten Jahren stetig gestiegen ist, was auf einen gesunden Zustand des Netzwerks hindeutet.

Quelle: Glassnode
Die Menge an ETH in Smart Contracts ist also eine wichtige On-Chain-Indikator. Es hebt hervor, dass es für Ethereum – im Vergleich zu Bitcoin – nicht ausreicht, nur die ETH-Versorgung an zentralisierten Kryptobörsen zu betrachten. Obwohl diese Metrik oft ein guter Indikator für das Marktsentiment und die Analyse potenzieller Trends bei Bitcoin ist, liefert sie für Ethereum nur einen Teil des Bildes. Die Menge an ETH in Smart Contracts dagegen gibt Aufschluss über die tatsächliche Knappheit von ETH, die Netzwerkaktivität und das Vertrauen der Nutzer in die Ethereum-Blockchain. Einblick in die Dynamik von ETH in Smart Contracts ist daher essenziell für ein ganzheitliches Bild.