XRP-Investoren enttäuscht: Hat die SEC versehentlich den Hype angeheizt?
Was ein Triumph hätte sein sollen, entpuppt sich vorerst nicht als Fest für XRP-Investoren.

Was ein Triumph hätte sein sollen, entpuppt sich vorerst nicht als Fest für XRP-Investoren. Der vier Jahre andauernde Rechtsstreit zwischen Ripple Labs und der US-Börsenaufsicht SEC scheint formell gesehen günstig für das Kryptounternehmen ausgegangen zu sein. Zuerst zog die SEC ihre Berufung zurück, anschließend akzeptierte Ripple eine vergleichsweise milde Geldstrafe von 50 Millionen Dollar. Alles schien bereit für eine glanzvolle Zukunft von XRP.
Doch bleibt die erwartete Rally aus. Der Kurs von XRP, der zweitgrößten Kryptomünze der Welt, steht derzeit um die 2,16 Dollar, ein Rückgang von etwa 10 Prozent gegenüber der Vorwoche. Auf Monatssicht beträgt der Verlust sogar 17 Prozent, und das sorgt bei Investoren für Unruhe, die nach dem juristischen Erfolg auf einen deutlichen Kursanstieg rechneten.
Eine der Ursachen scheint das Ausbleiben einer offiziellen Reaktion der SEC zu sein. In anderen Fällen, wie bei Kraken und Cumberland, reagierte die Aufsichtsbehörde nahezu direkt. Die Stille rund um Ripple schürt nun jedoch neue Zweifel: Steht da womöglich doch noch etwas im juristischen Bereich bevor?
Pro-Crypto-Anwalt Fred Rispoli versucht, die Gemüter zu beruhigen. In einem Beitrag auf X (früher Twitter) schreibt er: „Es dauert maximal noch 60 Tage, bis alles vollständig, formell, juristisch und spektakulär abgeschlossen ist.“
Doch das nahende Ende des Rechtsstreits könnte dennoch ein unerwartetes Problem mit sich bringen: XRP verschwindet langsam aus dem Rampenlicht.
Die öffentlichen Debatten, die Massenzustimmung in Social Media und die Beteiligung prominenter Anwälte könnten möglicherweise genau zu dem Anstieg der vergangenen Monate beigetragen haben.
Ironischerweise könnte ausgerechnet der frühere SEC-Vorsitzende Gary Gensler, mit seinem harten Vorgehen, XRP-Popularität einen Schub gegeben haben. Dazu weist auch das globale Suchvolumen bei Google auf die Münze hin: Es erreichte im Januar seinen Höchststand, kurz vor Ablauf der Berufungsfrist, und nahm danach deutlich ab.
Sogar ein Bitcoin-Purist unterstützt Ripple in diesem Streit
Bemerkenswert ist, dass selbst Pierre Rochard, ein ausgesprochener XRP-Kritiker und Leiter Forschung bei Riot Platforms, in einem jüngsten Interview gestand: „Ich glaube nicht, dass die SEC gegen Ripple hätte vorgehen sollen.“
Laut ihm hat die harte Linie der Aufsichtsbehörde Ripple gerade eine Art Märtyrerstatus verliehen. Eine Position, die CEO Brad Garlinghouse nun geschickt in seinen Gesprächen mit einem möglichen wiedergewählten Präsidenten Trump einsetzen kann.
Rochard betont, dass XRP keinen Effekt hat, weil Ripple keine Versprechen macht und keine Verpflichtungen gegenüber Investoren hat. Dennoch bleibt er kritisch gegenüber der Münze: „Letztlich wird XRP am freien Markt scheitern.“
Das größte Problem? Die zentrale Rolle von Ripple Labs, die laut ihm zu einer zu großen Abhängigkeit führt.
Analysten von Bitwise bleiben optimistisch
Auf der anderen Seite sind die Analysten des Investmenthauses Bitwise deutlich optimistischer für die Zukunft von XRP. In ihrem aktuellen Cryptoreport skizzieren sie drei Szenarien. Nur im düsteren ‚Bear Scenario‘ fällt der XRP-Kurs bis 2030 weiter. Aber wenn Ripple sein Netzwerk ausbauen, neue Partnerschaften eingehen und Erfolge im wachsenden Stablecoin-Markt erzielen kann, sehen sie einen Kurs von 12,70 Dollar als realistisch (‚Bull Scenario‘). In ihrer optimistischsten Einschätzung — dem ‚Max Scenario‘ — wird gar ein Kurs von 29,30 Dollar prognostiziert.