A7A5 streitet mit Analysten über das tatsächliche Stablecoin-Volumen
Der rubelgekoppelte Token steht wegen widersprüchlicher Volumenangaben von A7A5, TRM Labs und Elliptic unter Druck. Der Fall betrifft auch DeFi, Sanktionen gegen Russland und die Nutzung von Grinex.

Wichtigste Erkenntnisse
- A7A5 gibt an, täglich rund 205 Millionen Dollar Handelsvolumen zu verarbeiten, während Analysten deutlich niedrigere und rückläufige Werte sehen.
- TRM Labs und Elliptic berichten von kreisförmigen Transaktionen, schwächeren Wochenendvolumina und einem starken Aktivitätsrückgang seit Januar.
- Der rubelgekoppelte Stablecoin steht unter Sanktionsdruck und wirft Fragen zur möglichen Umgehung westlicher Beschränkungen über Krypto auf.
Der russische Stablecoin A7A5 gerät zunehmend unter Druck, weil sich die Angaben zur tatsächlichen Nutzung des Tokens deutlich widersprechen. Der Herausgeber stellt die Aktivität als wesentlich höher dar, als es Datenanalysten erkennen, während Blockchain-Unternehmen von sinkenden Volumina sprechen und einen erheblichen Teil der Transaktionen als künstlich einordnen.
Gegensätzliche Volumenangaben
Nach Angaben von A7A5 liegt das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen bei rund $205 Millionen (€179 Millionen). Zwischen dem 1. Januar und dem 17. Juni dieses Jahres sollen demnach insgesamt $34,4 Milliarden (€30 Milliarden) abgewickelt worden sein. Oleg Ogienko, Director Regulatory Affairs bei A7A5, sagt, dass der größte Teil dieser Aktivität in DeFi stattfinde. Dort müssen Nutzer oft keine Identität offenlegen, und Transaktionen können direkt zwischen Krypto-Wallets laufen, ohne den Umweg über eine Krypto-Börse.
TRM Labs kommt zu einem deutlich anderen Ergebnis. Analyst Chris Keegan sagt, das durchschnittliche Tagesvolumen liege nach ihrer Auswertung eher bei $75 Millionen (€65,5 Millionen) und habe in den vergangenen Monaten nachgelassen. Zudem seien rund 34 Prozent der beobachteten Transaktionen kreisförmige Geldflüsse, die das Volumen aus seiner Sicht künstlich aufblähen.
Keegan erklärte außerdem, dass die Volumina am Wochenende häufig deutlich zurückgehen. Ein großer Teil der Aktivität hänge seiner Einschätzung nach mit Business-to-Business-Überweisungen über die mit Russland verbundene Börse Grinex zusammen. Auch Elliptic sieht eine klare Abkühlung: Laut Mitgründer Tom Robinson sind die monatlichen Transaktionen seit Januar um mehr als 90 Prozent gefallen und liegen 96 Prozent unter dem Höchststand des Vorjahres.
Sanktionen und russischer Kontext
A7A5 ist ein rubelgekoppelter Stablecoin, der durch Einlagen bei Promsvyazbank gestützt wird. Die Bank steht bereits unter westlichen Sanktionen. Der Token wurde Anfang 2025 in Kirgisistan gestartet und sollte laut der ursprünglichen Beschreibung russische Zahlungen außerhalb westlicher Finanzkanäle ermöglichen. Im vergangenen Jahr setzten die EU, das Vereinigte Königreich und die USA A7A5 selbst ebenfalls auf die Sanktionsliste.
Der Druck auf den Token fügt sich in die breitere europäische und amerikanische Strategie ein, das Krypto-Ökosystem rund um Russland stärker einzugrenzen. Die Europäische Union hat ihre Sanktionen gegen Russland zuletzt weiter verschärft und dabei auch Krypto-Strukturen ins Visier genommen, die zur Umgehung finanzieller Beschränkungen oder zur Finanzierung von Aktivitäten in der Ukraine genutzt werden könnten. Dazu passt auch die breitere europäische Prüfung der Stablecoin-Aufsicht, in deren Rahmen MiCA erneut unter die Lupe genommen wird.
Ogienko weist die Kritik zurück. Seiner Ansicht nach verlassen sich Datenanbieter wie CoinMarketCap, CoinGecko und DeFiLlama zu stark auf Daten zentralisierter Börsen. Dadurch entstehe ein verzerrtes Bild von A7A5, weil die Aktivität vor allem in DeFi stattfinde und in den üblichen Marktdaten deshalb nicht vollständig sichtbar sei.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Nutzer zeigt der Fall, wie schwierig es ist, Aktivität in DeFi und auf weniger transparenten Handelswegen verlässlich zu messen. Der Streit um A7A5 betrifft damit nicht nur einen einzelnen Token, sondern auch die größere Frage, wie Aufseher, Analytics-Firmen und Börsen mit Krypto umgehen, das sich außerhalb der üblichen Marktstruktur bewegt.
Sanctions and national security specialist Kaitlin Martin sagt, dass A7A5 größtenteils in einem mit Russland verbundenen Ökosystem verbleibt, weil westliche Sanktionen die meisten globalen Handelsplattformen davon abhalten, den Token zu listen. Gleichzeitig können Nutzer A7A5 aber weiterhin über mit Russland verbundene Dienste in andere Krypto umtauschen. Auf diesem Weg kann Kapital dennoch im breiteren Krypto-Ökosystem landen, etwa für grenzüberschreitende Zahlungen, einschließlich Rohstoffhandel.