ADI Chain und Shipfinex wollen Schifffahrtsfinanzierung auf die Blockchain bringen
Shipfinex hat in Dubai bereits rund 35 Schiffe im Blick, die Ausgabe wartet aber noch auf die vollständige Genehmigung der Aufsichtsbehörde VARA. ADI Chain will mit Stablecoins abrechnen und so institutionellen Zugang zur Schifffahrtsfinanzierung schaffen.

Wichtigste Erkenntnisse
- ADI Chain und Shipfinex wollen Schifffahrtsfinanzierung im Wert von rund 680 $ Milliarden auf die Blockchain bringen.
- Shipfinex wählt die Schiffe aus, während ADI Chain die Strukturen in Tokens umwandelt und Zahlungen mit Stablecoins abwickeln will.
- Die Zusammenarbeit ist noch nicht live; Shipfinex hat in Dubai nur eine vorläufige Genehmigung und richtet sich zuerst an institutionelle Anleger.
ADI Chain und Shipfinex wollen einen Teil der globalen Schifffahrtsfinanzierung auf die Blockchain verlagern. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen geht es dabei um einen Markt mit einem Volumen von rund 680 $ Milliarden, der bislang vor allem über Banken, Leasingmodelle und Exportkredite finanziert wird. Für den Kryptomarkt ist das ein weiteres Signal dafür, dass sich Tokenisierung zunehmend von klassischen Finanzprodukten hin zu physischen Assets mit realen Cashflows entwickelt.
Schiffe als Anlageinstrument
Die kommerziellen Schiffe selbst werden laut Schätzung auf rund 2 $ Billionen (1,7 € Billionen) taxiert, doch die Finanzierung dieses Segments gilt als geschlossen und stark von persönlichen Beziehungen geprägt. Dadurch bleiben kleinere Betreiber und alternative Investoren weitgehend außen vor, während ein enger Kreis aus Reedereien, Banken und spezialisierten Kreditgebern den Markt dominiert.
Shipfinex mit Sitz in Dubai übernimmt die Auswahl der Schiffe, prüft also, welche Einheiten infrage kommen, und legt anschließend die Struktur des jeweiligen Deals fest. ADI Chain will diese Strukturen danach in Blockchain-Tokens überführen und Zahlungen über Stablecoins abwickeln, damit Gelder ohne klassische Banküberweisung fließen können. Zunächst richtet sich das Modell an qualified institutional participants, also an große und regulierte institutionelle Anleger.
Regulierung noch nicht abgeschlossen
Ein Live-Produkt ist die Zusammenarbeit bislang nicht. Shipfinex verfügt noch nicht über die endgültige Genehmigung zur Ausgabe maritimer Asset-Tokens, sondern nur über eine In-Principle Approval der Virtual Assets Regulatory Authority in Dubai. Es handelt sich damit um eine vorläufige Zustimmung und nicht um eine vollständige Lizenz.
Nach Angaben der Unternehmen stehen bereits rund 35 Schiffe als mögliche Kandidaten für eine Tokenisierung bereit. Ihr gemeinsamer Wert soll bei etwa 500 $ Millionen (433 € Millionen) liegen. Jedes Schiff soll am Ende in einer eigenen juristischen Einheit gehalten werden, damit Probleme bei einem einzelnen Objekt nicht automatisch auf andere Transaktionen übergreifen. Ein Token könnte in der Praxis für ein Darlehen stehen, bei dem das Schiff als Sicherheit dient, für einen Anteil an den Erträgen aus Shipping Contracts oder für einen breiteren wirtschaftlichen Anspruch auf den Schiffswert, nicht aber für direktes rechtliches Eigentum am Schiff selbst.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Interessierte ist vor allem relevant, dass solche Projekte zeigen, wie Blockchain immer stärker mit realer Infrastruktur verknüpft wird und nicht nur mit Finanzprodukten wie Staatsanleihen oder Money Market Funds. Der Markt für tokenisierte Real-World Assets (RWAs) wird zwar weiterhin eher am Rand des Kryptosektors gehandelt, doch solche Deals könnten die Debatte über Liquidität, Transparenz und institutionellen Zugang weiter befeuern. Dass ADI Chain bereits einen dirham-gestützten Stablecoin hat, der von der UAE Central Bank lizenziert wurde, macht den Ansatz zusätzlich interessant für Marktteilnehmer, die Settlement und Regulierung in einer einzigen Struktur verbinden wollen.