Anthropic lässt Claude Schwachstellen in Verschlüsselung finden
Claude hat in HAWK und einer schwächeren AES-Variante Muster entdeckt, die menschlichen Experten entgangen sind. Für Bitcoin und Ethereum gibt es keine direkte Auswirkung, doch die Ergebnisse sind ein Hinweis auf die wachsende Bedeutung von Post-Quanten-Sicherheit.

Wichtigste Erkenntnisse
- Anthropic meldet, dass Claude Schwachstellen in HAWK und einer schwächeren AES-Variante gefunden hat.
- Bei HAWK sank der nötige Rechenaufwand laut Anthropic von 2^64 auf 2^38 Schritte.
- Die Erkenntnisse betreffen Bitcoin und Ethereum nicht direkt, zeigen aber, wie KI Sicherheitsforschung beschleunigen kann.
Anthropic meldet, dass die eigene KI Claude neue Schwachstellen in zwei Verschlüsselungssystemen aufgedeckt hat. Für die heute genutzten Daten hat das zunächst keine unmittelbaren Folgen. Gleichzeitig zeigt der Fund, dass KI Sicherheitsforschung inzwischen deutlich schneller vorantreiben kann, als es lange Zeit nur spezialisierten Experten möglich war.
HAWK unter der Lupe
Bei einem der betroffenen Systeme handelt es sich um HAWK, eine digitale Signatur, die auch gegen künftige Quantencomputer robust sein soll. Nach Angaben von Anthropic hatten Fachleute das Design zwei Jahre lang geprüft, ohne eine Schwachstelle zu finden. Claude soll dagegen innerhalb von 60 Stunden ein verborgenes mathematisches Muster entdeckt haben.
Auf Basis der eigenen Berechnungen gibt Anthropic an, dass sich der Aufwand zum Brechen des kleinsten HAWK-Schlüssels von 2^64 auf 2^38 Schritte verringert hat. Das entspricht rund 67 Millionen Mal weniger Rechenaufwand. Die vorgeschlagene Gegenmaßnahme ist technisch zwar vergleichsweise einfach, hätte aber einen klaren Nachteil: Die Schlüsselgröße müsste verdoppelt werden, womit ein zentraler Vorteil von HAWK verloren ginge.
AES erwies sich nicht als unknackbar
Auch AES geriet in den Fokus, obwohl der Standard selbst nicht gebrochen wurde. Claude untersuchte eine schwächere Variante mit 7 statt der üblichen 10 Runden und entwickelte einen Shortcut, den Anthropic Möbius Bridge nennt. Dadurch entfiel ein zusätzlicher Rateschritt, und der beste bekannte Angriff soll laut dem Unternehmen 200 bis 800 Mal schneller geworden sein.
Auffällig ist vor allem das Tempo der Analyse. Claude erledigte die Aufgabe in drei Tagen, anschließend benötigten zwei Menschen fast einen Monat, um das Ergebnis zu überprüfen. Nach Einschätzung von Anthropic könnte genau diese Verifikation damit zum neuen Flaschenhals in dieser Art von Forschung werden.
Warum das auch Krypto betrifft
Für Bitcoin und Ethereum gilt, dass sie auf andere kryptografische Verfahren setzen als HAWK oder die in der Untersuchung betrachtete AES-Variante. Entsprechend gibt es keine direkte Auswirkung auf diese Netzwerke. Für die breitere Krypto-Branche bleibt die Entwicklung dennoch relevant, weil Sicherheit und Schlüsselverwaltung dort eine zentrale Rolle spielen.
Dazu kommt, dass die Branche schon länger mit einem Szenario rechnet, in dem Quantencomputer bestehende Standards unter Druck setzen könnten. Google hat laut früheren Plänen einen Migrationspfad bis 2029 vorgesehen, während US-Behörden mit einer Frist bis 2031 arbeiten. Für Krypto-Unternehmen, Wallets und Infrastruktur-Anbieter zeigt das vor allem, wie schnell sich Sicherheitsforschung verändert, wenn KI selbst Schwachstellen aufspüren kann.
Das dürfte auch die Vorbereitung auf Quantenrisiken dringlicher machen. In Hongkong waren Banken darauf bislang nur begrenzt eingestellt, mit einer niedrigen Bewertung bei der Quantenbereitschaft und wenig konkreten Post-Quanten-Plänen in der Praxis.