Augustus sammelt 180 Millionen Dollar für Stablecoin-Clearingbank ein
Das Startup will mit einer föderal gecharterten Clearingbank Dollar- und Eurozahlungen schneller abwickeln, arbeitet mit Kraken als Kunden und hat eine vorläufige Genehmigung der OCC erhalten.

Wichtigste Erkenntnisse
- Augustus hat 180 Millionen Dollar eingesammelt und wird nun mit 1 Milliarde Dollar bewertet, um seine Infrastruktur für Dollarzahlungen weiter auszubauen.
- Das Unternehmen arbeitet an einer föderal gecharterten Clearingbank und setzt auf correspondent banking statt auf die Emission einer eigenen Stablecoin.
- Augustus bietet bereits Euro-Clearing in Finnland an, verarbeitet nach eigenen Angaben jährlich Milliarden Euro und hat von der OCC eine vorläufige Genehmigung für eine US-Banklizenz erhalten.
Augustus hat 180 Millionen Dollar eingesammelt, um seine Infrastruktur für Dollarzahlungen weiter auszubauen. Das geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem Stablecoins in der globalen Finanzbranche zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das Startup arbeitet an einer föderal gecharterten Clearingbank für Fintechs und Finanzinstitute und wurde dabei mit 1 Milliarde Dollar (0,9 Milliarden Euro) bewertet.
Fokus auf Clearing
Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von Tiger Global. Beteiligt waren unter anderem Hummingbird, QED sowie die Gründer von Nubank, Ramp, Circle und Deel. Augustus setzt nicht auf die Ausgabe einer eigenen Stablecoin, sondern auf die Infrastruktur dahinter: correspondent banking, also das Netzwerk, über das klassische Zahlungen zwischen Banken abgewickelt werden.
Nach Angaben von CEO Ferdinand Dabitz liegt genau dort ein zentrales Problem. Er beschreibt die alten Clearing-Systeme als langsam und häufig nicht verfügbar. Teilweise dauere die Abwicklung bis zu zwei Tage, zudem stehe das System am Wochenende still. Diese Reibungsverluste will Augustus mit einer Infrastruktur reduzieren, die Stablecoins, programmable money und always-on settlement miteinander verbindet.
Lizenz und Kunden
Bereits heute bietet das Unternehmen Euro-Clearing über eine regulierte Einheit in Finnland an und gibt an, dort jährlich Milliarden Euro zu verarbeiten. Zu den Kunden zählen laut Dabitz internationale Fintechs, Banken und Kryptounternehmen, darunter auch die Krypto-Exchange Kraken. Im Mai erhielt Augustus von der US-Aufsichtsbehörde OCC eine vorläufige Genehmigung für eine nationale Banklizenz. Nach der endgültigen Freigabe will das Unternehmen direkten Zugang zum Dollar-Clearing aufbauen.
Der Schritt fügt sich in einen breiteren Branchentrend ein. Banken, Fintechs und Kryptounternehmen arbeiten zunehmend daran, ihre Zahlungsinfrastruktur zu modernisieren. Die correspondent-banking-Kette steht schon länger wegen hoher Kosten und langsamer Abwicklung unter Druck. Dadurch werden Alternativen für grenzüberschreitende Zahlungen für Marktteilnehmer attraktiver, die schneller arbeiten und weniger Kapital binden wollen. Auch große Zahlungsnetzwerke bewegen sich in diese Richtung: Visa hat kürzlich eine Plattform gestartet, über die Banken und Fintechs Stablecoins über sein Netzwerk ausgeben, speichern und übertragen können.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Leser ist vor allem relevant, dass Stablecoins hier nicht nur als Handelsinstrument gesehen werden, sondern als Teil der zugrunde liegenden Zahlungsinfrastruktur. Augustus verknüpft das mit einem breiteren Wandel hin zu AI-native Banking, bei dem Systeme von Grund auf für programmierbare Zahlungen und kontinuierliche Abwicklung entwickelt werden. Das könnte für die Praxis von Finanzinstituten bei Liquidität, Treasury-Management und neuen Formen der Automatisierung an Bedeutung gewinnen.