Binance.US peilt Rückkehr auf rund 20 % Marktanteil in den USA an
Der US-Ableger will mit nahezu null Handelskosten und mehr Liquidität wieder Nutzer gewinnen. Die Wachstumspläne stehen jedoch im Schatten der strengeren Aufsicht nach dem Vergleich über 4,3 Milliarden Dollar im Jahr 2023.

Wichtigste Erkenntnisse
- Binance.US will wieder in Richtung etwa 20 % Marktanteil im US-Kryptomarkt.
- Chef Stephen Gregory beschreibt die vergangenen zwei Jahre als Phase der Hibernation wegen rechtlicher und regulatorischer Probleme.
- Die Krypto-Exchange senkt die Handelskosten deutlich und setzt auf mehr Liquidität und einen breiteren Produktausbau.
Binance.US sieht sich nach eigener Darstellung wieder klar auf Wachstumskurs und strebt eine Rückkehr auf etwa 20 % Marktanteil im US-amerikanischen Kryptomarkt an. CEO Stephen Gregory sprach von einer Phase der "hibernation" in den vergangenen zwei Jahren, ausgelöst durch rechtliche und regulatorische Belastungen rund um die breitere Binance-Marke. Zugleich betonte er, dass der US-Ableger inzwischen wieder aktiv aufbaut.
Niedrigere Gebühren als Lockmittel
Gregory stellte Binance.US als eigenständige US-Einheit mit eigener Governance-Struktur dar, auch wenn das Unternehmen denselben wirtschaftlichen Eigentümer und Markennamen wie Binance.com teilt. Nach seiner Darstellung ist die Exchange inzwischen ausschließlich für US-Kunden lizenziert. Diese Abgrenzung ist relevant, weil die globale Binance-Börse für Nutzer in den USA nicht zugänglich ist und auch der US-Ableger selbst mit einem kleineren Produktangebot arbeitet.
Im Wettbewerb mit Anbietern wie Coinbase und Kraken setzt die Plattform vor allem auf sehr niedrige Handelskosten. Gregory sagte, Binance.US habe die Gebühren auf "essentially almost a no-fee exchange" gesenkt, mit 0 % Maker Fees und 2 Basispunkten Taker Fees. Die Kosten sollen durch eine schlanke Struktur niedrig bleiben, während zusätzliche Erlöse unter anderem über Dienste wie Custody entstehen sollen.
Liquidität und Produktausbau
Neben dem Preis will Binance.US vor allem die Liquidität wieder aufbauen, unter anderem über Anreize und den direkten Austausch mit Retail-Kunden. Gregory sagte sogar, er habe einige der größten Nutzer persönlich kontaktiert, um Feedback einzuholen. Das passt zu dem Versuch, das Orderbuch tiefer zu machen, Spreads zu verringern und die Exchange für aktive Trader attraktiver zu positionieren.
Der Hintergrund ist der Vergleich, den Binance im November 2023 mit US-Aufsichtsbehörden über 4,3 Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) geschlossen hat. Beteiligt waren unter anderem das Department of Justice, FinCEN, OFAC und die CFTC, nachdem Verstöße gegen den Bank Secrecy Act, Sanktionsregeln und den Commodity Exchange Act im Raum standen. Binance.US tritt formal als separates Vehikel auf, ist bei FinCEN als Money Services Business registriert und arbeitet zudem geo-restricted mit einem kleineren Produktangebot. Unter anderem Nutzer aus New York, Texas und Florida sind ausgeschlossen.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Leser zeigt der Fall, wie stark Regulierung die Produktstrategie großer Exchanges weiterhin prägt. Gregory sagte, ein freundlicheres regulatorisches Umfeld in den USA könnte Binance.US den Einstieg in Derivate, Perpetual Futures und Prediction Markets erleichtern. Gleichzeitig dürften Aufseher wie die CFTC und die SEC auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle am Markt spielen. Damit bleibt die Neupositionierung von Binance.US in den USA auch für alle relevant, die die Entwicklung regulierter Krypto-Exchanges beobachten.
Auch andere große Plattformen suchen inzwischen nach zusätzlichen Einnahmequellen jenseits des Spot Trading. Coinbase erweitert sich um Derivate und KI, um weniger von Handelsgebühren abhängig zu sein zeigt, wie breit dieser Wandel in der Branche inzwischen geworden ist.