BIS testet tokenisierte Zahlungen mit JPMorgan und Citi
Der Pilot verarbeitete echte grenzüberschreitende Zahlungen in sechs Währungen mit tokenisierten Zentralbankreserven und Bankeinlagen. Damit testen die BIS und 28 Banken, darunter JPMorgan und Citi, eine neue Abwicklungsebene.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die BIS hat in Project Agorá echte grenzüberschreitende Zahlungen mit tokenisiertem Geld gemeinsam mit 28 Banken getestet, darunter JPMorgan, Citi und UBS.
- Der Pilot bewegte rund 1 Million Dollar in sechs Währungen und wickelte Zahlungen im Schnitt in etwa 80 Sekunden ab.
- Verwendet wurden tokenisierte Zentralbankreserven und kommerzielle Bankeinlagen. Der Test zeigt, dass Tokenisierung inzwischen auch für die finanzielle Basisinfrastruktur geprüft wird.
Die Bank for International Settlements hat gemeinsam mit großen internationalen Banken reale grenzüberschreitende Zahlungen mit tokenisiertem Geld getestet. In Project Agorá verarbeiteten 28 Banken, darunter JPMorgan, Citi und UBS, Transaktionen in sechs Währungen. Damit rückt Tokenisierung nicht mehr nur als Randthema des Kryptomarkts in den Fokus, sondern auch als möglicher Baustein für die Basisinfrastruktur des Finanzsystems.
Was Project Agorá getestet hat
Nach Angaben der BIS ging es um Zahlungen im Gegenwert von rund 1 $ Million (0,9 € Millionen), verteilt auf den US-Dollar, den Euro, das britische Pfund, den japanischen Yen, den Schweizer Franken und den südkoreanischen Won. Der Pilot setzte tokenisierte Zentralbankreserven und kommerzielle Bankeinlagen ein, um Unternehmenszahlungen, Interbankenzahlungen und Währungstransaktionen abzuwickeln.
Im Schnitt waren die Zahlungen nach etwa 80 Sekunden abgeschlossen. Bemerkenswert ist, dass der Prototyp nicht direkt an die bestehende Zahlungsinfrastruktur der Banken angebunden war, laut BIS aber parallel zu diesen Systemen funktionieren konnte. Für Institute, die eine schnellere Abwicklung anstreben, ohne ihr gesamtes Backoffice kurzfristig zu ersetzen, dürfte das besonders relevant sein.
Warum das für Banken wichtig ist
Project Agorá fügt sich in eine breitere Entwicklung ein, in der Stablecoins und tokenisierte Assets in der Finanzbranche an Bedeutung gewinnen. Vermögensverwalter bringen bereits tokenisierte Geldmarktfonds und Private-Credit-Fonds auf den Markt, während Stablecoins zunehmend für grenzüberschreitende Zahlungen und Treasury-Aufgaben genutzt werden.
Auch große Banken suchen nach Wegen, diese Infrastruktur zu modernisieren. Swift testet Blockchain-Ledger mit 17 großen Banken zeigt, dass ähnliche Piloten bereits rund um 24/7-grenzüberschreitende Zahlungen mit tokenisierten Einlagen laufen.
Der Pilot macht außerdem deutlich, wie sich tokenisiertes Bankgeld von Stablecoins privater Anbieter wie Circle und Tether unterscheidet. Statt einer privaten Währung auf einer separaten Infrastruktur geht es hier um tokenisierte Zentralbankreserven und kommerzielle Bankeinlagen auf einem gemeinsamen Ledger-Modell, das Eigentum und Zahlungsstatus in einem Datensatz abbilden soll.
Relevanz für europäische Leser
Für europäische Krypto- und Finanzmarktbeobachter ist vor allem relevant, dass Zentralbanken und große Geschäftsbanken Tokenisierung inzwischen in einem Umfeld testen, das der realen Marktumgebung sehr nahekommt. Im Mittelpunkt stehen nicht Spekulationen, sondern Abwicklung, Transparenz und die Interoperabilität zwischen bestehenden Systemen und neuen digitalen Rails.
Die BIS bezeichnet Project Agorá als eines von mehreren Wholesale-Tokenisierungsinitiativen, die untersuchen, wie digitales Geld die zugrunde liegende Infrastruktur internationaler Märkte modernisieren kann. Das macht den Pilot interessant für alle, die verfolgen, wie sich Blockchaintechnologie schrittweise von crypto-nativen Anwendungen hin zu regulierter Finanzinfrastruktur verschiebt.