Bitcoin-Fork BIP-110 verliert nach gescheiterter Abspaltung an Tempo
Die Minderheitschain brachte in acht Stunden nur zwei Blocks hervor und erhält keine erkennbare Miner-Unterstützung. Hintergrund der Abspaltung ist BIP-110, das nicht-finanzielle Daten in Bitcoin-Transaktionen begrenzen soll.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die BIP-110-Fork von Bitcoin hat in acht Stunden nur zwei Blocks erzeugt und bewegt sich kaum noch vorwärts.
- Während die Hauptchain von Bitcoin normal weiterläuft, gibt es bislang keine Anzeichen für eine nachhaltige Miner-Unterstützung der neuen Chain.
- Durch die geteilten Transaktionen besteht ein Risiko für Replay-Angriffe, während Bestätigungen auf der Abspaltung nur sehr langsam erfolgen.
Eine neue Minderheitschain, die am Samstag von Bitcoin durch Unterstützer von BIP-110 abgespalten wurde, hat innerhalb von rund acht Stunden lediglich zwei Blocks produziert. Die Kette kommt damit fast zum Stillstand, während auf der Hauptchain inzwischen regulär weiter Blocks gefunden werden. Bislang deutet nichts darauf hin, dass Miner die neue Chain in größerem Umfang stützen werden.
Abspaltung ohne Rückhalt
Die Fork entstand bei Block 961.632. Zu diesem Zeitpunkt begannen Rechner mit BIP-110-Software, Blocks abzulehnen, die keine Unterstützung für den Vorschlag signalisierten. Auf der Hauptchain lag Bitcoin inzwischen bei Block 961.681, während die Abspaltung bei Block 961.633 festhing.
BIP-110, ausgeschrieben Bitcoin Improvement Proposal-110, soll für ein Jahr verhindern, dass Bilder, Texte und andere nicht-finanzielle Daten in Bitcoin-Transaktionen gespeichert werden. Befürworter argumentieren, dass dadurch mehr Blockspace für Zahlungen verfügbar bleibt und die Kosten für Nutzer nicht steigen, die einfach nur Geld senden wollen. Kritiker halten dagegen, dass derjenige, der die Fee bezahlt, auch darüber entscheiden sollte, wie dieser Platz genutzt wird.
Die Diskussion berührt eine grundsätzliche Frage innerhalb von Bitcoin: Wie viele nicht-finanzielle Daten gehören überhaupt in die Chain, und wer entscheidet am Ende über Änderungen am Protokoll? BIP-110 ist damit nicht nur ein technischer Vorschlag, sondern auch ein Test dafür, wie Konsens in einem dezentralen Netzwerk entsteht. Schon in einer früheren Phase der Debatte war erkennbar, wie gering die Unterstützung ausfiel: Bitcoin erreicht Block 961.632 und verschärft die BIP-110-Debatte zeigte, dass die Miner-Unterstützung deutlich unter der Schwelle lag.
Warum die Chain festhängt
Der langsame Fortschritt hat eine technische Ursache. Bitcoin passt die Mining-Difficulty alle 2.016 Blocks an, damit im Schnitt etwa alle zehn Minuten ein neuer Block entsteht. Die Abspaltung hat diese bestehende Difficulty übernommen, verfügt aber nur über wenig Hashpower. Deshalb kommen neue Blocks nur in großen Abständen zustande.
Laut dem Monitor dürfte es noch rund 350 Tage dauern, bis die neue Chain die Difficulty erneut anpassen kann. Bei Bitcoin selbst sind es dagegen nur 14 Tage. Praktisch spricht das dafür, dass die Abspaltung nur schwer aus der aktuellen Sackgasse herauskommt.
Risiken für Nutzer
Auch für Nutzer, die mit der Fork-Coin handeln wollen, ist die Lage relevant. Beide Chains akzeptieren weiterhin dieselben Transaktionen, sodass eine auf der Abspaltung signierte Transaktion auch auf Bitcoin erneut verwendet werden kann. Dadurch entsteht ein mögliches Angriffsszenario, bei dem ein Käufer dieselbe Transaktion auf der Hauptchain noch einmal sendet und dort echte BTC erhält.
Hinzu kommt, dass die neue Chain so langsam ist, dass Transaktionen dort ebenfalls nur verzögert bestätigt werden. Ob die Fork damit praktisch als eigenständiges Netzwerk nutzbar bleibt, ist offen. Zumal die Unterstützung unter den Minern laut dem Monitor weit unter dem Niveau liegt, das nötig wäre, um ohne Split zu aktivieren.