Bitcoin: Ist der vierjährige Zyklus vorbei?
Seit über zehn Jahren scheint der Bitcoin-Kurs einer relativ stabilen vierjährigen Zyklus zu folgen.

Seit über zehn Jahren scheint der Bitcoin-Kurs einer relativ stabilen vierjährigen Zyklus zu folgen. Befürworter dieses Zyklus verweisen vor allem auf das Bitcoin-Halving-Ereignis, bei dem die Belohnung für das Mining neuer Blöcke halbiert wird. Dadurch kommen weniger BTC auf den Markt, was theoretisch zu höheren Preisen führt. Befürworter der Effizienzmarkthypothese sehen das anders: Weil jeder bereits weiß, wann die Versorgung abnimmt, müsste dies bereits vollständig in dem aktuellen Kurs verarbeitet sein. Falls weitere Preissteigerungen vorerst ausbleiben, gewinnt diese Debatte erneut an Fahrt. Viele Investoren fragen sich, ob die bekannten Muster noch existieren und was das für ihre Anlagestrategie bedeutet.
Die Crypto-Kyklus kurz zusammengefasst Die historische Entwicklung von Bitcoin unterstützt die Idee dieses Zyklus. Nach früheren Halvings folgten schnelle Bullenmärkte, die nach etwa 12 bis 18 Monaten ihren Höhepunkt erreichten, gefolgt von heftigen Crashs und langen Bärenmärkten, in denen das öffentliche Interesse stark abnahm. Dieses Muster trat 2013, 2017 und 2021 auf. In 2017 und 2021 sahen wir außerdem starke Rallyes spekulativer Altcoins, die vor allem Privatanleger anzogen.
Händler, Analysten und Privatanleger glauben größtenteils immer noch an dieses Muster und handeln danach. Dadurch verstärken sie den zyklischen Charakter, was zu einer sich selbst erfüllenden Prognose führt. Dadurch hat der vierjährige Zyklus bemerkenswerte Beständigkeit gezeigt, selbst bei sich ändernden Marktbedingungen.

Haben die Bullenmärkte aufgehört? Viele Investoren spekulierten während des Kursanstiegs im November und Dezember des letzten Jahres erneut auf eine Wiederholung früherer Bullenmärkte. In den vergangenen Monaten folgte jedoch eine Enttäuschung: Bitcoin fiel um rund 25 Prozent, während Altcoins sogar all ihre Gewinne seit der Wahlerfolg von Donald Trump verloren. Beliebte AI-Tokens wie ai16z und diverse Meme-Coins brachen um mehr als 90 Prozent ein. Marktbeobachter suchen nun nach Erklärungen und zweifeln zunehmend daran, ob das vertraute Muster dauerhaft vorbei ist.
Ein oft genanntes Argument für das schwache Altcoin-Saison ist das überwältigende Angebot neuer Tokens. Plattformen wie pump.fun haben die Zahl neuer Kryptowährungen stark erhöht, wodurch das verfügbare Kapital auf zu viele verschiedene Tokens verteilt wird. Gilt besonders für spekulative Anleger ("Degens"), die ohne fundamentale Analysen auf kurzfristige Gewinne jagen.
Neuere Privatanleger werden vermutlich nicht massenhaft nach obskuren Coins suchen, sondern eher über etablierte Apps wie Robinhood handeln. Dadurch profitieren etablierte Projekte wie Ripple, Cardano und Tron zwar ein wenig von der Kapitalzufuhr, aber ihr Wachstum bleibt hinter früheren Erwartungen zurück.
Ist Geldmenge wichtiger als das Halving-Ereignis? Nach Ansicht vieler Analysten fehlen den Finanzmärkten derzeit Liquidität, um den gesamten Wert des Kryptomarkts weiter nach oben zu treiben. Bitcoin und der breitere Kryptomarkt hängen stark von Veränderungen der M2-Geldmenge und anderen Liquiditätsindikatoren ab. Während das Quantitative Tightening-Programm ausläuft, sind signifikante Liquiditätsspritzen oder weitere Zinssenkungen der US-Notenbank vorerst nicht wahrscheinlich. Trotz verbesserter Fundamentaldaten durch Maßnahmen der Regierung-Trump gibt es schlicht nicht genügend Geld für risikoreiche Anlagen.
Außerdem glauben viele Experten, dass Halvings mittlerweile weniger relevant geworden sind, aufgrund des exponentiellen Rückgangs der neuen Bitcoin-Ausgabe. Mehr als 90 Prozent aller Bitcoins sind bereits im Umlauf. Gegenargumente besagen jedoch, dass gerade durch das HODL-Verhalten der Bitcoin-Inhaber schon geringe Angebotsminderungen überproportional große Preissignale auslösen können.
Bitcoin wird erwachsen Eine Einigkeit unter Analysten ist, dass Bitcoin früher größtenteils unabhängig von traditionellen Märkten stand, inzwischen aber wie ein vollwertiges Asset auf makroökonomische Faktoren wie Geldmenge und geopolitische Ereignisse reagiert.
Bitcoin hat sich international etabliert. Durch das Eindringen großer Finanzinstitute wie BlackRock und Fidelity und das Entstehen staatlicher Bitcoin-Reserven wird die Kryptowährung zunehmend akzeptiert und anerkannt. Zugleich bedeutet die aktuelle Größenordnung von rund 1,7 Billionen Dollar, dass extreme schnelle Preissteigerungen schwieriger werden. Demgegenüber ist auch das Abwärtsrisiko durch die breitere Anerkennung des fundamentalen Wertes deutlich reduziert.