Bitcoin hinkt hinterher, während Aktien Rekorde jagen
Aktienfonds liegen auf Rekordniveau, doch Bitcoin profitiert nicht mit. NYDIG verweist auf schwache Spot-Nachfrage und ausbleibende Zuflüsse in Bitcoin-ETFs und Stablecoins.

Wichtigste Erkenntnisse
- Anleger haben ihr Engagement in Aktienfonds auf einen Rekordanteil von 64,7% der gesamten Assets erhöht, sodass viele Käufer bereits im Markt sind.
- Bitcoin profitierte nicht vom starken Risiko-Sentiment und verlor im zweiten Quartal 13,4%, während der Nasdaq 100 und Tech-Aktien zulegten.
- NYDIG zufolge braucht Bitcoin für eine nachhaltige Erholung mehr als ein freundliches Aktienumfeld, nämlich anhaltende Zuflüsse in Spot-Bitcoin-ETFs und ein wachsendes Stablecoin-Angebot.
Anleger haben Aktien inzwischen auf ein historisch hohes Gewicht im Portfolio gebracht, doch Bitcoin konnte daraus keinen Nutzen ziehen. Laut EPFR Global entfallen auf Aktienfonds inzwischen 64,7% der gesamten Assets, ein Rekordwert. BTC blieb dagegen zurück und zeigte im ersten Halbjahr eine schwache Entwicklung. Auffällig ist damit vor allem der Kontrast: Das Risiko-Sentiment ist robust, aber die größte Krypto bewegt sich nicht mehr automatisch im Takt der Aktienrally.
Aktien sind bereits weit gelaufen
Die positive Stimmung am Markt stützt sich weiterhin auf ein solides makroökonomisches Umfeld. Die Inflation schwächt sich ab, Wachstum und Unternehmensgewinne bleiben stark, und die Federal Reserve könnte nach den jüngsten CPI- und PPI-Daten laut Marktteilnehmern etwas dovisher auftreten. Dennoch sehen Strategen, unter anderem bei Societe Generale und JPMorgan, nur noch begrenzten zusätzlichen Rückenwind für Aktien. Der Grund: Die Cash-Positionen sind niedrig und systematische Fonds bereits deutlich long positioniert.
EPFR-Daten zeigen, wie weit diese Positionierung inzwischen fortgeschritten ist. Im Fondsuniversum von 72,9 $ Billionen (63,6 € Billionen) ohne Commodities machen Aktienfonds mittlerweile einen Rekordanteil von 64,7% der gesamten Assets aus. Trendfolgende CTAs liegen im 72. Perzentil ihrer historischen Aktienexponierung, während volatilitätsorientierte Fonds sogar im 91. Perzentil stehen. Anders gesagt: Ein großer Teil der Käufer ist bereits investiert.
Bitcoin folgt nicht mehr automatisch mit
Dass Bitcoin zurückbleibt, fällt umso stärker auf, weil die Kryptowährung historisch oft wie eine High-Beta-Tech-Aktie gehandelt wurde. Im März 2026 stieg die 30-Tage-Rolling-Korrelation mit dem S&P 500 sogar auf 0,74. Das zeigt, dass die Verbindung zu Aktien weiterhin ausgeprägt sein kann. Seit der Genehmigung von Spot Bitcoin-ETFs im Januar 2024 hat sich diese Beziehung zudem etwas verstärkt, auch wenn sich die Entwicklung in diesem Quartal vor allem als Performance-Unterschied und nicht als echte Entkopplung gezeigt hat.
Laut NYDIG verlor Bitcoin im zweiten Quartal 13,4% und lag auf Jahressicht 32,9% im Minus, während der Nasdaq 100 und Tech-Aktien deutlich zulegten. Hinzu kam technischer Schaden: Im zweiten Quartal 2026 fiel Bitcoin mehr als 50% unter das historische Hoch und schloss erstmals seit dem zyklischen Tief von 2023 unter dem 200-Wochen-Durchschnitt. Das spricht für einen schwachen zugrunde liegenden Trend, obwohl der breitere Risikomarkt stabil blieb.
Bedeutung für Krypto
Für europäische Krypto-Interessierte ist das relevant, weil es zeigt, dass Bitcoin nicht nur vom allgemeinen Risikoumfeld abhängt, sondern weiterhin stark auf eigene Zuflüsse angewiesen ist. NYDIG betont, dass eine nachhaltige Erholung mehr braucht als ein freundliches Aktienumfeld. Entscheidend sind demnach anhaltende Zuflüsse in Spot-Bitcoin-ETFs und ein wachsendes Stablecoin-Angebot. Bleiben diese Geldströme aus, kann Bitcoin zurückbleiben, selbst wenn Aktien nahe an ihren Höchstständen notieren.
Die Lücke zwischen Aktien und Krypto macht den Markt derzeit schwerer einzuordnen. Aktien wirken bereits weit positioniert, während Bitcoin weiter auf überzeugende Spot-Nachfrage wartet. Das Goldilocks-Umfeld, das Aktien zuletzt gestützt hat, ist für BTC vorerst also noch kein verlässlicher Rückenwind.