Bitcoin verliert den Vorsprung auf S&P 500 und Nasdaq
Die Ratios von S&P 500 und Nasdaq zu Bitcoin brechen erstmals über ihren 200-Wochen-Durchschnitt aus. Das spricht dafür, dass sich Bitcoin eher wie ein reifer Macro-Asset verhält.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die S&P 500-zu-Bitcoin-Ratio ist erstmals über den 200-Wochen-Durchschnitt gestiegen und hält sich dort.
- Auch die Nasdaq/BTC-Ratio hat erstmals einen vergleichbaren Crossover gezeigt.
- Die Bewegung deutet darauf hin, dass sich Bitcoin eher wie ein reifer Macro-Asset verhält als wie ein junger Outperformance-Trade.
Bitcoin hat Aktien und viele andere Assets über Jahre hinweg hinter sich gelassen. Eine neue Grafik deutet nun aber darauf hin, dass dieser Vorsprung kleiner werden könnte. Die S&P 500-zu-Bitcoin-Ratio ist erstmals über den 200-Wochen-Durchschnitt ausgebrochen und notiert inzwischen weiter darüber. Gleiches gilt für die Nasdaq/BTC-Ratio. Für Anleger, die Bitcoin vor allem als überlegenen Store of Value gesehen haben, ist das eine bemerkenswerte Verschiebung.
Ratio bricht aus
Die S&P 500-zu-Bitcoin-Ratio zeigt, wie viel Bitcoin nötig ist, um den Index zu kaufen. 2012 waren dafür noch mehr als 300 BTC erforderlich, inzwischen sind es rund 0,12 BTC. Seit dem Start von Bitcoin im Jahr 2010 zeigte das Verhältnis überwiegend nach unten. Der 200-Wochen-einfache gleitende Durchschnitt wirkte dabei lange wie eine Art Obergrenze. Zwar gab es in der Vergangenheit immer wieder Erholungen der Aktien im Verhältnis zu Bitcoin, doch sie blieben nie dauerhaft oberhalb dieser Linie.
Diesmal ist das Bild ein anderes. Der jüngste Ausbruch über den Durchschnitt wurde bislang nicht direkt wieder zurückgenommen, was die Bewegung aus technischer Sicht relevanter macht als frühere Ausschläge. Auch die Nasdaq/BTC-Ratio hat erstmals einen ähnlichen Crossover vollzogen.
Was das über Bitcoin sagt
Für Macro-Trader ist das ein Hinweis darauf, dass Bitcoin womöglich seltener jene klare Outperformance zeigt, die frühere Marktphasen geprägt hat. Die Vorstellung, Bitcoin könne als alleiniger Renditetreiber in einem Portfolio besonders stark wirken, gerät damit etwas unter Druck. Zugleich passt die Entwicklung zu einem Markt, der deutlich größer und reifer geworden ist: Bitcoin hat inzwischen eine Marktkapitalisierung von mehr als 1 $ Milliarde (0,9 € Milliarde), während die Münze auch über Spot ETF's, Optionen, Futures und andere strukturierte Produkte gehandelt wird.
Mit dieser Reifung werden extreme Kursbewegungen schwieriger. In den frühen Jahren konnte ein vergleichsweise kleiner Markt noch schnell vervierfachen oder mehr. Heute ist das deutlich schwerer aufrechtzuerhalten, weil Bitcoin viel größer geworden ist und enger mit dem breiteren Finanzmarkt zusammenhängt. Das aktuelle Verhältnis zwischen Aktien und Bitcoin zeigt deshalb vor allem, dass sich die Krypto eher wie ein reifer Macro-Asset verhält als wie ein junger High-Beta-Trade.
Relevant für europäische Anleger
Für europäische Krypto-Anleger ist das relevant, weil Bitcoin zunehmend mit klassischen Indexanlagen verglichen wird und nicht mehr nur mit anderen Tokens. Die Grafik macht außerdem deutlich, wie wichtig Liquidität, Derivate und der Zugang über ETF's für die Preisbildung geworden sind. Das macht Bitcoin in seiner Bewegung zwar weniger außergewöhnlich, aber innerhalb der breiteren Marktstruktur besser einzuordnen.
Bitcoin hinkt derweil auch hinterher, während Aktien Rekorde brechen. Dadurch wird die relative Verschiebung noch klarer sichtbar.