Bitcoin braucht mehr als 1 Billion Dollar für die nächste Rally
CryptoQuant sieht bei Bitcoin eine sinkende Kapitaleffizienz: Seit 2022 sind bereits 697 Milliarden Dollar zugeflossen, doch für eine neue parabolische Phase könnten laut Ki Young Ju mehr als 1 Billion Dollar zusätzlich nötig sein.

Wichtigste Erkenntnisse
- CryptoQuant zufolge bringt Bitcoin pro neuem Dollar Zufluss inzwischen weniger Rendite als in früheren Bull Cycles.
- Seit 2022 sind rund 697 Milliarden Dollar in Bitcoin geflossen, was einem Kursanstieg von 689 Prozent entspricht.
- Laut Ki Young Ju könnte für eine neue parabolische Phase möglicherweise mehr als 1 Billion Dollar zusätzliches Kapital nötig sein.
Bitcoin reagiert auf neue Zuflüsse heute deutlich weniger stark als in früheren Bull Cycles. Nach Daten von CryptoQuant ist diese sinkende Kapitaleffizienz inzwischen ein wiederkehrendes Muster im Markt. Während in den Anfangsjahren schon vergleichsweise wenig Kapital für starke Kursbewegungen reichte, braucht es inzwischen deutlich mehr Geld, um prozentual ähnliche Effekte zu erzielen.
Weniger Rendite pro Dollar
CryptoQuant hat den Nettozufluss je Cycle mit der jeweiligen Kursentwicklung von Bitcoin verglichen. Im Cycle von 2011 führten rund 2,8 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) an neuem Kapital zu einer Rally von etwa 55.000 Prozent. Der Cycle von 2015 erforderte ungefähr 69 Milliarden Dollar (60,3 Milliarden Euro) für einen Anstieg von fast 10.000 Prozent, während die Bewegung von 2018 rund 365 Milliarden Dollar (319 Milliarden Euro) für etwa 2.000 Prozent Gewinn brauchte.
Seit 2022 sind laut Analyse etwa 697 Milliarden Dollar (609 Milliarden Euro) an neuem Geld in den Markt geflossen. Das entspricht einem Kursanstieg von 689 Prozent. Grundlage der Berechnung ist die realisierte Marktkapitalisierung. Diese Kennzahl bewertet Coins zu dem Preis, zu dem sie zuletzt bewegt wurden, und gibt damit einen groben Hinweis darauf, wie viel Kapital tatsächlich in Bitcoin steckt.
Institutionelles Geld muss größer werden
CryptoQuant-Gründer Ki Young Ju wertete die Daten als Argument für Geduld und nicht als Hinweis auf einen möglichen Marktgipfel. Aus seiner Sicht muss Bitcoin stärker als zentrales Makro-Asset wahrgenommen werden und darf nicht nur als von Retail getriebener ETF-Trade gelten, damit erneut eine parabolische Phase entstehen kann. Dafür könnte seiner Einschätzung nach mehr als 1 Billion Dollar (0,9 Billionen Euro) zusätzliches Kapital nötig sein, was eine deutlich breitere institutionelle Adoption voraussetzen würde, als derzeit sichtbar ist.
Diese institutionelle Ebene ist seit dem Start der Spot Bitcoin ETFs im Januar 2024 zwar klarer geworden. Große Häuser wie BlackRock, Fidelity und Ark Invest haben entsprechende Produkte auf den Markt gebracht. Dadurch können professionelle Anleger über regulierte Anlageinstrumente einfacher ein Exposure zu Bitcoin aufbauen. Auch Unternehmensbilanzen und sogar Staatsfonds spielen dabei eine größere Rolle, was zeigt, dass Bitcoin zunehmend als strategische Allokation betrachtet wird. Dazu passt die jüngste Verschiebung, bei der große Holder weiter zukaufen, während der ETF-Markt schwächer wirkt, wie in dem Gegensatz zwischen Whales und ETF-Abflüssen.
Relevanz für europäische Leser
Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem wichtig, dass sich die Bitcoin-Debatte immer weniger um schnelle Retail-Ströme dreht und immer stärker um die Frage, wie viel strukturelles Kapital der Markt aufnehmen kann. Das dürfte auch beeinflussen, wie Marktteilnehmer Bitcoin in breiteren Portfolios einordnen, vor allem jetzt, da der regulierte Zugang über ETFs und Krypto-Unternehmen den Markt professioneller macht. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass eine größere Marktkapitalisierung automatisch dazu führt, dass neue Zuflüsse seltener zu extremen prozentualen Bewegungen führen.
Der Vergleich mit Gold macht diesen Punkt besonders deutlich. Gold kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 27 Billionen Dollar (23,6 Billionen Euro) und liegt damit mehr als beim Zwanzigfachen von Bitcoin. Befürworter nutzen diesen Abstand, um Bitcoin als makroökonomischen Wertspeicher und nicht nur als spekulativen Trade zu positionieren. Die Kehrseite bleibt jedoch klar: Je größer ein Asset wird, desto mehr Kapital braucht es, um denselben prozentualen Effekt auszulösen. Ob Zuflüsse in dieser Größenordnung tatsächlich kommen, ist offen.