Bitcoin-Q-Day rückt näher, warnt Casa-Chef Lopp
Lopp sieht die Quantenbedrohung für Bitcoin noch nicht als unmittelbar an, warnt aber, dass die Migration zu quantensicheren Signaturen Jahre dauern kann.

Wichtigste Erkenntnisse
- Casa-Chef Jameson Lopp warnt, dass Bitcoin noch nicht direkt anfällig für Quantencomputer ist, die Vorbereitung aber hinterherhinkt.
- Rund 2,6 Millionen BTC liegen in Adressen, die möglicherweise nie auf quantensichere Kryptografie umgestellt werden.
- Lopp unterstützt BIP-361, um quantenanfällige Signaturen schrittweise auslaufen zu lassen, während ein vollständiges Upgrade fünf bis 15 Jahre dauern kann.
Casa-Chef Jameson Lopp sagt, dass ein Quantencomputer, der Bitcoin knacken kann, noch weit entfernt ist, warnt aber zugleich, dass die Vorbereitung auf diese Bedrohung bereits hinterherhinkt. Seiner Ansicht nach steht der Kryptomarkt hier nicht vor einem unmittelbaren Problem, wohl aber vor einer technischen und organisatorischen Frage, die sich nicht aufschieben lässt.
Warum Q-Day zählt
Die Diskussion dreht sich um rund 2,6 Millionen BTC im Wert von grob $207 Milliarden (€185 Milliarden), die in Adressen liegen, die möglicherweise nie auf quantensichere Kryptografie umgestellt werden. Das macht das Thema für alle relevant, die Bitcoin langfristig verfolgen, zumal viele Adressen bereits eine öffentliche Schlüsselspur hinterlassen haben. In diesem Szenario könnte ein Angreifer theoretisch später versuchen, zuvor gesammelte Daten doch noch auszunutzen.
Lopp weist darauf hin, dass Bitcoin vor allem über seine Elliptic-Curve-Signaturen verwundbar wäre, nicht über das SHA-256-Hashing, das beim Mining verwendet wird. Die Lücke zwischen dem aktuellen Stand der Technik und einem Computer, der Bitcoin-Signaturen brechen kann, ist seiner Einschätzung nach noch enorm. Googles Willow-Chip läuft mit 105 Qubits, während Google im März schätzte, dass weniger als 500.000 Qubits nötig wären, um Bitcoin-Signaturen zu knacken.
Die Frist bleibt umstritten
Nicht alle sehen denselben Zeitrahmen. Stefano Gogioso, Dozent für Quantencomputing in Oxford und Mitgründer von Spooqy, verortet Q-Day eher in den frühen bis mittleren 2030er-Jahren. Er definiert Q-Day als den Zeitpunkt, an dem die secp256k1-Kurve von Bitcoin innerhalb eines Blocks, also etwa 10 Minuten, gebrochen werden kann.
Lopp nennt diese Einschätzung wiederum einen Grund, schon jetzt zu planen. Er arbeitete an BIP-361 mit, einem Vorschlag, quantenanfällige Signaturen über mehrere Jahre hinweg auslaufen zu lassen. Seiner Ansicht nach würde erst dann echter Druck entstehen, das zu aktivieren, wenn ein leistungsfähiger Quantencomputer weniger als 10 Jahre entfernt scheint. Gleichzeitig ist der Umstieg selbst langsam: Chaincode Labs schätzt, dass ein vollständiges Upgrade fünf bis 15 Jahre dauern kann.
Warum das für Bitcoin-Halter zählt
Der Kern des Problems ist nicht nur die Technik, sondern auch die Koordination. Bitcoin hat keine formale Governance-Struktur, die schnell eine netzwerkweite Änderung durchsetzen kann, während ein neuer Signaturstandard breit akzeptiert werden muss, damit das Netzwerk nutzbar bleibt. Das macht den Zeitpunkt eines Umstiegs wichtiger als nur die Frage, ob Quantencomputer heute schon stark genug sind.
Lopp sagt, das Problem sei nicht in dem Sinne dringend, dass Nutzer heute in Panik geraten müssten. Dringend sei es aber, weil dezentralisierte Systeme schwierige Entscheidungen treffen müssen, bevor eine Notsituation entsteht. Coinbase, das laut Lopp rund 12 % aller BTC verwahrt, veröffentlichte im Oktober bereits einen Plan zur Quantenvorbereitung, aber für das Protokoll selbst gibt es noch keine vereinbarte Frist. Auch Coinbases früherer Vorschlag zur Quantenvorbereitung drehte sich bereits um eine gestaffelte Migration von Wallets und Signaturen, gerade weil ein plötzlicher Umstieg für das Netzwerk schwierig wäre.