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Britische Lobby-Beschwerde setzt Farage und Tether unter Druck

Im Zentrum steht ein Gespräch mit der Bank of England kurz nach Spenden von Christopher Harborne, der Berichten zufolge an Tether beteiligt sein soll. Gleichzeitig geraten die britischen Regeln zu Kryptospenden und Lobbying stärker in den Blick.

Britische Lobby-Beschwerde setzt Farage und Tether unter Druck

Wichtigste Erkenntnisse

  • Eine Labour-Beschwerde fordert eine Untersuchung gegen Nigel Farage wegen möglichem bezahltem Lobbying nach einem Gespräch mit Bank-of-England-Gouverneur Andrew Bailey.
  • Im Zentrum steht die britische 12-Monats-Regel, weil Farage im Januar 2025 £25.000 von Spender Christopher Harborne erhalten hat.
  • Reform UK und Farage weisen Fehlverhalten zurück, die Aufsichtsbehörde hat bisher keine formelle Untersuchung angekündigt.

Eine offizielle Beschwerde im britischen Parlament lenkt den Blick erneut auf Nigel Farages Krypto-Aktivitäten. Der Labour-Abgeordnete Phil Brickell fordert, dass die zuständige Aufsichtsbehörde prüft, ob der Reform-UK-Chef gegen die Regeln zu bezahltem Lobbying verstoßen hat. Auslöser ist ein privates Gespräch mit Bank-of-England-Gouverneur Andrew Bailey, das kurz nach Spenden von Christopher Harborne stattgefunden haben soll. Harborne soll laut Berichten einen Anteil von 12% an Tether halten.

Die 12-Monats-Regel

Im Mittelpunkt des Falls steht eine Parlamentsregel, die außerhalb Westminster kaum bekannt sein dürfte. Nach den britischen Vorgaben dürfen MPs 12 Monate lang nicht im Namen der Partei tätig werden, die ihnen eine Spende, Zahlung oder Hospitality gewährt hat, wenn daraus für den Geldgeber ein finanzieller oder materieller Vorteil entstehen könnte.

Die Frist wurde im März 2023 von sechs auf zwölf Monate ausgeweitet. Hintergrund war die heftige Debatte um Owen Paterson. Mit der Verschärfung wollte die britische Politik verhindern, dass frisch unterstützte Abgeordnete ihren Zugang zu Westminster nutzen, um Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen, die den Interessen ihrer Geldgeber dienen könnten.

Brickell bittet Parliamentary Commissioner for Standards Daniel Greenberg zu prüfen, ob Farages Gespräch mit Bailey im September 2025 unter diese Regel fiel. Laut der Beschwerde könnte das relevant sein, weil Farage im Januar 2025 eine Spende von £25.000 von Harborne erhalten hat und damit noch innerhalb der 12-Monats-Frist lag.

Spenden und Timing

Besonders heikel wirkt in diesem Zusammenhang das Timing. Farage soll bereits zuvor eine Spende von £5 Millionen von Harborne für die Parlamentswahl im Juli 2024 erhalten haben. Zu diesem Vorgang läuft laut Bericht bereits eine separate Prüfung durch Greenberg. Hinzu kommt, dass Farage im Februar 2026 weitere £25.000 erhalten haben soll und Reform UK Berichten zufolge zusätzlich £15 Millionen von demselben Spender bekam.

Bei dem Gespräch mit Bailey soll Farage darauf gedrängt haben, die Pläne für ein digitales Pfund zu beenden. Später lockerte die Bank of England ihren Kurs bei Stablecoins und gab die Obergrenze für Bestände zugunsten eines Emissionslimits von £40 Milliarden auf. Zuvor hatten Branchenvertreter gewarnt, dass ein Cap von £20.000 für Unternehmen kaum praktikabel wäre.

Brickell betont, es gehe nicht nur um Krypto, sondern auch um mögliche Interessenkonflikte. Problematisch sei vor allem die Frage, ob ein Abgeordneter über Politik spricht, die den Wert der Investments eines großen Spenders beeinflussen könnte. Ein zweiter Labour-MP, Joe Powell, hat Bailey inzwischen um weitere Details zu dem Gespräch gebeten.

Warum das breiter relevant ist

Für Krypto-Anleger in Europa ist das mehr als ein innerbritischer Parteistreit. Der Fall zeigt, wie eng Stablecoins, politische Spenden und Zentralbankpolitik miteinander verknüpft sein können, wenn ein großer Geldgeber in der Branche sichtbar wird. Im Vereinigten Königreich gilt seit März 2025 zudem ein Moratorium für Kryptospenden an politische Parteien, vor allem wegen der Sorge vor ausländischem Einfluss.

Reform UK und Farage bestreiten, dass Fehlverhalten vorliegt. Die Partei hält die Vorwürfe für unbegründet, während die Bank of England das Treffen als routinemäßigen Austausch beschreibt. Greenberg hat bislang nicht mitgeteilt, ob die Lobby-Beschwerde in eine formelle Untersuchung übergeht. Von einem festgestellten Verstoß ist bisher keine Rede.

Farage hat sein Krypto-Exposure in diesem Jahr außerdem mit einem Bitcoin-Kauf von £2 Millionen im April erhöht. Sollte die Aufsichtsbehörde der Beschwerde weiter nachgehen, könnte das zeigen, wie strikt das britische Parlament die 12-Monats-Regel im Krypto-Umfeld auslegen will.


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