Celsius fordert 6.360 BTC von BitMEX nach Liquidationen zurück
Die Masse von Celsius sagt, BitMEX sei für erzwungene Liquidationen während des Covid-Crashs verantwortlich gewesen. Die Klage folgt, während die Exchange am 23. September den Handel einstellt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Celsius fordert über seine Masse 6.360 BTC von BitMEX zurück, nachdem es während des Covid-Crashs im März 2020 zu erzwungenen Liquidationen gekommen sein soll.
- Die Coins sind laut der Klage heute rund 495 Millionen Dollar wert, und der Fall wurde am 12. September in New York eingereicht.
- Celsius und BitMEX streiten über die Handelspraktiken, während die Vorwürfe noch nicht bewiesen sind.
Der insolvente Krypto-Lender Celsius Network fordert über seine Masse 6.360 BTC von BitMEX zurück, nachdem es während des Covid-Crashs im März 2020 zu erzwungenen Liquidationen gekommen sein soll. Die Coins sind heute rund $495 Millionen (€429 Millionen) wert. Der Fall wurde am 12. September beim amerikanischen Insolvenzgericht in New York eingereicht.
Rechtsstreit in New York
Die Klage wurde eingereicht von Blockchain Recovery Investment Consortium, der Partei, die im Celsius-Insolvenzverfahren damit beauftragt wurde, Forderungen einzuziehen. In dem Fall werden unter anderem HDR Global Trading, ABS Global Trading, Shine Effort, 100x Holdings und HDR Global Services als Beklagte genannt. Laut Celsius sind diese Einheiten über Bermuda, die Kaimaninseln, England, Hongkong, die Seychellen und die USA verteilt.
Celsius sagt, dass es am 12. März 2020 bei einer einzelnen Liquidation 1.325,84 BTC verloren habe. Einen Tag später soll der Investmentfonds JST weitere 5.034,33 BTC verloren haben. Beide Positionen waren nur dann profitabel, wenn Bitcoin unverändert blieb oder stieg. In der Klage steht außerdem, dass BitMEX sowohl das Liquidationssystem als auch den dahinterstehenden Versicherungsfonds kontrollierte.
Widerspruch zur Celsius-Darstellung
Die Klage steht im Widerspruch dazu, wie Celsius sich über Jahre selbst dargestellt hat. Das Unternehmen zahlte Zinsen auf Kundeneinlagen und vermarktete sich als Anbieter von risikoarmen, delta-neutralen Strategien wie Arbitrage, Funding-Rate-Harvesting und Carry Trades. In einer Insolvenzunterlage aus Juli 2022 sagte Celsius jedoch, dass es hinter diesen Behauptungen mit mehreren hochspekulativen Mechanismen für Derivate und Kapitaleinsatz gearbeitet habe. Der vom Gericht eingesetzte Ermittler kam später zu einer ähnlichen Schlussfolgerung.
Dieser Hintergrund macht die aktuelle Forderung für Krypto-Beobachter besonders heikel. Celsius brach 2022 mit einer großen Bilanzlücke zusammen, und der Fall gegen BitMEX zeigt erneut, wie groß der Schaden aus den frühen Hebeljahren des Kryptomarkts noch immer sein kann. Für europäische Leser ist vor allem relevant, dass sich solche Insolvenzverfahren oft über Jahre hinziehen und noch lange rechtliche Forderungen nach sich ziehen können.
BitMEX zieht sich zurück
Die Klage ist die zweite gegen BitMEX, seit das Unternehmen im Juli angekündigt hat, sich zurückzuziehen. Die Krypto-Exchange stellt den Handel am 23. September ein. Das verleiht dem Fall zusätzliches Gewicht, weil die Masse nun versucht, Werte aus einer Phase zurückzuholen, die für viele Händler noch immer als Synonym für extreme Liquidationen und hohe Risiken gilt.
Die Vorwürfe sind noch nicht bewiesen. Die Sache passt jedoch in die breitere Nachwirkung des Zusammenbruchs von FTX und anderer großer Schocks in der Branche, in der alte Handelspositionen, Insolvenzen und Forderungen weiterhin aufeinandertreffen.