Finst

Circle unterstützt MiCA-Änderung, die Tether zurück nach Europa bringen könnte

Circle will, dass die EU ausländische Stablecoin-Regeln unter MiCA anerkennen kann. Das könnte Tethers USDT, das in Europa derzeit weitgehend ausgeschlossen ist, möglicherweise zurückbringen.

Circle unterstützt MiCA-Änderung, die Tether zurück nach Europa bringen könnte

Wichtigste Erkenntnisse

  • Circle unterstützt einen Vorschlag zur Equivalence, mit dem die EU ausländische Stablecoin-Regeln möglicherweise anerkennen könnte.
  • Tether verlor den Zugang zum EU-Markt unter MiCA, weil USDT die europäischen Vorgaben nicht erfüllte und keine separate EU-Struktur aufgebaut wurde.
  • Die Europäische Kommission prüft MiCA zwar erneut, doch eine schnelle Rückkehr von Tether nach Europa erscheint vorerst eher unwahrscheinlich.

Circle stellt sich hinter einen Vorschlag, der Tether womöglich den Weg zurück nach Europa öffnen könnte, ohne dass der Herausgeber dafür eine neue Stablecoin auflegen muss. Im Zentrum steht dabei das Konzept der Equivalence: Die EU könnte damit Regeln aus dem Heimatland eines Kryptounternehmens anerkennen, statt zwingend einen eigenen europäischen Rahmen zu verlangen.

MiCA lässt derzeit wenig Spielraum

MiCA ist das europäische Regelwerk für Krypto und Stablecoins. Die Stablecoin-Vorgaben gelten seit dem 1. Juli vollständig. Aus Sicht von Circle fehlt jedoch ein zentrales Element: Es gibt bislang keine Möglichkeit, ausländische Vorschriften den europäischen Anforderungen gleichzustellen.

Für internationale Herausgeber ist der aktuelle Weg deshalb vergleichsweise aufwendig. Wer EU-Nutzer bedienen will, muss zunächst eine lizenzierte Einheit in der EU aufbauen. Patrick Hansen, Circles Leiter für EU-Politik, bezeichnet das als den schwierigen Weg für globale Stablecoins.

Hinzu kommt, dass MiCA Stablecoins in zwei Gruppen einteilt, nämlich Asset-Referenced Tokens und Electronic Money Tokens, jeweils mit eigenen Anforderungen an die Emittenten. Für große Stablecoin-Herausgeber gilt außerdem, dass ein erheblicher Teil der Reserven bei Banken liegen muss. Das erhöht die Hürde für Anbieter außerhalb Europas zusätzlich.

Tether hat sich für den Ausweg entschieden

Tether, der größte Stablecoin-Anbieter, ist diesen Weg nicht gegangen. USDT kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 184 $ Milliarden (162 € Milliarden) und wurde in Europa auf mehreren Krypto-Exchanges zurückgedrängt oder entfernt, nachdem der Token nicht mit den MiCA-Vorgaben vereinbar war. Das Unternehmen hält den Großteil seiner Reserven in US-Staatsanleihen, während MiCA für bedeutende Herausgeber verlangt, dass mindestens 60 % der Absicherung in Bankeinlagen liegen.

Tether hat sich damit faktisch gegen eine Anpassung von USDT und für den Verlust des EU-Zugangs entschieden. Eine Equivalence-Regel könnte dieses Bild umkehren: Würde die EU die Heimatregeln von Tether anerkennen, könnte USDT zurückkehren, ohne dass dafür eine separate EU-Coin nötig wäre.

Trotzdem bleibt dieses Szenario vorerst schwierig. Tether hat seinen Sitz in El Salvador, verfügt bislang über keine Genehmigung unter dem neuen US-Stablecoin-Gesetz und hat sogar eine separate US-Coin gestartet, statt USDT anzupassen. Eine schnelle Rückkehr nach Europa erscheint deshalb derzeit eher unwahrscheinlich.

Bedeutung für Europa

Für europäische Krypto-Anleger ist das relevant, weil die Debatte zeigt, dass MiCA nicht nur bestehende Stablecoins herausfiltert, sondern auch bestimmt, welche globalen Anbieter überhaupt Zugang zum Markt behalten. Circle ist mit USDC und EURC bereits auf MiCA-Kurs, während Wettbewerber möglicherweise über einen neuen politischen Weg zurückkehren könnten.

Die Europäische Kommission hat im Mai 2026 eine Überprüfung von MiCA angestoßen, und genau dort könnte eine solche Änderung diskutiert werden. Politisch bleibt das allerdings heikel, zumal viele große Stablecoins an den Dollar gekoppelt sind und die Europäische Zentralbank parallel an einem digitalen Euro arbeitet.


Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine finanzielle, anlagebezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Die bereitgestellten Informationen können unvollständig, ungenau oder veraltet sein und sollten nicht als solche herangezogen werden. Nichts auf dieser Website sollte als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Kryptowährungen angesehen werden. Investitionen in Krypto-Assets sind mit Verlustrisiken verbunden.