Circle sieht Stablecoins auf dem Weg zu digitalem Cash
Circle-Chef Jeremy Allaire sieht Stablecoins zu einer Zahlungsinfrastruktur heranwachsen, während die USA mit dem GENIUS Act und einem Bank-Charter für die First National Digital Currency Bank mehr Klarheit schaffen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Circle-Chef Jeremy Allaire sagt, dass sich Stablecoins von einem Trading-Tool hin zu digitalem Cash für Banken, Unternehmen und Zahlungsnetzwerke entwickeln.
- Circle hat für die First National Digital Currency Bank einen US-Bank-Charter erhalten, nachdem zuvor bereits ein Antrag und eine vorläufige Genehmigung vorlagen.
- Der GENIUS Act schafft einen föderalen Stablecoin-Rahmen mit vollständigen Reserven und monatlicher Veröffentlichung, was Circles Rolle als Infrastruktur-Anbieter stärken dürfte.
Nach Einschätzung von Circle-Chef Jeremy Allaire stehen Stablecoins vor einem deutlichen Funktionswandel. Was bislang vor allem als Werkzeug für Krypto-Trader galt, dürfte sich seiner Ansicht nach zunehmend zu digitalem Cash entwickeln, das Banken, Unternehmen und Zahlungsnetzwerke im Hintergrund einsetzen können.
Vom Trading-Tool zur Zahlungsinfrastruktur
In einem Interview mit CNBC erklärte Allaire, dass Stablecoins zwar ursprünglich an Krypto-Börsen entstanden sind, ihr Einsatzbereich dort aber längst nicht mehr endet. Der Markt verschiebe sich seiner Einschätzung nach klar in Richtung Zahlungen, während Stablecoins zugleich auch in den Kapitalmärkten an Bedeutung gewinnen, wo große Finanzakteure sie bereits nutzen.
Diese Einordnung passt zu Circles jüngstem regulatorischen Schritt. Das Unternehmen erhielt einen US-amerikanischen Bank-Charter, nachdem es im Juni 2025 einen Antrag bei der OCC eingereicht hatte, im Dezember bereits eine vorläufige Genehmigung bekam und am 10. Juli schließlich das endgültige grüne Licht für die First National Digital Currency Bank erhielt. Allaire bezeichnete dies als die erste neue Digital-Asset-Bank, die die OCC jemals gechartert habe.
Neue Regeln geben Orientierung
Hinzu kommt das regulatorische Umfeld: das US-Stablecoin-Gesetz GENIUS Act ist inzwischen unterzeichnet. Es schafft einen föderalen Rahmen für Stablecoins in den Vereinigten Staaten und schreibt Emittenten vor, Reserven mindestens im Verhältnis 1:1 zu halten und monatlich offenzulegen. In Kraft tritt das Gesetz am 18. Januar 2027, oder früher, falls die Aufsichtsbehörden die Umsetzungsregeln schneller fertigstellen.
Für Circle ist das von Bedeutung, weil USDT von Tether mit einem Marktwert von 184 $ Milliarden (161 € Milliarden) im Krypto-Trading weiterhin klar führt, während USDC von Circle bei 73 $ Milliarden (63,9 € Milliarden) liegt. Allaire macht damit indirekt deutlich, dass Circle nicht zwingend beim Handelsvolumen vorne liegen muss, sondern vor allem bei der Nutzung als Infrastruktur für digitale Dollar-Ströme. Auch bei großen Zahlungsnetzwerken zeigt sich dieser Trend: Visa setzt Stablecoins zunehmend als Enterprise-Infrastruktur für Banken, Fintechs und andere Unternehmen ein.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Nutzer ist das relevant, weil es zeigt, dass Stablecoins immer stärker als Zahlungsinfrastruktur und nicht nur als Handelsinstrument wahrgenommen werden. Das könnte auch beeinflussen, wie Aufsichtsbehörden, Banken und Krypto-Unternehmen in Europa auf ähnliche Produkte blicken, vor allem vor dem Hintergrund von MiCA und den laufenden Diskussionen über einen digitalen Euro. Sollten große Akteure Stablecoins tatsächlich als digitales Cash einsetzen, dürfte sich die Grenze zwischen Krypto und klassischem Zahlungsverkehr weiter verwischen.