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Circle-Aktie fällt nach Start von Open USD um fast 15 %

Die neue Dollar-Stablecoin von Visa, Mastercard und Coinbase setzt vor allem Circles USDC-Geschäftsmodell unter Druck. Der Zeitpunkt ist zusätzlich heikel, weil die Vereinbarung mit Coinbase im August neu verhandelt wird.

Circle-Aktie fällt nach Start von Open USD um fast 15 %

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die Circle-Aktie ist am Dienstag um fast 15 % eingebrochen, nachdem Open Standard Open USD mit Unterstützung von mehr als 140 Unternehmen gestartet wurde.
  • Open USD richtet sich an Unternehmenskunden und setzt Circles Geschäftsmodell unter Druck, weil Zinsen auf Reserven 2024 laut Unternehmensangaben für 99 % des Umsatzes standen.
  • Für Europa ist relevant, dass die neue Consortium-Stablecoin den Wettbewerb um Geschäftszahlungen und Settlement mit USDC weiter verschärfen könnte.

Die Aktie der Circle Internet Group (CRCL) ist am Dienstag deutlich unter Druck geraten, nachdem Open Standard Open USD (OUSD) an den Start gegangen ist. Die Dollar-Stablecoin wird von mehr als 140 Unternehmen unterstützt und zielt direkt auf ein Marktsegment, in dem USDC bislang besonders stark ist. Unter den Unterstützern finden sich unter anderem Visa, Mastercard und Coinbase. Damit steht hinter dem Token eine breite Allianz aus Zahlungsnetzwerken, Banken und Krypto-Unternehmen.

Druck auf das USDC-Modell

Im Fokus stehen vor allem Unternehmenskunden, also genau jene Nutzergruppe, die auch für die Verbreitung von USDC entscheidend ist. Unternehmen können OUSD kostenlos prägen und wieder einlösen. Partner behalten nach einer kleinen Gebühr die Erträge aus den Reserven. Für Circle ist das ein spürbarer Gegenwind, denn laut der Einreichung des Unternehmens stammten 2024 99 % der Umsätze aus Zinsen auf Reserven.

Auffällig ist auch die Rolle von Coinbase. Circle zahlte der Börse im vergangenen Jahr 908 Millionen $ (797 Millionen €), um USDC zu vertreiben. Gleichzeitig ist Coinbase nun selbst Teil eines konkurrierenden Netzwerks, das die Erträge aus den Reserven bei den Partnern belässt. Die Circle-Aktie verlor am Dienstag fast 15 % und markierte damit das Tagestief.

Konsortium statt einzelner Emittent

Open USD wird nicht von einem einzelnen Anbieter kontrolliert, sondern über ein unabhängiges Board der beteiligten Partner gesteuert. Das Konsortiumsmodell soll Entscheidungsprozesse und wirtschaftliche Erträge auf mehrere Unternehmen verteilen. Damit unterscheidet es sich von vielen klassischen Stablecoins, die von einem einzelnen Emittenten geprägt werden. Zunächst führt Zach Abrams das Projekt. Er war zuvor Mitgründer von Bridge, dem Stablecoin-Unternehmen, das Stripe 2025 für 1,1 Milliarden $ (1 Milliarde €) übernommen hat.

Die Liste der Unterstützer reicht von BlackRock und BNY bis zu Google und Shopify. Stripe hat seinen Zahlungsdienst zudem direkt an den Token angebunden. In der Ankündigung wurde Will Gaybrick, President Technology and Business bei Stripe, mit der Aussage zitiert, Open USD solle die Standard-Stablecoin für Unternehmen auf Stripe werden.

Warum das Europa betrifft

Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem relevant, dass USDC bereits in den USA und in Europa gut positioniert ist, unter anderem wegen seines regulatorischen Status und der hohen Liquidität auf Exchanges. Wenn nun ein Konsortium mit großen Zahlungsnetzwerken und Tech-Unternehmen ebenfalls eine eigene Stablecoin auf den Markt bringt, dürfte das den Wettbewerb um Geschäftszahlungen und Settlement weiter verschärfen. Zusätzlich ist der Zeitpunkt heikel, weil die Revenue-Sharing-Vereinbarung zwischen Circle und Coinbase im August erneut verhandelt wird.

Open USD soll später in diesem Jahr auf Plasma und weiteren Chains live gehen, die speziell für Stablecoin-Zahlungen entwickelt wurden. Ganz neu ist die Dynamik solcher Kooperationen allerdings nicht: Visa, Mastercard und Stripe unterstützten 2019 auch Facebooks Libra, zogen sich aber innerhalb weniger Monate unter dem Druck der Aufsichtsbehörden wieder zurück.


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