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Clarity Act kann Wall Street nicht mehr bremsen

Die Abstimmung in Washington kann die US-Regeln klarer machen, doch Banken und Vermögensverwalter bauen bereits mit Spot-Bitcoin-ETFs und Tokenization weiter aus.

Clarity Act kann Wall Street nicht mehr bremsen

Wichtigste Erkenntnisse

  • Wall Street wartet auf die Abstimmung über die Clarity Act, die Banken und Vermögensverwaltern mehr Klarheit über digitale Assets geben könnte.
  • Große Finanzinstitute bauen bereits Krypto-Dienste über Spot-Bitcoin-ETFs, Tokenization-Plattformen und andere Produkte auf.
  • Ein Scheitern des Gesetzes würde die Entwicklung wahrscheinlich verzögern, aber nicht stoppen, während europäische Akteure den US-Kurs verfolgen.

Wall Street wartet am Dienstag auf eine wichtige Abstimmung über die amerikanische Clarity Act, doch der Aufbau von Krypto-Diensten durch große Finanzinstitute scheint bereits weiter fortgeschritten zu sein als Washington. Das Gesetz kann Banken, Brokern und Vermögensverwaltern mehr Klarheit darüber geben, wie sie digitale Assets handeln und Produkte entwickeln dürfen, doch ein Scheitern würde diese Bewegung wahrscheinlich vor allem verzögern, nicht stoppen.

Mehr Klarheit für Institutionen

Der Digital Asset Market Clarity Act soll ein klareres Regelwerk für den Kryptomarkt in den Vereinigten Staaten schaffen. Damit würde besser abgegrenzt, wann ein digitales Asset als Commodity gilt und wie Broker und Handelsplattformen damit arbeiten dürfen. Das ist vor allem für Akteure relevant, die sich bislang noch zwischen den Regeln der SEC und der CFTC bewegen müssen.

Laut Chris Crawford, Partner bei der Kanzlei Fenwick, würde das Gesetz vor allem helfen, intern schneller Entscheidungen zu treffen. Er bezeichnete das Gesetz als „enorm nützlich“ für die Adoption der Technologie, aber nicht zwingend notwendig, um diese Adoption überhaupt anzustoßen. Große Akteure sind nämlich bereits über Spot-Bitcoin-ETFs, Tokenization-Plattformen und andere Krypto-Produkte aktiv.

Wall Street baut bereits weiter

Brian Vieten, Senior Research Analyst bei Siebert Financial, sagte, dass die Verabschiedung des Gesetzes für US-Finanzinstitute wie eine grüne Ampel für schnellere Blockchain-Investitionen, tokenisierte Produkte und Übernahmen wirkt. Sollte die Abstimmung jedoch scheitern, könnte das seiner Ansicht nach sogar einen zusätzlichen Anreiz geben, Produkte früher auf den Markt zu bringen, solange das aktuelle Umfeld noch relativ günstig ist.

Diese Einschätzung passt zu einer breiteren Verschiebung im Markt. JPMorgan-Analysten warnten bereits zuvor, dass Verzögerungen rund um das Gesetz das Wachstum von Tokenization und Blockchain-Anwendungen bremsen könnten, während Citi das Segment der tokenisierten Assets bereits auf $17 Milliarden (€14,7 Milliarden) schätzt und erwartet, dass es bis 2030 auf $5,5 Billionen (€4,8 Billionen) wachsen könnte. Das zeigt, wie hoch der Einsatz ist, auch wenn das Gesetz selbst noch nicht beschlossen ist.

Robinhood hat sich inzwischen für das Gesetz ausgesprochen und sagt, dass klare Regeln Innovation wachsen lassen können, ohne dass der Verbraucherschutz verschwindet. Gleichzeitig bleibt der politische Weg schwierig, unter anderem wegen der Debatte über die Verteilung der Aufsicht zwischen den Regulierungsbehörden und über Stablecoin-Belohnungen, für die Bankengruppen strengere Beschränkungen wollen. Auch der breitere politische Streit um das Gesetz bleibt sichtbar, mit Widerstand von Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten gegen die vorgeschlagene Aufteilung der Aufsicht.

Bedeutung für Europa

Für europäische Krypto-Beobachter ist das vor allem relevant, weil die USA damit möglicherweise einen schärferen Rahmen für die institutionelle Krypto-Adoption bekommen. Wenn große US-Akteure ihre Produkte und Prozesse weiter standardisieren, kann das auch beeinflussen, wie international tätige Unternehmen Krypto-Dienste aufsetzen. Außerdem zeigt es, dass die institutionelle Nachfrage nach Bitcoin und Tokenization nicht vollständig von einem einzigen Gesetz in Washington abhängt.


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