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Coinbase-Fall legt Schwächen bei Bitcoin-Custody offen

Der Fall dreht sich um mehr als einen Konflikt mit BlockTower: Auch Governance, Audit Trails und Multi-Sig-Custody bei Bitcoin-Reserven geraten unter Druck.

Coinbase-Fall legt Schwächen bei Bitcoin-Custody offen

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die Vorwürfe gegen Coinbase machen deutlich, dass Unternehmen oft nicht gut belegen können, wer Bitcoin verwahrt, wer Transaktionen freigibt und wie das überwacht wird.
  • Der Text nennt frühere Vorfälle bei QuadrigaCX und Prime Trust und verweist auf größere Risiken durch Hacks, Phishing und KI-gestützten Betrug.
  • Multi-Sig-Custody wird als mögliche Lösung genannt, vor allem für europäische Akteure, die mehr Governance und Rechenschaft verlangen.

Die Vorwürfe von BlockTower-Gründer Ari Paul gegen Coinbase legen ein größeres Problem offen: Unternehmen, die Bitcoin in die Bilanz aufnehmen, können oft nicht gut zeigen, wer das Geld verwaltet, wer Bewegungen freigibt und ob die Coins noch da sind. Coinbase weist die Vorwürfe zurück, während Paul sagt, laufende Rechtsstreitigkeiten hinderten ihn daran, seine Belege zu veröffentlichen. Für den Kryptomarkt geht es in dem Fall deshalb nicht nur um Schuld oder Unschuld, sondern vor allem um die Frage, wie die Kontrolle über Bitcoin in der Praxis organisiert ist.

Warum Boards ins Stocken geraten

Laut Paul soll Coinbase rund 25 Millionen Dollar (22,3 Millionen Euro) an Assets seiner Firma verloren haben und außerdem Hacks verschwiegen haben, die zusammen mehr als 1 Milliarde Dollar (0,9 Milliarden Euro) bei einem Dutzend Institutionen betroffen haben sollen. Außerhalb der beiden Parteien lässt sich das nicht überprüfen, und genau das macht den Fall für Unternehmen, die Bitcoin halten wollen, so unangenehm. Ein Bankkonto oder Brokerage-Konto hat feste Rollen, Freigaberegeln und einen Audit Trail. Bei Bitcoin fehlt das oft, sobald ein Unternehmen sich für einen einzelnen Exchange-Login oder eine Hardware Wallet bei einer Person entscheidet.

Diese Schwachstelle ist nicht theoretisch. Der Text nennt QuadrigaCX, wo nach dem Tod des Chefs schätzungsweise 190 Millionen Dollar (169 Millionen Euro) an Kundenassets festsaßen, sowie Prime Trust, das später selbst nicht mehr auf seine eigenen Legacy Wallets zugreifen konnte. Außerdem verweist der Autor auf eine Studie von Deloitte, in der CFOs die Komplexität von Accounting und Controls fast genauso oft wie die Preisvolatilität als Grund nannten, Bitcoin nicht in die Bilanz aufzunehmen. Das passt zur breiteren Debatte über Unternehmensreserven, in der auch Strategy bereits davor gewarnt hat, dass Custody-Fehler und erzwungene Liquidationen weiterhin ernsthafte Risiken bleiben.

Mehr Druck auf Custody

Die Risiken sind laut dem Text zudem größer geworden. Auf der physischen Seite wurden seit 2014 mehr als 360 bekannte Angriffe auf Bitcoin-Besitzer registriert, darunter 86 im Jahr 2025 und mehr als 60 in diesem Jahr. Coinbase selbst war im vergangenen Jahr von einem Datenleck betroffen, bei dem Kriminelle Support-Mitarbeiter bestachen und Kundendaten erbeuteten, was das Unternehmen zufolge Hunderte Millionen Dollar kosten könnte. Gleichzeitig machen Phishing, Deepfakes und andere KI-gestützte Tricks es für Finance-Teams schwieriger zu erkennen, wer wirklich Anweisungen gibt.

Der Text verweist auch auf einen möglichen Ausweg: Multi-Sig-Custody, bei der mehrere Parteien gemeinsam die Kontrolle über die Assets behalten. Das verteilt die Macht und senkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Fehler, ein einzelner Abgang oder ein kompromittierter Schlüssel alles öffnet. Institutionelle Akteure schauen sich das schon länger an, gerade weil ein einzelner Custodian zwar einfach ist, aber nicht automatisch besser kontrollierbar.

Bedeutung für Europa

Für europäische Unternehmen und Anleger ist das relevant, weil es bei Bitcoin-Custody nicht nur um Verwahrung geht, sondern auch um Governance und Rechenschaft. Gerade wenn mehr professionelle Akteure Krypto halten wollen, kann ein Setup mit mehreren Freigaben und klaren Rollen wichtiger werden als nur ein Auditbericht oder ein Proof of Reserves. Die Debatte rund um Coinbase zeigt, dass Vertrauen in einen Custodian nicht ausreicht, wenn ein Unternehmen nicht selbst nachvollziehen kann, wer was verschieben darf.


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