Crypto-IPO's geraten wegen schwachem Marktumfeld ins Stocken
Geringere Volumina und enttäuschende Börsendebüts drücken das Interesse, während Kraken, Consensys, Ledger und Grayscale ihre Pläne verschieben.

Wichtigste Erkenntnisse
- Schwächere Marktbedingungen, geringere Handelsvolumina und enttäuschende Kursentwicklungen nach Börsendebüts bremsen die Pipeline für Crypto-IPO's.
- Payward, Consensys, Ledger und Grayscale haben ihre Börsenpläne verschoben, während Blockchain.com und FalconX Schritte in Richtung eines Listings machen.
- Laut Christian Lopez geht es vor allem um Zugang zu Kapital, Größe und Marktunterstützung, nicht mehr in erster Linie um Regulierung.
Die Pipeline für Crypto-IPO's kommt derzeit nur langsam voran. Schwächere Marktbedingungen, niedrigere Handelsvolumina und verhaltene Kursreaktionen nach Börsengängen haben das Interesse spürbar gedämpft. Laut Christian Lopez von Cohen & Company Capital Markets steht dabei weniger die Regulierung im Vordergrund, sondern vor allem die Frage, ob neue Aktien nach dem Listing ausreichend Marktunterstützung erhalten.
Anleger warten ab
Mehrere große Kryptounternehmen haben ihre Börsenpläne inzwischen nach hinten verschoben. Dazu zählen unter anderem Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, Ethereum-App-Entwickler Consensys, der Wallet-Anbieter Ledger und der Vermögensverwalter Grayscale. Die Zurückhaltung folgt auf eine Phase, in der frühere Listings, darunter das von BitGo, nicht die Kursentwicklung gezeigt haben, die den Markt für neue Deals attraktiver gemacht hätte.
Lopez verweist außerdem auf das breitere makroökonomische Umfeld. Die Unsicherheit über den weiteren Zinsverlauf macht Anleger bei High-Beta-Assets wie Krypto vorsichtiger, während Zentralbanken und weltweites Deleveraging zusätzlichen Druck auf risikoreiche Märkte ausüben. Auch die jüngsten Schritte der Bank of Japan zur Stützung des Yen ordnet er in diesen allgemeinen Belastungsfaktor für die Finanzmärkte ein.
Trotzdem machen einige Unternehmen weiter
Nicht alle Marktteilnehmer stellen ihre Pläne zurück. Blockchain.com teilte im Mai mit, vertraulich einen Antrag für einen US-amerikanischen IPO bei der Securities and Exchange Commission eingereicht zu haben. Auch FalconX soll laut CoinDesk im Mai einen Draft S-1 eingereicht haben, also den ersten formellen Schritt in Richtung eines möglichen Börsenlistings.
Lopez rechnet damit, dass der Markt für Crypto-Listings womöglich erst im kommenden Jahr wieder deutlich an Fahrt gewinnt. Seine Einschätzung knüpft er an die Erwartung, dass Bitcoin um Oktober herum einen zyklischen Boden bilden könnte, wobei der breitere Kryptomarkt historisch oft der größten Kryptowährung folgt. Zugleich weist er darauf hin, dass 2025 bereits eine starke Phase für Crypto-Börsengänge war, unter anderem mit Circle und Bullish, die erfolgreich an die Börse gegangen sind, während die erste Hälfte von 2026 an US-Börsen schon einen Rekord bei IPO-Erlösen gebracht hat. Der Wettbewerb um Kapital dürfte dadurch weiter zunehmen.
Die schwache Entwicklung nach früheren Listings ist ein wichtiges Signal für die Unternehmen, die noch auf den richtigen Zeitpunkt warten. Eine separate Übersicht zum Markt für Krypto-Aktien hat gezeigt, wie stark die Bewertungen nach dem Börsengang unter Druck geraten können, wobei Crypto-IPO-Verluste ein besonders deutliches Beispiel sind.
Mehr als nur Regulierung
Nach Einschätzung von Lopez ist regulatorische Klarheit inzwischen nicht mehr das größte Hindernis für Unternehmen, die an die Börse wollen. Für Akteure wie Bullish, Circle oder BitGo geht es seiner Ansicht nach vor allem um den Zugang zu Kapital. Kraken versucht sich inzwischen breiter aufzustellen als nur im Krypto-Trading, was laut Lopez besser zu den Erwartungen öffentlicher Märkte passt.
Diese Entwicklung betrifft auch europäische Kryptonutzer, weil der Finanzierungsmarkt für Kryptounternehmen offenbar immer stärker von Größe, Diversifizierung und institutioneller Attraktivität geprägt wird. Lopez geht davon aus, dass Blockchain-Infrastrukturunternehmen langfristig besser positioniert sind als Firmen, die vollständig auf einen Token oder ein Handelsprodukt setzen. Er sieht zwar weiterhin Spielraum für Bitcoin, Ether und Solana als Kern-Assets, hält es aber für wahrscheinlich, dass der lange Schwanz kleinerer Tokens in den nächsten drei bis fünf Jahren weiter schrumpft.