Großbritannien macht mit FCA und Bank of England einen weiteren Schritt Richtung Krypto-Regime
Die FCA und die Bank of England lockern vor allem die Regeln rund um Stablecoins und Reserven. So will Großbritannien Krypto-Unternehmen mehr Klarheit bieten und sich dem MiCA-Rahmen in der EU annähern.

Wichtigste Erkenntnisse
- Großbritannien rückt mit neuen Maßnahmen der FCA und der Bank of England spürbar näher an ein umfassendes Krypto-Regime heran.
- Die FCA hat ihre Kryptoregeln finalisiert, während die Bank of England die Reserveanforderung für Stablecoin-Emittenten von 40 auf 30 Prozent gesenkt hat.
- Viele Teile des britischen Rahmens sind weiter offen; die Autorisierung unter dem neuen Regime bis Oktober 2027 dürfte dabei ein zentraler Test werden.
Großbritannien bewegt sich nach Jahren der Zurückhaltung deutlicher in Richtung eines vollwertigen Krypto-Regimes. Neue Vorgaben der Financial Conduct Authority und der Bank of England sollen es Krypto-Unternehmen, Stablecoin-Emittenten und institutionellen Marktteilnehmern erleichtern, innerhalb eines besser planbaren Rahmens zu arbeiten, auch wenn das Regelwerk noch nicht vollständig steht.
Regeln werden konkreter
Als Rishi Sunak 2022 von einem britischen Cryptoasset-Hub sprach, klang das noch sehr ambitioniert. In der Umsetzung blieb es lange bei dieser Zielsetzung. Die jüngsten Entscheidungen der Aufseher deuten nun aber darauf hin, dass London die Branche deutlich ernster nimmt. Die FCA hat im vergangenen Monat ihre Kryptoregeln abgeschlossen, darunter Vorgaben zu Kapitalanforderungen, Zulassungen, Offenlegungspflichten und dem breiteren Conduct-Framework für Krypto-Unternehmen.
Zudem hat die Bank of England frühere Pläne für strikte Obergrenzen bei fiat-gebundenen Stablecoins zurückgenommen. Auch die Reserve, die Emittenten bei der Zentralbank halten müssen, wurde von 40 auf 30 Prozent gesenkt. Laut Chet Shah, CEO von Wirex Limited, einem von der FCA regulierten Fintech-Unternehmen in London, ist das zusammen das bislang klarste Signal, dass Großbritannien nicht nur über Krypto spricht, sondern ein praktikables Regime aufbauen will.
Von Zurückhaltung zu Nachjustierung
Der Kurswechsel folgt auf eine Phase, in der die britische Krypto-Branche immer wieder über langsame Genehmigungsverfahren, unklare Regeln und strenge FinProm-Anforderungen für Verbraucherwerbung geklagt hat. Auch die früheren Stablecoin-Vorschläge der Bank of England aus November 2025 stießen auf deutlichen Widerstand. Damals standen noch Obergrenzen von £20.000 für Privatpersonen und £10 Millionen für Unternehmen bei systemischen Sterling-Stablecoins im Raum.
Die Aufseher scheinen inzwischen stärker auf Rückmeldungen aus dem Markt zu reagieren. Die FCA will später in diesem Jahr gemeinsam mit der Bank of England weiter prüfen, wie die Regeln angewendet werden sollen, sobald ein Stablecoin-Emittent als systemisch eingestuft wird. Das ist relevant, weil es zeigt, dass der britische Ansatz nicht nur strenger, sondern auch stärker an der Praxis ausgerichtet werden soll.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Beobachter ist vor allem interessant, dass Großbritannien versucht, den Abstand zu Jurisdiktionen zu verringern, die früher für mehr Klarheit gesorgt haben. In der EU hat MiCA bereits für mehr Planbarkeit bei Stablecoins gesorgt, während die USA mit dem GENIUS Act ein eigenes Set durchsetzbarer Standards für Reserven, Redemption und Custody eingeführt haben. Der britische Weg zeigt, wie wichtig es ist, dass Regeln nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch für Unternehmen umsetzbar sind, die in mehreren Märkten aktiv sind.
Die nächste große Prüfung folgt Richtung Oktober 2027, wenn Unternehmen, die in Großbritannien aktiv sind, unter dem neuen Regime autorisiert sein müssen. Große Teile des britischen Frameworks, darunter DeFi-Richtlinien, Arbeiten an der Infrastruktur für Unternehmen, die Distributed-Ledger-Technologie nutzen, und die steuerliche Behandlung von Anlageinstrumenten, müssen noch ausgearbeitet werden. Damit bleibt offen, ob Großbritannien seinen neuen Kurs auch politisch durchhalten kann.