Finst

IWF warnt: Dollar-Stablecoins könnten Währungskrisen beschleunigen

Der IWF sieht vor allem bei festen Wechselkursen Risiken: Der sichtbare USDT-Preis kann in Ländern wie Bolivien eine Flucht in den Dollar beschleunigen. Damit sind Stablecoins zugleich nützlich und riskant, wenn der Devisenmarkt unter Druck steht.

IWF warnt: Dollar-Stablecoins könnten Währungskrisen beschleunigen

Wichtigste Erkenntnisse

  • Der IWF warnt, dass Dollar-Stablecoins eine Währungskrise in Ländern mit einem überbewerteten festen Wechselkurs beschleunigen können.
  • Laut dem Paper kann der sichtbare Stablecoin-Preis Parallelmärkte zusammenführen und Haushalte schneller in den Dollar flüchten lassen.
  • In Bolivien wurden Transaktionen mit Virtual Assets nach einer Lockerung der Regeln zwölfmal größer, und USDT wurde zu einer täglichen Referenz für den parallelen Dollar.

Ein neues Working Paper des Internationalen Währungsfonds kommt zu dem Ergebnis, dass Dollarstablecoins den Druck auf Währungen in Volkswirtschaften mit überbewertetem festem Wechselkurs verstärken können. Nach Einschätzung des IWF kann ein öffentlich sichtbarer Stablecoin-Preis verstreute Signale aus Parallelmärkten bündeln und damit dazu beitragen, dass Haushalte schneller gleichzeitig in den Dollar wechseln.

Stablecoins als Preissignal

Wenn der offizielle Wechselkurs in einem Land deutlich vom Marktpreis abweicht, entsteht häufig ein Mangel an Fremdwährungen. Der Handel verlagert sich dann auf Parallelmärkte, auf denen Straßenhändler, Broker und Banken oft mit unterschiedlichen Kursen arbeiten. Laut dem IWF kann ein an den Dollar gekoppelter Token wie Tether diese Zersplitterung teilweise auflösen, weil der Preis auf Krypto-Börsen fortlaufend sichtbar ist und dadurch als gemeinsamer Referenzpunkt dient.

In ruhigen Marktphasen kann das hilfreich sein. Haushalte erhalten dann leichter Zugang zu Dollar und können sich besser absichern. Derselbe öffentliche Preis kann aber auch einen Run koordinieren, weil viele Marktteilnehmer auf dasselbe Signal reagieren.

Das Paper bezeichnet dies als state-dependent effect: Stablecoins erhöhen demnach den Wohlstand in stabilen Phasen, können das Krisenrisiko aber deutlich vergrößern, sobald ein Peg stark aus dem Gleichgewicht gerät. Der IWF warnt schon seit Längerem davor, dass Stablecoins eine Währungsersetzung anstoßen könnten. Dadurch würde die Nachfrage nach lokaler Währung sinken und die geldpolitische Souveränität unter Druck geraten.

Bolivien zeigt den Effekt

Als Beispiel führt das Paper Bolivien an. Die Zentralbank lockerte im Juni 2024 die Beschränkungen für Transaktionen mit Virtual Assets. In der Folge waren solche Transaktionen im Finanzsystem zwischen Juli 2024 und Mai 2025 zwölfmal so groß. Der USDT-Kurs gegenüber dem Boliviano wurde danach zu einer täglichen Referenz für den parallelen Dollar, und die Zentralbank begann sogar, USDT-Preise auf ihrer Website zu veröffentlichen.

Das fügt sich in die breiteren Bedenken des IWF rund um Stablecoins ein. Die Institution hatte zuvor darauf hingewiesen, dass solche Token Zahlungssysteme fragmentieren können, wenn es an Interoperabilität fehlt, und dass sie Kapitalströme volatiler machen können, wenn Kapitalverkehrskontrollen umgangen werden. Für Länder mit festem Wechselkurs ist das relevant, weil ein stabiler Token in der Praxis zu einem zusätzlichen Kanal für Währungsdruck werden kann.

Was das IWF-Modell nahelegt

Tan simuliert drei Volkswirtschaften: einen Cash-only-Markt, einen Stablecoin-Markt, der lediglich die Zugangskosten senkt, und eine Variante, in der zusätzlich der öffentliche Preis stärker sichtbar wird. In seinem Modell steigt die durchschnittliche Krisenanfälligkeit von 3,9 Prozent in der Cash-only-Volkswirtschaft auf 7,4 Prozent in der vollständigen Stablecoin-Variante. Bei den stärksten Fehlbewertungen erhöht sie sich auf 12,9 Prozent.

Gleichzeitig zeigt das Paper, warum die Debatte komplex bleibt. Der Wohlstandsgewinn erreicht in ruhigen Zeiten einen Höchstwert von 1,2 Prozent, kippt bei starker Fehlbewertung aber ins Negative. Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem relevant, dass solche Analysen die Diskussion über Stablecoin-Regeln weiter verschärfen könnten. Weltweit arbeiten Regierungen und Aufsichtsbehörden derzeit an Rahmenwerken für Dollar-Stablecoins und ihre Rolle im Zahlungsverkehr. In Europa ist die Debatte ebenfalls bereits intensiv, weil die Europäische Kommission MiCA erneut prüft, wobei Stablecoins im Mittelpunkt der Diskussion stehen.


Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine finanzielle, anlagebezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Die bereitgestellten Informationen können unvollständig, ungenau oder veraltet sein und sollten nicht als solche herangezogen werden. Nichts auf dieser Website sollte als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Kryptowährungen angesehen werden. Investitionen in Krypto-Assets sind mit Verlustrisiken verbunden.