Digitale Wertpapiere: Gamechanger für die DeFi-Szene?
Digitale Wertpapiere könnten der Grund dafür sein, dass viele Banken bald Kryptowährungen anbieten werden.

Digitale Wertpapiere könnten der Grund dafür sein, warum viele Banken bald Kryptowährungen anbieten. Das sind die Gründe:
Für viele Krypto-Enthusiasten sind digitale Wertpapiere wie Security Tokens oder sogar Krypto-Wertpapiere wahrscheinlich viel zu langweilig und zu brüchig. Wer interessiert sich noch für eine Immobilienanleihe oder eine Anleihe für Unternehmensfinanzierung, bei der man 5 Prozent Zinsen pro Jahr erhält? Die digitale Verkörperung von Wertpapieren über Tokens auf einer Blockchain spricht derzeit vor allem Menschen an, die selbst im Banken- und Finanzwesen arbeiten.
Risikoorientierte Krypto-Anleger zeigen daher wenig Interesse. Die Käufer auf Kryptowährungen basierender Wertpapiere stammen meist aus Investorengruppen, die sich zuvor eher nicht im Kryptosektor befanden. Mit diesem Hintergrundwissen ist es wichtig, einige Missverständnisse auszuräumen.
Das Potenzial digitaler Wertpapiere
Alles geht digital, nicht nur unser Geld, sondern auch unsere Anlageprodukte. Genauso wie wir in einigen Jahren die digitale Euro von der Europäischen Zentralbank erhalten, wird jedes Wertpapier in der Zukunft – egal ob Aktie, Anleihe oder Fonds – ausschließlich digital ausgegeben werden. Während der Kryptomarkt eine Marktkapitalisierung von nur ca. 1 Billion US-Dollar hat, sprechen wir allein im Aktienbereich über ca. 100 Billionen Dollar. Das ist sogar noch exklusiv für Derivate oder Anleihen.
Neben der erwarteten Umwandlung bestehender Wertpapiere in Coins treiben vor allem neue Emissionen diese Veränderung voran. Eine neuste Studie der Boston Consulting Group prognostiziert ein Marktvolumen von 16 Billionen US-Dollar an Coins-basierten Wertpapieren bis 2030.
Ist Ethereum geeignet?
All die Milliarden Euro, US-Dollar und Ähnliches werden auf öffentlichen Blockchains wie Ethereum, Polygon oder Stellar in Form von Security Tokens ausgegeben. Aufgrund der hohen Transaktionskosten im Ethereum-Netzwerk sind kostengünstigere Alternativen wie Polygon in den letzten Monaten für Emissionen von Wertpapieren in den Vordergrund gerückt.
Institutionelle Adoption über Wertpapiere
Wichtiger als der Zufluss an Mitteln für Polygon und andere Kryptowährungen ist jedoch der Druck auf Banken, Börsen und andere Finanzdienstleister, auf Krypto-Infrastrukturen zu vertrauen. Eine Bank, die Bitcoin und andere Kryptowährungen früher für dumm hielt, hat sich dieser Unwissenheit entledigt. Aber kein Sparkassenverband oder kommerzielle Bank kann den Wertpapierbereich langfristig ignorieren. Deshalb arbeiten alle Banken genau an Krypto-Aufbewahrungslösungen.
So sagte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband vor einigen Wochen, dass dies nur für digitale Wertpapiere gelte, aber nicht für Bitcoin. Man könnte es übertreiben und sagen, digitale Wertpapiere seien nichts anderes als ein erster großer Schritt in Richtung Kryptowährungen. Wenn die Token-Infrastruktur erst existiert und die Dienstleister für ihr Wertpapiergeschäft gezwungen werden, Kryptowährungen in ihrem Wallet zu halten, wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Bitcoin-Gegner der Einrichtung nachgeben. Die massenhafte Einführung von Krypto in das traditionelle Bankensystem wird also durch die Einführung digitaler Wertpapiere und spätestens durch den digitalen Euro einen wichtigen Impuls bekommen.
Aber das ist erst der Anfang. Der echte Gamechanger und die totale Verschmelzung zwischen der traditionellen Wertpapierwelt und der Kryptosektor werden an einem ganz anderen Ort sichtbar.
Echte Assets in einer DeFi-Umgebung
Im Verlauf der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise – es sollte mittlerweile normal sein, die heutige Makrosituation so zu nennen – ist auch der DeFi-Sektor auseinandergefallen. Das Fehlen von Stabilität und Sicherheit könnte in der Branche nun durch sogenannte Real-World-Assets oder etwa digitale Wertpapiere aus Gold aufgehoben werden.
Nehmen wir das Beispiel einer dezentralisierten autonomen Organisation, kurz DAO, die als Investmentfonds aufgelegt wurde. Dieser dezentrale Investmentfonds, in dem Entscheidungen nicht von einem Fondsmanager, sondern von der Gemeinschaft getroffen werden, konnte bisher nur in Kryptowährungen oder NFTs investieren.
Natürlich führte das bei solchen Konstruktionen zu Anfälligkeit gegenüber Volatilität. Bei professioneller Wallet-Verwaltung hingegen kann eine Institution auf verschiedene Assetklassen zurückgreifen, um Risiken optimal zu steuern. Also wenn wir eine weitere Verbreitung digitaler Wertpapiere sehen würden, auch regulatorisch, wird es immer einfacher, einen DAO-Fonds etwa mit Immobilienanleihen abzusichern.
Dieses Beispiel zeigt, dass wir noch ganz am Anfang der Verschmelzung der Kryptowonomie mit der traditionellen Finanzwelt stehen. Zudem lässt sich feststellen, dass beide Welten voneinander abhängig sind, um sich weiterzuentwickeln.
Lob für regulatorische Bemühungen
Obwohl Politiker und Reguläre oft kritisch gegenüber Kryptowährungen stehen, sind sie sehr offen und positiv gegenüber digitalen Wertpapieren. Sogar ein Bitcoin-Gegner wie Olaf Scholz findet digitale Wertpapiere großartig. Er hat ja selbst aktiv das Elektronische Wertpapiere-Gesetz (eWpG) vorangetrieben, auf dem die sogenannten crypto-Wertpapiere basieren, als er 2021 noch Finanzminister war.
Da die frühere digitale Form von Wertpapieren bestimmten Beschränkungen unterlag, hat Deutschland die spezielle Form von Crypto-Wertpapieren gemäß dem eWpG entwickelt. Nächstes Jahr wird das eWpG bereits auf Aktien erweitert, wie im kürzlich veröffentlichten Zukunftsfinanzierungsgesetz beschrieben. Auch auf europäischer Ebene wird versucht, mit der DLT-Pilotregelung einen einheitlichen rechtlichen Rahmen für digitale Wertpapiere zu schaffen. Das ist besonders wichtig für den Handel am Sekundärmarkt. Es gibt schließlich noch immer keine Börsen für digitale Wertpapiere.