EZB erhöht Zinsen und setzt die Fed unter neuer Führung unter Druck
Die EZB hebt die Zinsen wegen steigender Inflation an, was den Dollar und die Politik des neuen Fed-Vorsitzenden unter Druck setzt. Die Folgen könnten weit über Europa hinausreichen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die EZB dürfte am 11. Juni den Leitzins auf 2,25 % anheben, die erste Erhöhung seit 2023.
- Die Inflation im Euroraum liegt bei 3,2 %, auch wegen höherer Energiepreise durch Spannungen im Nahen Osten.
- Ein stärkerer Euro könnte den Dollar schwächen und zusätzlichen Druck auf die US-Inflation und die Fed-Politik ausüben.
Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihren Leitzins am Donnerstag, den 11. Juni, auf 2,25 % anheben, die erste Erhöhung seit 2023. Dieser Schritt folgt auf steigende Energiepreise durch Spannungen im Nahen Osten, die die Inflation im Euroraum über das Ziel von 2 % getrieben haben. Die Inflation im Euroraum liegt derzeit bei 3,2 %, was die EZB dazu veranlasst, die Geldpolitik zu straffen. Diese Zinserhöhung kommt sechs Tage, bevor Kevin Warsh seine erste Sitzung als Vorsitzender der amerikanischen Federal Reserve (Fed) leitet.
Einfluss der EZB-Zinsen auf den Dollar und die Fed-Politik
Ein höherer Zins in Europa im Vergleich zu den Vereinigten Staaten zieht Kapital in auf Euro lautende Assets, was den Euro stärkt und den Dollar schwächt. Ein schwächerer Dollar macht importierte Waren für US-Verbraucher teurer und erhöht damit den Inflationsdruck in den USA. Das ist eine zusätzliche Komplikation für die Fed, die ohnehin mit einer US-Inflation von 4,2 % zu kämpfen hat, also deutlich über dem Zielwert von 2 %. Trotz dieser Entwicklungen hat die Fed ihren Zins in diesem Jahr bei 3,50 bis 3,75 % gehalten, und der Markt schätzt die Wahrscheinlichkeit hoch ein, dass das auch bei der Sitzung am 17. und 18. Juni so bleibt.
Weltweiter Trend zu länger anhaltend hohen Zinsen
Die Entscheidung der EZB unterstreicht einen breiteren globalen Trend, bei dem Zentralbanken mit anhaltendem Inflationsdruck zu kämpfen haben, vor allem wegen steigender Energiepreise. Auch andere große Zentralbanken, etwa die Bank of Japan, bereiten sich auf Zinserhöhungen vor. Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass Zinssenkungen in den USA erst Ende 2026 oder Anfang 2027 ein Thema werden dürften, auch wegen der anhaltenden Wirkung der Energiepreise auf die Kerninflation. Diese Lage bestätigt das Szenario von 'higher for longer', das die Fed zuletzt skizziert hat und mit dem Kevin Warsh bei seiner ersten Sitzung konfrontiert ist.
Relevanz für europäische und US-Märkte
Für europäische Anleger und Marktteilnehmer ist wichtig zu verstehen, dass die Zinserhöhung der EZB nicht nur lokale Folgen hat, sondern auch die US-Geldpolitik beeinflusst. Das kann Auswirkungen auf Wechselkurse, Kapitalströme und letztlich auch auf den Kryptomarkt haben, wo Bitcoin zuletzt einen Rückgang gezeigt hat, der mit sinkenden Erwartungen an Zinssenkungen zusammenfällt. Die anstehende Fed-Sitzung dürfte daher entscheidend sein, um die weitere Richtung der globalen Zinspolitik zu bestimmen.