Eli Ben-Sasson stellt Bitcoins 21-Millionen-Grenze infrage
Ben-Sasson argumentiert, dass verlorene BTC die 21-Millionen-Grenze von Bitcoin langfristig aushöhlen könnten, und plädiert für eine jährliche Ausgabe von 4 Prozent. Im Zentrum steht dabei auch die Frage nach dem Security-Budget von Bitcoin und den Miner-Belohnungen nach 2140.

Wichtigste Erkenntnisse
- Eli Ben-Sasson hält es für möglich, dass verlorene Private Keys die feste Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin mit der Zeit immer weniger aussagekräftig machen.
- Er spricht sich für ein jährliches Ausgabemodell von 4 Prozent aus, damit Miner auch nach 2140 weiter belohnt werden können.
- Im Kern geht es um die langfristige Sicherheit und Finanzierung von Proof-of-Work-Netzwerken wie Bitcoin.
StarkWare-Chef und Zcash-Gründer Eli Ben-Sasson hat in dieser Woche die feste Obergrenze von Bitcoin zur Diskussion gestellt. Nach seiner Einschätzung verliert die 21-Millionen-Grenze an Bedeutung, je mehr Private Keys dauerhaft verloren gehen. Stattdessen hält er eine jährliche Ausgabe von 4 Prozent für ein sinnvolleres monetäres Modell.
Warum die Obergrenze infrage steht
Ben-Sasson ist in der Branche kein Unbekannter. Als Mitentwickler von Zerocash und früherer Wegbereiter hinter STARK-Proofs kennt er die technische Grundlage von Krypto sehr genau. Sein Argument ist vergleichsweise schlicht: Wenn Coins endgültig unzugänglich werden, sinkt das tatsächlich nutzbare Bitcoin-Angebot im Laufe der Zeit.
Diese Sichtweise passt zu früheren Schätzungen von Chainalysis, das bereits 2017 von Millionen unwiederbringlich verlorenen BTC ausging. Hinzu kommen bis heute laufende Gerichtsverfahren rund um ruhende Bitcoin Wallets mit einem Gesamtwert von Hunderten Milliarden Dollar. Für viele Bitcoin-Anhänger bleibt das feste Angebot allerdings ein zentraler Bestandteil der Netzwerknarrative.
Ben-Sasson brachte deshalb eine Alternative ins Spiel: eine harte Obergrenze beim Gesamtangebot, aber eine laufende jährliche Ausgabe. Seiner Einschätzung nach könnte eine Emission von 4 Prozent, ungefähr auf Höhe des Bevölkerungswachstums, die Miner-Belohnungen auch nach 2140 sichern, wenn Bitcoin keine neuen Block Rewards mehr ausschüttet.
Reaktion aus der Zcash-Welt
Widerspruch ließ nicht lange auf sich warten. Zcash-Gründer Zooko Wilcox verwies auf den Network Sustainability Mechanism von Shielded Labs. Dort können Inhaber freiwillig Coins vernichten, die später erneut als Miner-Belohnung ausgegeben werden. Auf diese Weise bleibt die 21-Millionen-Grenze von Zcash bestehen.
Ben-Sasson stellte diesen Ansatz jedoch infrage. Nach seiner Ansicht wäre die Finanzierung über Fee-Burning zu klein, um Miner strukturell abzusichern. Gleichzeitig verwies er auf die breitere Diskussion über das Security-Budget von Bitcoin, zumal die Transaktionsgebühren nahe historischen Tiefstständen liegen. Damit rückt auch die Frage in den Fokus, wie ein großes Bitcoin-Unternehmen seine Finanzierung langfristig organisiert, ähnlich wie Saylor betont, dass das Bitcoin-Dividendenmodell von Strategy tragfähig bleibt.
Was das für Bitcoin bedeutet
Für europäische Krypto-Interessierte ist die Debatte vor allem deshalb relevant, weil sie eine Grundfrage von Bitcoin berührt: Wie bleibt das Netzwerk sicher, wenn die Block Rewards irgendwann wegfallen? Die 21-Millionen-Obergrenze ist nicht nur ein technischer Parameter, sondern auch eine Vereinbarung, die auf Software und sozialem Konsens beruht. Entsprechend wird jede Diskussion über eine Anpassung sofort technisch, wirtschaftlich und politisch zugleich.
Dass ein solcher Vorschlag kurzfristig umgesetzt wird, gilt zwar als eher unwahrscheinlich. Die Debatte selbst zeigt aber, dass die langfristige Finanzierung von Proof-of-Work-Netzwerken in der Branche zunehmend an Bedeutung gewinnt. Auch ohne unmittelbare Kurswirkung dürfte sie ein Hinweis darauf sein, worum sich die nächste große Bitcoin-Diskussion drehen könnte.