Fidelity: Für Pensionsfonds steht bei der Tokenisierung das Balance-Management im Fokus
Fidelity sieht tokenisierte Fonds vor allem als Werkzeug für Liquiditäts- und Balance-Management bei großen Institutionen. Das Wachstum tokenisierter Money Market Funds und tokenisierter RWAs deutet auf eine breitere institutionelle Adoption hin.

Wichtigste Erkenntnisse
- Fidelity sieht tokenisierte Fonds vor allem als Instrument für das Balance-Management großer Institutionen, nicht nur als Mittel für 24/7-Liquidität.
- Laut Giselle Lai halten globale Institutionen Cash oft über mehrere Konten verteilt, was tokenisierte Assets effizienter machen könnten.
- Der Markt für tokenisierte Produkte wächst schnell, mit mehr als 15 $ Milliarden an tokenisierten Money Market Funds und über 31 $ Milliarden an Onchain-Real-World-Assets.
Laut Fidelity International dürften tokenisierte Fonds für große Institutionen vor allem als Werkzeug für das Balance-Management interessant sein, nicht allein wegen der rund um die Uhr verfügbaren Liquidität. Giselle Lai, Director und Digital-Assets-Strategin für APAC bei Fidelity International, sagte auf der WebX-Konferenz in Tokio, dass genau dieser Anwendungsfall auf längere Sicht der attraktivste sein könnte.
Balance-Management statt Handel
Lai erklärte, dass globale Institutionen ihre Cash-Bestände häufig über mehrere Bankkonten in verschiedenen Ländern verteilen müssen. Das sei nötig, um regulatorische Vorgaben einzuhalten, Währungsrisiken zu steuern und jederzeit ausreichend Liquidität vorzuhalten. In der Praxis liege das Geld dadurch oft unproduktiv auf Konten, während das Verschieben von Salden zwischen verschiedenen Jurisdiktionen Zeit und Abstimmung erfordere.
Nach ihrer Einschätzung können tokenisierte Assets helfen, diese Prozesse effizienter zu gestalten. Für Unternehmen, die Liquidität zwischen Bankkonten steuern müssen, könne ein tokenisiertes Instrument ein praktikableres Vehikel sein als klassische Strukturen, gerade weil es sich rund um die Uhr bewegen lässt und Erträge schneller abbilden kann.
Markt wächst schnell
Tokenisierte Produkte gibt es bereits, bislang werden sie aber vor allem als Anlageinstrumente genutzt. Die bekannteste Kategorie sind tokenisierte Money Market Funds, die meist durch US-Staatsanleihen unterlegt sind. Der größte Anbieter, BlackRock's USD Institutional Digital Liquidity Fund, ging im März 2024 an den Start.
Inzwischen ist dieser Markt auf mehr als 15 $ Milliarden (13,2 € Milliarden) an Assets under Management gewachsen. Der breitere Onchain-Markt für Real-World Assets ohne Stablecoins beläuft sich den vorliegenden Zahlen zufolge inzwischen auf über 31 $ Milliarden (27,2 € Milliarden). Das passt zu einem breiteren Trend, bei dem die Tokenisierung realer Assets zunehmend als wichtiger Anwendungsfall von Blockchain gilt, mit Markterwartungen in Richtung Billionen Dollar.
Auch das Wachstum war dynamisch: Einige Marktdaten zeigen, dass tokenisierte Assets in 18 Monaten um 600 Prozent zugelegt haben, von weniger als 400 $ Millionen (351 € Millionen) auf mehr als 2,7 $ Milliarden (2,4 € Milliarden). Gleichzeitig gehen einige Prognosen davon aus, dass institutionelle Anleger bereits 2026 einen kleinen, aber wachsenden Teil ihres Portfolios in tokenisierten Assets halten könnten.
Die Entwicklung verlagert sich inzwischen auch stärker in Richtung Banken und Marktinfrastruktur. So testet Swift gemeinsam mit 17 großen Banken ein Blockchain-Ledger für grenzüberschreitende Zahlungen rund um die Uhr mit tokenisierten Deposits, während die Abwicklung weiterhin über bestehende Zahlungssysteme laufen soll.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Interessierte ist das relevant, weil sich die Debatte über Tokenisierung immer weniger um den Retail-Handel und immer stärker um die Infrastruktur für große Geldströme dreht. Sollten tokenisierte Fonds tatsächlich für das Balance-Management eingesetzt werden, könnte das die Nachfrage nach Onchain-Liquidität, Collateral und Settlement im institutionellen Markt weiter verbreitern. Lai betonte allerdings, dass diese Entwicklung Zeit brauche und sich ein reiferes Ökosystem wohl schrittweise entwickeln werde, ähnlich wie es auch beim ETF-Markt über Jahre der Fall war.