Globale Anleiherenditen schießen nach oben, Bitcoin gerät unter Druck
Der Anstieg der 10-jährigen Renditen in den USA, Europa und Japan schürt Inflations- und Schuldenängste. Bitcoin reagiert empfindlich auf diese strafferen finanziellen Bedingungen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Globale 10-jährige Renditen stiegen in den USA, dem VK, Japan, Deutschland und Frankreich auf Mehrjahres- oder jahrzehntelange Höchststände.
- Der Anstieg fällt zusammen mit Öl über 100 Dollar pro Barrel, neuen Spannungen im Nahen Osten und zurückkehrenden Inflationssorgen.
- Höhere langfristige Renditen machen die finanziellen Bedingungen straffer und setzen laut dem Artikel Bitcoin und den breiteren Kryptomarkt unter Druck.
Globale Anleiherenditen sind in dieser Woche auf Niveaus gestiegen, die seit Jahren nicht mehr gesehen wurden, während Öl über $100 (€87) pro Barrel bleibt und Inflationssorgen zurückkehren. Für Bitcoin ist das relevant, weil die Münze seit ihrem Entstehen noch nie mit so hohen langfristigen Renditen konfrontiert war. Die Bewegung betrifft nicht nur die USA, sondern auch Europa und Japan und zeigt, dass Anleger gleichzeitig wieder auf Inflation und Staatsfinanzen schauen. Das passt zur breiteren Diskussion über die Auswirkungen höherer Renditen auf Krypto, wie auch die US-10-Jahres-Rendite über 5% gezeigt hat.
Renditen auf Mehrjahreshochs
Die 10-jährige Rendite auf Staatsanleihen stieg in fünf großen Volkswirtschaften auf Mehrjahres- oder sogar jahrzehntelange Höchststände. In den USA und im VK lagen die Niveaus auf dem höchsten Stand seit 2007. In Japan wurde ein Niveau erreicht, das seit 1996 nicht mehr gesehen worden war.
Auch in Europa zog die Rendite weiter an. Die deutsche 10-jährige Rendite stieg auf den höchsten Stand seit 2009, während Frankreich ein Niveau erreichte, das seit 2008 nicht mehr gesehen worden war. Laut Marktbeobachtern ist das ein Zeichen dafür, dass Anleger weltweit erneut eine höhere Entschädigung für Staatsrisiko und Inflation verlangen.
Öl und Schulden spielen mit hinein
Der Anstieg fiel mit höheren Ölpreisen und neuen Spannungen im Nahen Osten zusammen. Das schürt die Sorge, dass die Inflation länger hartnäckig bleibt, gerade jetzt, da mehrere Zentralbanken diese Woche tagen. Anleger berücksichtigen dabei auch die Fed, wo der Markt nach den aktuellen Preisen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung einpreist.
Hinzu kommt eine hohe Staatsfinanzierung. Die USA haben bereits eines ihrer schwächsten Anleihejahre seit mehr als zwei Jahrhunderten hinter sich, was die Menge an Schulden erhöht, die der Markt aufnehmen muss. Japan bleibt wegen einer Staatsverschuldung von mehr als 200% des Bruttoinlandsprodukts besonders anfällig.
Warum das Krypto betrifft
Höhere langfristige Renditen wirken sich auf Hypothekenzinsen, Finanzierungskosten für Unternehmen und die Haushalte von Regierungen aus. Das kann die allgemeinen finanziellen Bedingungen straffer machen, auch für den Kryptomarkt. Für europäische Leser ist vor allem relevant, dass die Bewegung nicht lokal ist, sondern gleichzeitig in den USA, Europa und Japan stattfindet. Das spricht für eine breitere Neubewertung von Inflationserwartungen und Staatsrisiko, wobei Bitcoin in einem solchen Umfeld zu den sensibelsten großen Krypto-Assets zählt.