Grayscale sieht kaum Krypto-Effekt durch neue Fed-Anhebung
Grayscale sieht den Schritt der Fed vor allem als Zwischenanpassung; Bitcoin reagierte bereits nur begrenzt, während Stablecoins wie Circle und Tether von höheren Zinsen profitieren könnten.

Wichtigste Erkenntnisse
- Grayscale erwartet, dass die jüngste Zinserhöhung der Federal Reserve im Kryptomarkt nur wenige größere Verschiebungen auslöst.
- Head of Research Zach Pandl sieht den Schritt als Zwischenanpassung, nicht als neue große geldpolitische Wende.
- Laut Grayscale reagieren Krypto-Bereiche unterschiedlich: Bitcoin bleibt anfällig für das Risikosentiment, während Stablecoins und tokenisierte Produkte von höheren Zinsen profitieren können.
Grayscale erwartet, dass die jüngste Zinserhöhung der Federal Reserve im Kryptomarkt nur wenige größere Verschiebungen auslösen wird. Laut Head of Research Zach Pandl gilt das auch dann, wenn die Fed später in diesem Jahr noch einmal anhebt. Die Zentralbank setzte den Leitzins am Mittwoch auf 3,75 % bis 4,00 %, die erste Anhebung seit Juli 2023.
Fed-Bewegung als Zwischenstufe
Pandl setzt den jüngsten Schritt in Relation zur deutlichen Straffung in den Jahren 2022 und 2023. Damals begann die Fed im März 2022 mit einer Reihe von Zinserhöhungen, um die Inflation zu bremsen, woraufhin der Zins im Juli 2023 insgesamt 550 Basispunkte höher lag. Seiner Einschätzung nach machte das das Halten von Bitcoin und anderen nicht verzinslichen Assets teurer, weil die alternative Rendite anderswo stieg.
Die aktuelle Anhebung sieht er dagegen als Zwischenanpassung, nicht als neue große geldpolitische Wende. Das passt zur Reaktion der Trader, denn Bitcoin legte in dieser Woche zu, statt nach dem Zinsentscheid nachzugeben.
Pandl verwies dabei auf März 1997, als die Fed unter Alan Greenspan eine einmalige Anhebung vornahm, während der Nasdaq-Bullenmarkt weiterlief. Sein Punkt ist, dass nicht jede Zinserhöhung automatisch einen Bruch im Kryptomarkt bedeuten muss.
Was das für Bitcoin bedeutet
Für Bitcoin ist vor allem relevant, dass der Markt Zinserhöhungen heute anders bewertet als in der starken Straffungsphase von 2022. Damals drückte der schnelle Zinsanstieg auf die Attraktivität risikoreicher Assets ohne Zinserträge. Jetzt geht es laut Grayscale um einen kleineren Schritt in einem Umfeld, in dem Anleger bereits mit möglicherweise noch einer oder zwei Erhöhungen im Jahr 2026 rechnen.
Damit wird die Reaktion von Bitcoin weniger zu einer Geschichte über einen einzelnen Zinsentscheid und mehr zu einer Frage, wie der Kryptomarkt den breiteren Zinsverlauf einschätzt. Wenn die Fed im Dezember erneut aktiv wird, dürfte diese Lesart erst richtig an Gewicht gewinnen.
Auch der breitere Markt schaut inzwischen darauf, wie viel Unterstützung noch aus institutioneller Richtung kommt. Starke ETF-Zuflüsse halfen Bitcoin zuvor bereits dabei, sich in einem unruhigen Zinsumfeld besser zu behaupten.
Nicht jede Krypto reagiert gleich
Pandl weist allerdings darauf hin, dass höhere Zinsen innerhalb von Krypto unterschiedliche Effekte haben können. Stablecoin-Emittenten wie Circle und Tether verdienen mehr, wenn die Geldmarktzinsen steigen. Auch tokenisierte Anleihen und Money-Market-Fonds können dann attraktiver werden, weil sie mehr Rendite auf Onchain-Kapital bieten.
Damit ist der Zinseffekt nicht für jeden Bereich von Krypto derselbe. Für europäische Leser ist das relevant, weil es zeigt, dass der Kryptomarkt nicht als ein Block auf die Geldpolitik reagiert. Vor allem Bitcoin bleibt anfällig für das allgemeine Risikosentiment, während Stablecoins und tokenisierte Anlageinstrumente von höheren Cash-Zinsen profitieren können.