Ist Worldcoin schon gescheitert?
Mark Zuckerberg lächelt vielleicht ein wenig.

Mark Zuckerberg lächelt vielleicht ein wenig. Mit Worldcoin hat Open AI-Chef Sam Altman anscheinend aus dem Nichts etwas geschafft, was Meta, damals noch Facebook, jahrelang nicht hingekriegt hat mit Project Libra: Eine Kryptowährung für die Massen, verteilt über ein weltweites Registrierungs-System. Zwei Monate nach dem Start schwindet die optimistische Stimmung langsam. Nicht nur in Deutschland nehmen Behörden das Krypto-Projekt des ChatGPT-Erfinders unter die Lupe, während das Wachstum langsam, aber sicher abflacht. Die bisherige Schlussfolgerung: Statt frischer Wind, nur eine leichte Brise. Ist die Krypto-Revolution schon vorbei?
Mit einem Anfang...
Von allen groß angelegten Krypto-Projekten schien Worldcoin eines der ehrgeizigsten zu sein. Nicht nur, weil das Gesicht des KI-Booms, Sam Altman, als Adoptivvater die Hand im Spiel hat. Worldcoin verspricht ein Allround-Paket: eine Währung zum Bezahlen, zum Investieren, als Beweis der Menschlichkeit im Internet — und um damit Geld zu verdienen. Die Utopie eines weltweit bedingungslosen Grundeinkommens wird ebenfalls vermarktet. Auch wenn öffentlich kaum darüber gesprochen wird.
Es gibt jedenfalls genug Gründe, die anfängliche Hype dieser "One-Size-Fits-All"-Lösung zu erklären. Schon vor dem offiziellen Token-Launch wurden zwei Millionen Registrierungen gemeldet. Und damit zwei Millionen Augen, die als biometrische Daten gespeichert wurden. Denn wer Teil der Krypto-Bewegung werden will, kommt nicht daran vorbei, seine Iris von einer silbernen Metallkugel scannen zu lassen.
Das Projekt zieht weltweit Aufmerksamkeit mit den "Orbs" auf sich. Wenn das dystopisch klingt, ist es das vielleicht auch, oder zumindest klagen Befürworter des Datenschutzes. Ob es nun in Deutschland, Frankreich, Argentinien oder Kenia ist: Die Frage, wie mit den Daten umgegangen wird, ist längst eine juristische Frage geworden.
...gegen die Wand?
Doch was sich zunehmend abzeichnet, ist, dass Worldcoin (bisher) kaum den Anforderungen einer Weltwährung entspricht. Das wird nicht nur durch den Rückgang neuer Accounts bestätigt.

Auch die "bestehenden Kunden" mühen sich ab. Die Zahl der aktiven Nutzer liegt seit Wochen zwischen 2.000 und 3.000 pro Tag. Worldcoin steckt damit dasselbe Los wie jede andere Kryptowährung: Spekulation. Und man braucht nicht zwingend, dass man zuerst Iris fotografieren lässt.

Zu gut, um wahr zu sein?
Um ehrlich zu sein: Es gab kaum einen schlechteren Starttermin als mitten in der sommerlichen Flaute und der gedrückten Stimmung für Worldcoin. Der Preis macht weiter mit, aber insgesamt ist er deutlich gefallen — Krypto-Geschäft wie gewohnt. Mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 220 Millionen Dollar spielt Worldcoin erst in der zweiten Liga des Kryptomarktes.

Doch Worldcoin gab auf Nachfrage kein Kommentar dazu, wie ein Grundeinkommen mit täglichen Preisschwankungen vereinbar ist. Bisher scheint es, dass monatliche Taschengeld-Nutzer die Illusion eines Grundeinkommens verkaufen. Ob das überhaupt umgesetzt werden kann, ist fraglich.
Es bleibt auch offen, wie und wann die Worldcoin Foundation, die derzeit die Fäden zieht, an die Nutzer übergeben wird, die das Projekt künftig verwalten werden. Und auch, welchen Einfluss Kapitalgeber wie a16z, Multicoin Capital, 1confirmation oder CoinFund haben, die möglicherweise andere wirtschaftliche Interessen verfolgen.
Noch viel zu tun
Die Vision von Worldcoin klingt nach wie vor nobel: Umverteilung via Krypto, finanzielle Inklusion, ein wenig Wohlstand für alle. Trotz aller Bedenken ist die Implementierung einer Crypto-Wallet inklusive Ausweis auch innovativ, besonders jetzt, da Sam Altman nie müde wird zu betonen, dass künstliche Intelligenz zunehmend menschliche Züge annimmt. Selbst Ethereum-Gründer Vitalik Buterin preist die Worldcoin-Architektur, lässt die Kritik aber nicht aus.
Und die Kritik ist berechtigt. Sorgen um den Umgang mit Daten, fragwürdige, teils kolonialistische Methoden der Nutzergewinnung, ungleiche Token-Verteilung, vage Aussagen zum Grundeinkommen. Je höher die Ambitionen, und die bei Worldcoin kaum höher sein könnten, desto wasserdichter muss ein Projekt sein. Worldcoin ist da noch meilenweit entfernt.