So will Deutschland MiCA umsetzen
Als MiCA im Juli 2023 in Kraft trat, feierte Crypto Europe die Regulierung als Meilenstein.

Als die MiCA im Juli 2023 in Kraft trat, feierte Crypto Europe die Regulierung als Meilenstein. Nach jahrelanger Diskussionen, Verbotsdebatten und Kompromissen wurde endlich der erste einheitliche gesetzliche Rahmen für Krypto-Anbieter festgelegt. Seitdem laufen die Vorbereitungen in der Europäischen Union auf Hochtouren. So auch in Deutschland. Das Bundesfinanzministerium (BMF) will hier nun sogar neue Gesetze schaffen. Anwalt Hagen Weiss, sprach mit BTC-ECHO: Zwar befürwortet er das Vorhaben, befürchtet er auch, dass Unternehmen das Land verlassen könnten, wenn Lizenzen nicht schneller erteilt werden.
Eine der Kernpunkten der Ampelkoalition ist die zentrale Modernisierung Deutschlands. Ob es um die Energiesektor, die Schienen oder die Wirtschaft geht: Die Bundesrepublik soll "mehr Fortschritt wagen" – auch im Finanzsektor. "Wir machen die europäische Aufsicht über die Finanzmärkte zukunftsfähig für Digitalisierung und komplexe Unternehmensstrukturen", heißt es im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP. Dies erfordert auch eine "gemeinsame europäische Aufsicht" für den Kryptosektor.
Die Europäische Union legte die Basis hierfür im Juli 2023, als MiCA (Markets in Crypto Assets) offiziell angenommen wurde. Die Verordnung bietet der Kryptosektor in der EU erstmals einen einheitlichen Rahmen für Bitcoin, Ethereum und Co. Genehmigungsvoraussetzungen, strikte Trennung von Kunden- und Firmengeldern oder die Veröffentlichung von Whitepapers sind nur einige der neuen Regeln, an die Crypto-Anbieter sich halten müssen.
Mehr Befugnisse für BaFin
Seit MiCA in Kraft getreten ist, arbeiten EU-Mitgliedstaaten an der Umsetzung der Verordnung. Auch in Deutschland laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Dafür will die Bundesregierung nicht nur bestehende Gesetze anpassen, sondern auch neue Gesetze schaffen. Eines davon ist das "Crypto Market Supervision Act" (KMAG). Das Bundesministerium der Finanzen hat letzte Woche einen Gesetzentwurf zur Diskussion freigegeben.
Die Regulierung hat vor allem Auswirkungen auf Anbieter von Kryptodiensten und soll Investoren besser vor Betrug schützen. "Letztendlich geht es um neue Regeln für Crypto-Assets sowie um damit verbundene Anti-Geldwäsche- und Cybersecurity-Themen", erklärt Hagen Weiss gegenüber BTC-ECHO. Der Anwalt der Kanzlei Dentons begleitete jahrelang den Entstehungsprozess von MiCA. Er begrüßt es, dass nun separate Gesetze geschaffen werden, um die EU-Verordnung zu implementieren: "Dies anerkennt, dass Crypto-Assets eine spezielle Position im digitalen Vermögensmarkt haben."
Ein Fokus der neuen Regulierung liegt beispielsweise bei BaFin. Die deutsche Aufsichtsbehörde hatte bislang zu wenig Spielraum, um aktiv gegen Betrug in der Kryptosektor vorzugehen. Das soll sich mit dem KMAG ändern. Es gibt BaFin "spezifische Befugnisse", einschließlich Sanktionmöglichkeiten, um Unregelmäßigkeiten zu bestrafen, erklärt Weiss. Der Anwalt betont jedoch weiter, dass es wichtig ist, "nicht nur Probleme zu sehen", sondern proaktiv mit den Unternehmen zusammenzuarbeiten.
Mehr Schnelligkeit bei Genehmigungen
Obwohl Deutschland europäische Anforderungen implementieren muss, bleibt Spielraum im Entwurf, denCrypto-freundlicher zu gestalten, sagt Weiss. Ein wichtiger Punkt: Es muss mehr Tempo bei der Vergabe von Genehmigungen geben. BaFin erteilt Unternehmen bereits seit fast zwei Jahren die Erlaubnis, Kryptowährungen zu speichern. Die sogenannte Crypto Custody-Lizenz ist gewissermaßen ein Vorläufer von MiCA. Die Anträge bei der Aufsichtsbehörde stapeln sich, und bisher hat nur eine Handvoll der Antragsteller eine Genehmigung erhalten.
Daher fordert Weiss: "Man muss sowohl Crypto-Startups als auch etablierte Institute mit Crypto-Ambitionen ein schnell umsetzbares, klares und attraktives Lizenzperspektive bieten." Letztendlich ist "niemand davon profitieren", wenn Kryptounternehmen aus anderen europäischen Ländern den deutschen Markt betreten und die digitale Wirtschaftsleistung Deutschlands schrumpft, so der Anwalt.