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Wie krisensicher ist Bitcoin wirklich?

Entstanden aus der Finanzkrise von 2008 wurde Bitcoin als Schutz vor genau solchen verheerenden Situationen ins Leben gerufen.

Wie krisensicher ist Bitcoin wirklich?

Aus der Finanzkrise 2008 wurde Bitcoin als Schutz vor genau solchen verheerenden Situationen ins Leben gerufen. Die Kryptomünze sollte außerhalb des traditionellen Finanzsystems funktionieren: dezentral, ohne Zwischenhändler und mit einer Maximalversorgung von 21 Millionen Münzen. Damit unterscheidet Satoshi Nakamotos Kreation sich von Aktien, Anleihen und sogar Gold.

Trotzdem zeigt sich in der Praxis oft, dass Bitcoin bei geopolitischen oder wirtschaftlichen Spannungen eine ähnliche Kursbewegung wie die traditionellen Finanzmärkte durchläuft. Nehmen wir zum Beispiel den Handelskonflikt unter Führung von Donald Trump: wie die Aktienbörsen korrigierte auch Bitcoin deutlich. Das widerspricht dem Bild, das viele Bitcoin-Anhänger zeichnen, nämlich dass BTC der sichere Hafen in Krisenzeiten sei. Gold hingegen behält in unsicheren Zeiten oft seinen Wert oder erreicht sogar neue Rekordhochs. Ist Bitcoin also wirklich die versprochene Krisenbeschränkung? Oder kehren Anleger doch wieder zum glänzenden Edelmetall zurück?

Bitcoin: ein spekuläres Anlageobjekt?

In jüngsten Krisen folgte Bitcoin auffällig oft den Kursbewegungen des Aktienmarkts. Wenn Indizes wie Nasdaq und S&P 500 fielen, ging auch BTC nach unten. Während der Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China sackte der Bitcoin-Kurs genauso wie viele Börsenindizes. Gleichzeitig stieg Gold auf neue Höchststände.

Laut Mark Valek, Investitionsspezialist und Partner bei Vermögensverwalter Incrementum AG, wird Bitcoin noch immer als spekulatives Anlageinstrument gesehen, insbesondere wegen der hohen Volatilität und der starken Korrelation mit globalen Liquiditätsströmen. In der Vergangenheit stieg der Wert von Bitcoin oft mit der quantitativen Lockerungspolitik der US-Zentralbank.

Gold als sicherer Hafen, Bitcoin (noch) nicht?

Die Investmentbank Standard Chartered untersuchte kürzlich die Rolle von Bitcoin als sicherer Hafen, auch im Licht des Konflikts im Nahen Osten. Ihre Schlussfolgerung: Bitcoin bietet zwar Schutz vor Problemen im traditionellen Finanzsystem wie Bankenzusammenbrüche, ist aber kein sicherer Hafen bei geopolitischen Spannungen. Gold hingegen schon. Laut J. P. Morgan profitiert das Edelmetall sogar von geopolitischer Unruhe.

Mark Valek schließt sich dem teils an. “Viele Analysten glauben, dass Bitcoin langfristig das Potenzial hat zu einer Krisenwährung wie Gold zu werden”, sagt er. Dieses Potenzial liegt vor allem in der Verknappung von Bitcoin und dem fehlenden Abhängigkeit von Zentralbanken. “Aber im Vergleich zu Gold, das seit Jahrhunderten als sicherer Hafen gilt, ist Bitcoin natürlich noch jung.”

Dennoch glaubt Valek, dass auf lange Sicht eine Verschiebung möglich ist. “Dafür muss sich Bitcoin zuerst als stabile Wertaufbewahrung bewähren, statt nur als spekulatives Objekt.”

Seiner Ansicht nach könnte das Realität werden, wenn die weltweite Inflation anhält und die Nachfrage nach knappen, liquiden Vermögenswerten wächst, insbesondere wenn das Vertrauen in Fiatgeld weiter sinkt.

Gold oder Bitcoin: Was funktioniert besser in Krisenzeiten?

Statistisch gesehen zeigen Gold und Bitcoin wenig gemeinsame Korrelation. Der Korrelationskoeffizient liegt nahe Null, was bedeutet, dass sie sich nicht unbedingt in die gleiche Richtung bewegen – aber auch nicht zwingend entgegengesetzt.

“Im aktuellen geopolitischen Krisenfall performiert Gold besser als Bitcoin”, merkt Valek an. Aber das sei laut ihm nicht ausschließlich der geopolitischen Kontext zuzuordnen. Im jährlichen ‘In Gold We Trust’-Bericht beschreibt Incrementum, wie neue Käufer – vor allem aus Schwellenländern und Zentralbanken – die moderierte Nachfrage aus dem Finanzsystem deutlich kompensiert haben.

Zu Beginn der Corona-Pandemie reagierten Gold und Bitcoin jedoch gleich: Beide fielen zunächst stark, stiegen danach aber explosiv. “Das zeigt, dass Gold nicht unbedingt besser abschneiden muss”, so Valek. “Gerade in Liquiditätskrisen, in denen Anleger Vermögenswerte verkaufen, um an Bargeld zu kommen, können auch sogenannte sichere Häfen unter Druck geraten.”

Gold und Bitcoin: Die Stärke der Kombination

Valek zufolge ist es nicht sinnvoll zu behaupten, dass Gold und Bitcoin immer unterschiedlich auf Krisen reagieren. “Dafür gibt es zu viele Variablen, die die Performance beider Vermögenswerte beeinflussen.”

Die Schlussfolgerung? Gold bleibt vorerst der etablierte sichere Hafen. Doch Bitcoin hat, trotz seines jungen Alters, das Potenzial, langfristig eine ernsthafte Rolle als Krisenbeschützer zu spielen, sofern es gelingt, sein spekulatives Image abzulegen.


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