Kraken wartet weiter auf live Fed-Masterkonto
Kraken bekam im März als erste Krypto-Bank direkten Zugang zur Fed, doch der Rollout verzögert sich weiter. Das zeigt, wie streng die US-Anforderungen an die Zahlungsinfrastruktur bleiben.

Wichtigste Erkenntnisse
- Kraken Financial hat sein Federal Reserve Masterkonto auch mehr als vier Monate nach der Genehmigung noch nicht in Betrieb.
- Das Krypto-Unternehmen arbeitet am Rollout des Kontos und nutzt vorerst weiter eine Zwischenbank für Dollartransfers.
- Die Genehmigung war außergewöhnlich, galt aber nur ein Jahr und enthielt nicht öffentlich gemachte Limits.
Kraken Financial hat sein Federal Reserve-Masterkonto auch mehr als vier Monate nach der Freigabe noch nicht live geschaltet. Laut CEO Brian Mathena arbeitet das Krypto-Unternehmen weiter daran, das Konto einsatzbereit zu machen. Die Verzögerung zeigt zugleich, wie hoch die Hürden für den direkten Zugang zum US-Zahlungssystem für Krypto weiterhin sind.
Konto noch nicht in Betrieb
Mathena sagte vergangene Woche vor Gesetzgebern in Wyoming, Kraken arbeite daran, das Konto „operationell“ zu machen und parallel das eigene Einlagenprodukt weiter auszurollen. Die Bank erhielt die Genehmigung am 4. März von der Federal Reserve Bank of Kansas City, nachdem der Antrag bereits seit Oktober 2020 lief.
Die Freigabe war historisch: Kraken wurde damit zur ersten Krypto-Firma mit direkter Anbindung an die Fed. Trotzdem ist das Konto bis heute nicht aktiv. Kraken hatte selbst bereits angekündigt, dass der Rollout schrittweise erfolgen soll und zunächst auf große institutionelle Kunden ausgerichtet ist. Für Dollartransfers nutzt das Unternehmen vorerst weiterhin eine Zwischenbank, während Dart Bank laut den eigenen Supportseiten weiter als US-Dollar-Wire-Provider fungiert.
Kraken sucht inzwischen auch außerhalb der USA nach weiteren Banklizenzen. Über Litauen will das Unternehmen eine europäische Banklizenz erhalten, als Teil einer breiter angelegten Strategie, weltweit mehr finanzielle Lizenzen zu sichern.
Strenge Fed-Bedingungen
Die Genehmigung war zudem auf ein Jahr befristet und enthielt nicht öffentlich gemachte Auflagen, die auf die Risiken von Kraken zugeschnitten sind. Das passt zur strengen Tier-3-Einstufung der Fed, also der Kategorie für staatlich zugelassene Banken ohne bundesweite Versicherung oder bundesweiten Aufseher. In dieser Gruppe sind Genehmigungen äußerst selten.
Fed-Vizevorsitzende Michelle Bowman bezeichnete diese dritte Stufe früher sogar als nahezu „unobtainium“. Auch die Zahlen sprechen dafür: Laut Fintech-Analyst Jason Mikula erhielten nur drei von 53 Tier-3- oder nicht klassifizierten Antragstellern überhaupt eine Genehmigung. Die beiden anderen waren eine Genossenschaftsbank in Puerto Rico und Numisma Bank, beide ohne Krypto-Aktivitäten.
Bedeutung für europäische Leser
Für europäische Krypto-Interessierte ist das relevant, weil es zeigt, wie eng der Zugang zu klassischer Zahlungsinfrastruktur mit Aufsicht, Lizenzen und operativen Anforderungen verknüpft bleibt. Krakens Fall kommt außerdem zu einem Zeitpunkt, an dem die Fed noch an neuen Regeln für Nichtbanken arbeitet, während andere Anbieter wie Custodia Bank seit Jahren an demselben Verfahren scheitern. Damit wird das Ergebnis dieses Pilotprojekts auch für die breitere Debatte interessant, wie weit Krypto-Unternehmen in das US-Finanzsystem vordringen können.