Letitia James kritisiert Coinbase-Unterstützung für Krypto-Gesetz
James warnt, dass der CLARITY Act staatliches Vorgehen gegen Krypto-Betrug schwächt, während Coinbase schnelle bundesweite Regeln will. Im Senat ist weiter offen, wie die Aufsicht zwischen CFTC und den Bundesstaaten verteilt wird.

Wichtigste Erkenntnisse
- Letitia James lehnt den CLARITY Act ab, weil er aus ihrer Sicht den Schutz von Opfern von Krypto-Betrug schwächen könnte.
- Nach ihrer Einschätzung würde der Entwurf die Aufsicht vor allem bei der CFTC bündeln und staatliche Anlegerschutzgesetze zurückdrängen.
- Coinbase drängt auf eine schnelle Verabschiedung, doch im Senat fehlt bislang eine Mehrheit und eine Abstimmung vor der Sommerpause ist offen.
Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James stellt sich gegen einen Senatsentwurf, den Coinbase zügig durch den Kongress bringen möchte. Nach ihrer Einschätzung würde der Digital Asset Market Clarity Act, auch CLARITY Act genannt, Opfer von Krypto-Betrug eher schlechter schützen, weil den Bundesstaaten weniger Handlungsspielraum bliebe.
Streit um die Aufsicht
James richtete ihre Einwände am Montag an einen Senatsausschuss, der sich mit dem Entwurf befasst. Ihr zentraler Kritikpunkt: Der Gesetzentwurf würde die meisten Krypto-Regeln bei einer einzigen bundesweiten Behörde, der Commodity Futures Trading Commission, bündeln und zugleich staatliche Anlegerschutzgesetze aushebeln. Für ihre Behörde, die Aufsicht über Wertpapiere und Commodities für 20 Millionen Einwohner von New York führt, kommt das einer deutlichen Einschränkung der Durchsetzung gleich.
Der CLARITY Act ist in Washington kein neues Thema. Eingebracht wurde der Entwurf im Mai 2025 von Abgeordnetem J. French Hill, im Juli 2025 erhielt er im Repräsentantenhaus bereits breite Unterstützung, mit einer Abstimmung von 294 zu 134. Im Senat steht er nun erneut unter genauer Beobachtung, weil mehrere Seiten das Verhältnis zwischen bundesweiter und staatlicher Kontrolle als unausgewogen ansehen.
Betrug und Durchsetzung
James untermauert ihre Ablehnung mit Zahlen zu Krypto-Scams. Laut dem FBI verlor ein durchschnittlicher Melder 62.604 $ (55.000 €), während die Zahl der Krypto-Beschwerden innerhalb eines Jahres um 21 % zunahm. In ihrer Stellungnahme verweist sie auch auf konkrete Fälle, darunter Betrug über Gebetsgruppen in der haitianischen Community und Facebook-Anzeigen, die russischsprachige Opfer ansprechen sollten.
Ihr Argument lautet, dass lokale und staatliche Stellen weiterhin den Großteil der US-amerikanischen Durchsetzung übernehmen. Wenn diese Ebene geschwächt werde, so James, hätten Betroffene gerade weniger Zugang zu der Stelle, die ihnen am nächsten ist. Dieser Punkt knüpft an breitere Kritik von Durchsetzungsbehörden an, die befürchten, dass bestimmte Ausnahmen im Gesetz das Nachverfolgen illegaler Geldströme erschweren könnten.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Anleger ist das mehr als ein rein amerikanischer Kompetenzstreit. Das Ergebnis könnte zeigen, wie weit Gesetzgeber bei einer klaren Trennung zwischen bundesweiten Krypto-Regeln und lokalem Verbraucherschutz gehen wollen. Das ist auch für die breitere Debatte über die Aufsicht über Krypto Exchanges, Stablecoins und Anti-Betrugs-Maßnahmen außerhalb der USA relevant.
Coinbase wiederum setzt vor allem auf Tempo. Das Unternehmen möchte, dass der Senat spätestens am 3. August abstimmt, und bezeichnet das Gesetz als wichtig für die nächste Phase des Finanzsystems. Laut Vorstandschef Faryar Shirzad geht es in der Debatte nicht nur um Betrug, sondern auch darum, wer die Regeln schreibt, Washington oder Beijing. Im Senat gibt es bislang keine Mehrheit für den Entwurf, deshalb bleibt eine Abstimmung vor der Sommerpause ungewiss. In der breiteren Diskussion spielt zudem eine Rolle, dass Coinbase das Gesetz als Chance sieht, die Marktstruktur in den USA schneller zu modernisieren, während Kritiker vor zu viel Macht bei der CFTC warnen.