MiCA und FCA könnten neue Übernahmewelle im Krypto-Sektor auslösen
MiCA und die FCA erhöhen die Compliance-Anforderungen. Das könnte kleinere Kryptounternehmen dazu bewegen, schneller nach Fusionen oder Übernahmen zu suchen. Banken und Vermögensverwalter erhalten dadurch mehr Spielraum bei Custody und anderen regulierten Diensten.

Wichtigste Erkenntnisse
- MiCA verschiebt den Kryptomarkt weg vom reinen Lizenzwettlauf hin zu langfristiger Compliance. Dadurch gewinnen Größe und belastbare Governance an Bedeutung.
- Die FCA arbeitet an einem strengen Krypto-Rahmen, der Krypto in bestehende Finanzregeln einordnet und hohe Anforderungen an Kundengelder sowie operative Kontrollen stellt.
- Das könnte Fusionen, Übernahmen und Kooperationen begünstigen, während Banken und etablierte Anbieter Krypto-Dienste leichter anbieten können.
Der europäische Kryptosektor bewegt sich zunehmend von einem Rennen um Lizenzen hin zu einer Phase, in der die laufenden Kosten für Compliance im Vordergrund stehen. Nach Einschätzung von Juristen und Marktteilnehmern dürfte das mehr Fusionen, Übernahmen und Kooperationen zwischen Kryptounternehmen und klassischen Finanzinstituten begünstigen. Gleichzeitig erhalten Banken mehr Spielraum, um in digitale Assets einzusteigen.
Von der Lizenz zur Größe
Der Wettlauf um MiCA-Lizenzen mag weitgehend abgeschlossen sein, doch die eigentliche Bewährungsprobe beginnt erst jetzt. Im europäischen Rahmen reicht es nicht aus, die Vorgaben nur formal zu erfüllen. Unternehmen müssen sie auch dauerhaft tragen können, mit stabiler Governance, ausreichendem Kapital, belastbarer Custody und funktionierenden operativen Abläufen.
Damit rückt Größe stärker in den Mittelpunkt. Gerade kleinere Anbieter könnten es schwerer haben, die Kosten für Aufsicht und interne Kontrollen zu stemmen. Hinzu kommt, dass MiCA in der gesamten EU einen einheitlichen Rahmen für Krypto-Asset-Regeln und Verbraucherschutz setzt.
Auch im Vereinigten Königreich dürfte die Messlatte hoch bleiben. Die Financial Conduct Authority arbeitet an einem Krypto-Rahmen, der nach Einschätzung von Juristen nicht zwingend lockerer ist als MiCA. Vielmehr soll Krypto stärker in bestehende Finanzregeln eingebettet werden, statt ein separates Regime zu schaffen.
Banken bekommen mehr Spielraum
Für Banken und etablierte Investmentfirmen kann das eher ein Vorteil sein. Sie verfügen bereits über Compliance-Strukturen und können Krypto-Dienste dadurch oft leichter ergänzen, etwa über Übernahmen, Partnerschaften oder ein eigenes institutionelles Angebot.
Steven Lightstone von Morgan Lewis sagte, die FCA wolle zwar Neueinsteigern den Zugang erleichtern, die Standards blieben aber hoch, vor allem dort, wo Verbraucher betroffen sind. Er verwies außerdem darauf, dass das britische Client-Asset-Regime über CASS eine strikte Trennung von Kundengeldern und Unternehmensmitteln verlangt. Dazu kommen zusätzliche operative Schutzmechanismen rund um Private Keys und Abstimmungen.
Für junge Kryptounternehmen kann das die Hürde deutlich erhöhen. Laut Lightstone könnte genau das dazu führen, dass sich solche Firmen mit einem traditionellen Finanzinstitut zusammenschließen oder von einem solchen übernommen werden, das diese Kontrollen bereits etabliert hat.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Anleger ist das mehr als nur ein juristisches Detail. Wenn MiCA und der britische Rahmen weiter Wirkung entfalten, könnte sich die Marktstruktur in Richtung größerer, regulierter Anbieter verschieben. Im Fokus dürften dann stärker Custody-, Brokerage- und Staking-Dienste stehen.
Die Entwicklung passt auch zu einem breiteren Wandel in Europa, wo Banken und Fintechs Krypto-Dienste immer häufiger in ihre bestehende Infrastruktur integrieren wollen. In Deutschland öffnen zum Beispiel immer mehr Banken Krypto-Trading für Millionen Kunden unter MiCA. Das zeigt, wie Regulierung Größe und Vertrieb zugleich begünstigen kann.
Simon Schneider von Sygnum Europe sagte, dass heute weniger als 20 Prozent der europäischen Banken Krypto-Dienste anbieten. Aus seiner Sicht zeigt das, wie groß der Spielraum noch ist. Zugleich sieht er einen klaren Trend hin zu regulierten Instituten, während Self-Custody und institutionelle Custody nebeneinander bestehen bleiben.