MiCA-Test beginnt jetzt für europäische Krypto-Unternehmen
Nach der ersten Lizenzrunde entscheidet sich nun, wie konsequent ESMA und nationale Aufseher gegen CASPs, Stablecoins und Offshore-Anbieter vorgehen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Mit dem Ende der MiCA-Frist verlagert sich der Schwerpunkt im europäischen Kryptomarkt von der Lizenzvergabe hin zu Durchsetzung und Aufsicht.
- Die ESMA drängt darauf, dass nicht autorisierte Anbieter den Betrieb einstellen; bei Verstößen sind Strafen von bis zu 12,5 Prozent des Jahresumsatzes möglich.
- Parallel arbeitet die Europäische Kommission bereits an einer MiCA-Überarbeitung, während in der Branche über eine stärker einheitliche europäische Aufsicht diskutiert wird.
Die MiCA-Frist ist abgelaufen, und laut Marktinsidern beginnt für den europäischen Kryptomarkt damit die entscheidende Bewährungsprobe. Ob sich der neue Rahmen durchsetzt, dürfte sich weniger an der Lizenz selbst als an Aufsicht und Durchsetzung zeigen. Davon hängt ab, welche Krypto-Unternehmen im Markt bleiben können.
Die Lizenz ist nur der erste Schritt
Auf einem Panel von BeInCrypto mit Führungskräften von Tesseract und Wincent sowie dem Senior Policy Lead des European Ethereum Institute fiel die Einschätzung bemerkenswert einheitlich aus: Die Autorisierung war lediglich der Einstieg. James Harris, CEO des MiCA-autorisieren Asset Managers Tesseract, machte deutlich, wie stark sich der Markt seit dem Ende der Übergangsfrist am 1. Juli verkleinert hat. Europa zählte zuvor rund 2.700 registrierte Virtual Asset Service Provider, während das ESMA-Register zum Zeitpunkt des Panels etwas mehr als 200 CASP-Lizenzen auswies.
Der Abstand zeigt, wie hoch die Hürden im neuen Regime sind. Harris schätzte, dass der Betrieb eines CASP 10 bis 15 Mal anspruchsvoller ist als der Betrieb als VASP. Ryan Miller, APAC-Leiter beim Market Maker Wincent, betonte zudem, dass Compliance nur dann funktioniert, wenn sie fest im Unternehmen verankert ist. Andernfalls dürften viele Anbieter auf der Strecke bleiben.
Durchsetzung wird zum eigentlichen Stresstest
Im nächsten Schritt stellt sich die Frage, ob die Aufseher auch konsequent gegen Anbieter vorgehen, die europäische Nutzer ohne gültige Lizenz weiter bedienen. Harris warnte, dass lizenzierte Unternehmen sonst weiterhin mit Offshore-Anbietern konkurrieren müssten, die sich nicht an dieselben Regeln halten. Die ESMA hat inzwischen klargestellt, dass nicht autorisierte Anbieter den Betrieb einstellen und ihre Aktivitäten sofort zurückfahren müssen. Bei Verstößen sind Strafen von bis zu 12,5 Prozent des Jahresumsatzes vorgesehen.
Für die Marktstruktur insgesamt ist diese Linie ebenfalls relevant. MiCA hat bereits zu einer sichtbaren Konsolidierung unter Dienstleistern geführt und den Stablecoin-Markt in Richtung regelkonformerer Tokens verschoben. Gleichzeitig dürfte die größere rechtliche Klarheit mehr institutionelle Akteure anziehen, weil sie lieber innerhalb eines festen Rahmens arbeiten als in einer Grauzone. Dazu passt auch die jüngste MiCA-Lizenz von Standard Chartered, die zeigt, dass große Finanzhäuser die europäischen Vorgaben nutzen, um ihre digitalen Angebote auszubauen.
Europa blickt bereits auf MiCA 2
Mit der ersten Lizenzrunde endet die Debatte allerdings nicht. Die Europäische Kommission arbeitet bereits an einer Überarbeitung von MiCA, die in der Branche häufig als MiCA 2 bezeichnet wird. Die Frist für Rückmeldungen zu dieser Konsultation wurde vom 31. August auf den 30. September verschoben. Savova verwies außerdem darauf, dass Mitgliedstaaten wie Malta viele Krypto-Unternehmen anziehen, während die Vergabe von Lizenzen in anderen Ländern deutlich zäher verläuft. Das nährt die Frage, ob Europa langfristig mit nationalen Aufsehern auskommt oder ob ein stärker einheitlicher europäischer Supervisor nötig wird.
Für europäische Krypto-Interessierte ist das vor allem deshalb relevant, weil sich in den kommenden Monaten zeigen dürfte, ob MiCA in erster Linie ein Zugangstor war oder auch als dauerhafter Standard trägt. Davon könnte abhängen, wie streng der Markt aussortiert wird und welche Akteure die nächste Phase des europäischen Kryptomarkts prägen.