Mizuho stuft Circle nach OpenUSD-Druck herab
Mizuho sieht OpenUSD als Belastung für die Margen von Circle, während sich der Stablecoin-Markt in Richtung geteilter Governance und Umsatzverteilung verschiebt. Die Bank rechnet zudem mit höheren Vertriebskosten und einer schwächeren Verhandlungsposition gegenüber Coinbase.

Wichtigste Erkenntnisse
- Mizuho stuft Circle auf underperform ein und senkt das Kursziel von 85 $ auf 50 $.
- Die Bank sieht OpenUSD als Risiko für das Geschäftsmodell von Circle, weil Vertriebskosten steigen und Margen unter Druck geraten könnten.
- Mizuho reduziert die EBITDA-Schätzung für 2027 und warnt vor Gegenwind in den Verhandlungen mit Coinbase.
Mizuho hat Circle auf underperform herabgestuft und das Kursziel von 85 $ (75 €) auf 50 $ (44 €) gesenkt. Nach Einschätzung der japanischen Investmentbank entwickelt sich OpenUSD zunehmend zu einem Risiko für das Geschäftsmodell des Stablecoin-Emittenten, weil der Wettbewerb im Markt für Dollar-Token weiter anzieht.
OpenUSD setzt das Modell unter Druck
Analyst Dan Dolev zufolge könnte das Pass-through-Modell von OpenUSD die Verteilung der Reserveerträge bei Circle spürbar verändern. Statt einen größeren Teil der Einnahmen aus Staatsanleihen selbst zu vereinnahmen, müsste Circle mehr Erlöse an Vertriebspartner weiterreichen. Das dürfte die Margen belasten.
OpenUSD wurde am 30. Juni vom Open Standard-Konsortium angekündigt, dem mehr als 140 Partner angehören, darunter Mastercard, Stripe, Coinbase und BlackRock. Das breite Bündnis deutet auf einen Wandel im Stablecoin-Markt hin, in dem nicht mehr nur der einzelne Emittent im Vordergrund steht, sondern auch geteilte Governance und Umsatzverteilung an Bedeutung gewinnen.
Schwächerer Ausblick für Circle
Mizuho hat die Schätzung für das adjusted EBITDA von Circle für 2027 auf 699 $ Millionen (613 € Millionen) gesenkt. Das liegt nach Angaben der Bank rund 25 Prozent unter dem Wall-Street-Konsens von 941 $ Millionen (825 € Millionen). Gleichzeitig hob die Bank die Annahme für Vertriebs- und Transaktionskosten von 64 Prozent auf 73 Prozent an.
Der Zeitpunkt ist aus Sicht der Bank besonders heikel, weil Circle im August erneut über die Revenue-Sharing-Vereinbarung mit Coinbase, seinem größten Vertriebspartner, verhandeln muss. Mizuho warnt, dass Coinbases Unterstützung für OpenUSD die Verhandlungsposition von Circle schwächen könnte. Auch höhere Zinsen im Jahr 2027 dürften nach Einschätzung der Bank nicht ausreichen, um den Preisdruck vollständig auszugleichen.
Bedeutung für europäische Leser
Für europäische Krypto-Leser zeigt diese Herabstufung, wie sich der Wettbewerb bei Stablecoins zunehmend nicht nur über das Volumen, sondern auch über die Verteilung der Reserveerträge und die Struktur von Partnervereinbarungen entscheidet. Das ist relevant für Akteure, die Stablecoins für Zahlungen, Treasury-Strukturen oder Exchange-Liquidität nutzen, weil das Modell hinter einem Token wichtiger werden könnte als allein der Peg. Der Druck auf Circle kommt zudem zu einem Zeitpunkt, an dem der gesamte Stablecoin-Markt seit Mai bereits um etwa 10 $ Milliarden (8,8 € Milliarden) geschrumpft ist, unter anderem wegen schwächerer Krypto-Aktivität und mehr Konkurrenz durch neu regulierte Emittenten. Dieser breitere Trend zeigt sich auch im Rückgang des Stablecoinmarkts, in dem USDC und USDT zusammen einen großen Teil des Rückgangs getragen haben.