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Polygon und 1inch bauen Stellen ab nach strategischem Kurswechsel

Polygon setzt auf Zahlungen und Profitabilität, während 1inch-Mitgründer Anton Bukov seinen Posten verliert. Die Umstrukturierung fällt mit schwachen POL- und 1INCH-Kursen zusammen.

Polygon und 1inch bauen Stellen ab nach strategischem Kurswechsel

Wichtigste Erkenntnisse

  • Polygon Labs hat weitere Entlassungen angekündigt und richtet den Fokus zunehmend von der Blockchain-Infrastruktur auf ein Zahlungsunternehmen mit Profitabilität als Ziel für 2027 aus.
  • 1inch-Mitgründer Anton Bukov sagte, dass er im November 2025 entlassen wurde und keine operative oder Sicherheitsaufsicht mehr hat.
  • POL und 1INCH handeln nahe historischer Tiefststände, während Tokeninhaber von den strategischen Kurswechseln bislang kaum direkt profitieren.

Polygon Labs und 1inch zeigen in dieser Woche, wie schnell sich Krypto-Unternehmen von Infrastruktur hin zu Umsatz und kommerzieller Verwertung ausrichten. Polygon kündigte eine neue Entlassungsrunde an, während 1inch-Mitgründer Anton Bukov erklärte, dass er im November entlassen wurde. Parallel dazu notieren beide Tokens nahe ihren historischen Tiefstständen.

Polygon rückt in Richtung payments

CEO Marc Boiron sagt, dass Polygon Labs derzeit den Wandel von einer Blockchain-Foundation hin zu einem blockchain-gestützten Zahlungsunternehmen vollzieht. Profitabilität soll demnach bis 2027 erreicht werden. Nach seiner Darstellung sind die Entlassungen Teil dieser Neuausrichtung, und betroffene Mitarbeiter erhalten eine Abfindung sowie Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung.

Es ist nicht der erste Stellenabbau bei Polygon. Bereits 2023 wurden rund 100 Positionen gestrichen, 2024 folgten weitere 60, und im Januar baute das Unternehmen erneut etwa 60 Stellen ab. Das geschah nach der Übernahme von Coinme und dem Wallet-Entwickler Sequence für mehr als 250 $ Millionen (218 € Millionen). Der Deal passt zu derselben strategischen Richtung: Polygon will die eigene Infrastruktur stärker mit Zahlungen und kommerziellen Anwendungen verknüpfen.

Auch on-chain lässt sich diese Entwicklung erkennen. Das Stablecoin-Angebot auf Polygon liegt bei 3,36 $ Milliarden (2,9 € Milliarden) und damit auf Platz acht unter den Blockchains. Das Unternehmen teilte zudem mit, dass das Volumen im Juni mit 9,12 $ Milliarden (8 € Milliarden) einen Rekord erreicht habe. Visa hat Polygon außerdem Anfang dieses Jahres in sein Stablecoin-Settlement-Programm aufgenommen.

1inch verliert Mitgründer

Bei 1inch steht die Umstrukturierung unter einem anderen Vorzeichen. Bukov sagte, dass er im November 2025 entlassen wurde, obwohl er 50 % am Unternehmen hält. Zugleich habe er keine operative oder sicherheitsbezogene Aufsicht mehr. Seit Mai 2019 war er für die Protokollarchitektur und die Sicherheit des DEX-Aggregators zuständig.

Bukov beschreibt seinen Abschied als Führungsstreit. Nach seiner Darstellung wollte er auf Basis von Rückmeldungen von Nutzern und Teammitgliedern Änderungen bei Management und Kommunikation durchsetzen, sei damit aber gescheitert und schließlich entlassen worden. Inzwischen arbeitet er an Second Tier, einem neuen Infrastruktur-Startup, das nach seiner Darstellung ein offenes Finanzsystem ohne Reibung und ohne Zwischenhändler aufbauen soll.

Tokeninhaber spüren den Druck

Für Tokeninhaber ist der Zeitpunkt der Umstrukturierungen wenig erfreulich. POL markierte am 1. Juli ein Allzeittief von 0.068 $ (0.059 €) und notierte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei 0.083 $8 (0.073 €), fast 64 % unter dem Vorjahresniveau. 1INCH lag bei 0.073 $9 (0.064 €), was einem Minus von 78 % im selben Zeitraum entspricht, nachdem auch dieser Token am 6. Juni ein neues Tief erreicht hatte.

Damit wird ein breiterer Trend im Kryptomarkt sichtbar: Die Unternehmen hinter wichtigen Protokollen setzen stärker auf kommerzielle Disziplin, doch der wirtschaftliche Nutzen kommt bei Tokeninhabern nicht automatisch an. Für europäische Kryptonutzer ist das relevant, weil es zeigt, wie schnell Projekte sich von community-getriebener Infrastruktur hin zu einer eher klassischen Unternehmenslogik verschieben können, während die Tokens rechtlich oft getrennt vom Unternehmen selbst bleiben. Eine ähnliche Verschiebung ist bei Base zu beobachten, wo der Fokus zunehmend auf Trading, payments und anderen direkten Einnahmequellen liegt.


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