Robinhood Chain zieht Memecoin-Handel an, während RWAs klein bleiben
Robinhood setzt auf Retail-Onboarding über Wallet, tokenisierte Assets und Onchain-Derivate. Vorläufig kommt das meiste Volumen aber aus Memecoins, während die RWA-Aktivität begrenzt bleibt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Robinhood Chain kletterte kurzzeitig auf Platz 2 beim DEX-Volumen, doch Robinhood will vor allem Retail-Nutzer an tokenisierte Assets und Onchain-Derivate heranführen.
- Der größte Teil der Aktivität entfiel auf den Memecoin-Handel, insbesondere rund um CASHCAT, während die tatsächliche TVL deutlich unter der bridged TVL lag.
- Die Chain ist auf tokenisierte Real-World Assets und DeFi ausgelegt, wird bislang aber nur in begrenztem Umfang und stark spekulativ genutzt.
Robinhood Chain rückte am vergangenen Wochenende kurz ins Rampenlicht, nachdem sie beim DEX-Volumen zwischenzeitlich auf Platz 2 lag. Für Robinhood steht dabei jedoch nicht im Vordergrund, möglichst viel Handel von bestehenden crypto-nativen Plattformen abzuziehen. Entscheidend ist vielmehr ein anderer Punkt: Die mehr als 10 Millionen aktiven Nutzer der App sollen ohne Umweg über eine spezialisierte Krypto-Exchange an tokenisierte Assets und Onchain-Derivate herangeführt werden.
Robinhood setzt auf Onboarding
Nach Angaben von Seong Seog Lee, Head of Product bei Robinhood Crypto, liegt die eigentliche Chance des Unternehmens nicht darin, Volumen von bestehenden Tradern abzugreifen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Retail-Kunden, die bislang noch keinen Perpetuals-Kontrakt genutzt haben, über Robinhood Wallet aber nun Zugang dazu erhalten. Lee erklärte, dass Nutzer in mehr als 120 Ländern über Lighter direkt innerhalb der Wallet auf Gold, Silber, FX und Crypto Perps zugreifen können.
Der Ansatz fügt sich in Robinhoods breitere Strategie ein, klassische Finanzprodukte onchain verfügbar zu machen. Robinhood Chain wurde Anfang dieses Monats für die breite Öffentlichkeit freigeschaltet, nachdem im Februar eine Testphase gestartet war. Die Chain basiert als Ethereum Layer 2 auf Arbitrum und soll vor allem tokenisierte Real-World Assets und DeFi-Anwendungen unterstützen.
Memecoins dominieren den Start
In der Praxis stammt der Großteil der Aktivität bislang aus einer anderen Ecke. Am 12. Juli verarbeitete Robinhood Chain rund 878 $ Millionen (768 € Millionen) an 24-Stunden-DEX-Volumen und lag damit zeitweise vor Coinbase's Base und Ethereum. Einen Tag später belief sich die Perpetuals-Aktivität jedoch nur noch auf 5,9 $ Millionen (5,2 € Millionen) und blieb damit deutlich hinter Hyperliquid zurück, das am selben Tag 8,9 $ Milliarden (7,8 € Milliarden) umsetzte.
Die Daten deuten darauf hin, dass ein großer Teil des Kapitals noch nicht aktiv eingesetzt wird, sondern zunächst in Wallets liegen bleibt. Die Chain weist eine bridged TVL von 734 $ Millionen (642 € Millionen) aus, während die tatsächliche TVL bei 211 $ Millionen (185 € Millionen) liegt. Das spricht dafür, dass zwar Assets übertragen wurden, diese aber bislang noch nicht in größerem Umfang in Lending Pools oder Yield-Produkten genutzt werden.
Den stärksten Schub brachte bislang der Handel mit Memecoins, vor allem rund um CASHCAT, einen Token, der nach Robinhoods ehemaligem Maskottchen benannt ist. Der Kurs stieg in der ersten Woche um mehr als 2.100 Prozent und erreichte zwischenzeitlich eine Marktkapitalisierung von 156 $ Millionen (136 € Millionen). Das ist mehr als zwölfmal so viel wie der gesamte Markt für tokenisierte Real-World Assets auf der Chain, der laut den verfügbaren Zahlen bei 12,66 $ Millionen (11,1 € Millionen) liegt.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Beobachter ist Robinhood Chain vor allem deshalb interessant, weil sie zeigt, wie schnell eine bekannte Verbrauchermarke Traffic auf Blockchain-Infrastruktur lenken kann, selbst wenn das zugrunde liegende Produktangebot noch klein ist. Die Verbindung aus Wallet-Integration, tokenisierten Assets und Onchain-Derivaten dürfte für Marktteilnehmer relevant sein, die auf die nächste Phase der Retail-Adoption schauen. Gleichzeitig macht die Dominanz von Memecoins deutlich, wie spekulativ die frühe Nutzung neuer Chains oft bleibt, insbesondere solange echte Finanzanwendungen noch nicht breit verankert sind.
Robinhood hält unterdessen an seinen langfristigen Plänen fest. Das Unternehmen gibt an, die Chain sei darauf ausgelegt, den Zugang zu Finanzprodukten zu erweitern, und verweist dabei unter anderem auf 24/7 Stock Token Trading und Onchain Lending als mögliche künftige Anwendungsfälle. Ob diese Funktionen den Memecoin-Handel auf Dauer übertreffen, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.