Morgan Stanley senkt Kursziel für Circle wegen schwächerer USDC-Perspektiven
Morgan Stanley sieht beim USDC-Emittenten geringeres Wachstum und Margendruck, auch wegen Konkurrenz durch tokenisierte Geldmarktfonds und Einlagen. Auch Circles Fokus auf agentic payments stößt bei der Bank kaum auf Resonanz.

Wichtigste Erkenntnisse
- Morgan Stanley hat Circle auf Underweight herabgestuft und das Kursziel von 106 $ auf 38 $ gesenkt, weil die Gewinnperspektiven schwächer eingeschätzt werden.
- Die Bank erwartet ein langsameres USDC-Wachstum, da die Erträge aus den Reserven unter Druck geraten und die Margen im Transaktionsgeschäft sinken dürften.
- Zusätzlichen Wettbewerbsdruck sieht Morgan Stanley durch tokenized money market funds, tokenized deposits und neue Stablecoin-Modelle.
Morgan Stanley hat die Aktie von Circle auf Underweight herabgestuft und das Kursziel von 106 $ (92 €) auf 38 $ (33 €) reduziert. Als Begründung nennt die Bank einen schwächeren Gewinnausblick für den USDC-Emittenten. Gleichzeitig rechnen Anleger offenbar bereits mit stärkerem Druck auf die Stablecoin-Einnahmen des Unternehmens.
Am Montag gab die Aktie nach dem Bericht um 6 % nach und liegt seit Jahresbeginn rund 30 % im Minus. Für Circle ist das besonders relevant, weil USDC weiterhin die zentrale Einnahmequelle bleibt und der Markt das Geschäftsmodell rund um die Reserven zunehmend kritisch bewertet. Dazu passt auch der breitere Trend, dass große Anbieter genau diese Reserve-Einnahmen für sich erschließen wollen, etwa bei neuem Geldmarktfonds für Stablecoin-Reserven.
Druck auf USDC-Einnahmen
Analyst James Faucette schreibt, Morgan Stanley gehe von einem langsameren Wachstum bei USDC aus, weil die Reserve-Einnahmen unter Druck geraten und Circle stärker auf Transaktionserlöse mit geringeren Margen setzt. Entsprechend hat die Bank ihre Schätzungen für den USDC-Bestand für 2027 um etwa 33 % und für 2028 um 44 % gekürzt.
In der Folge liegen die erwarteten GAAP-Earnings per Share für 2027 rund 3 % unter dem Konsens der Wall Street und für 2028 etwa 20 % darunter. Das unterstreicht, wie sensibel Circle auf Veränderungen beim USDC-Volumen und auf die Erträge aus den Reserven reagiert, die das Unternehmen in kurzfristigen US-amerikanischen Staatsanleihen hält.
Wettbewerb bei Stablecoins nimmt zu
Morgan Stanley verweist außerdem auf den Aufstieg von tokenized money market funds und tokenized deposits als zusätzliches Risiko für Circle. Diese Produkte könnten sowohl USDC-Bestände als auch die Erträge aus den Reserven belasten, zumal der Stablecoin-Markt mit neuen Modellen wie Open USD, das im Juni von Coinbase und BlackRock gestartet wurde, dichter wird.
Auch Circles Fokus auf agentic payments bewertet die Bank eher skeptisch. Laut der Notiz ist das tägliche Transaktionsvolumen dort auf etwa 41.900 $ (36.300 €) gesunken, bei einem durchschnittlichen Transaktionswert von rund 24 Cent. Nach Einschätzung von Morgan Stanley spricht das für eine bislang begrenzte kommerzielle Nutzung.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Beobachter zeigt das Downgrade, wie schnell sich die Stimmung gegenüber Stablecoin-Emittenten drehen kann, wenn Wachstum, Zinseinnahmen und Wettbewerb gleichzeitig unter Druck geraten. Es macht auch deutlich, dass Stablecoins nicht nur von der Nutzung im Krypto-Markt abhängen, sondern ebenso vom breiteren Umfeld aus Reserven, tokenisierten Finanzprodukten und möglichen neuen Regeln in den USA. Sollte der Wettbewerb weiter zunehmen, könnte das die Beziehungen zwischen Emittenten, Börsen und Vertriebspartnern erneut belasten.