Kontrollkampf bei Ondo Finance eskaliert nach dem Tod des Gründers
Im Mittelpunkt stehen Stimmrechte, Befugnisse im Vorstand und die Rolle des Delaware Chancery Court. Ondo Finance steht dabei als Anbieter von tokenisierten Treasuries und anderen RWA-Produkten unter Druck.

Wichtigste Erkenntnisse
- Bei Ondo Finance ist nach dem Tod von Gründer Nathan Allman Anfang dieses Jahres ein Kontrollkampf entstanden.
- Das Erbe wirft CEO Ian De Bode vor, sich in einer Phase mit ungeklärten Stimmrechten zu viel Macht verschafft zu haben.
- Der Streit betrifft die Governance von Ondo, während das Unternehmen betont, den Betrieb ohne Unterbrechung fortsetzen zu wollen.
Bei Ondo Finance ist nach dem Tod von Gründer Nathan Allman Anfang dieses Jahres ein offener Machtkampf entbrannt. Sein Erbe wirft CEO Ian De Bode vor, seine Befugnisse ausgeweitet zu haben, während Allmans Stimmrechte noch in einem probate-Verfahren auf Hawaii gebunden waren.
Streit um den Vorstand
Drei Eingaben beim Delaware Chancery Court sollen klären, wer Ondo Finance rechtlich führen darf. Zugleich wird das Gericht gebeten, weitreichende Unternehmensentscheidungen vorläufig zu stoppen. Im Zentrum steht die Phase unmittelbar nach Allmans Tod im Mai: Damals gingen seine Stimmrechte in den Nachlass über und konnten erst am 26. Juni ausgeübt werden, nachdem Kathleen Allman zur persönlichen Vertreterin bestellt worden war.
Nach Darstellung der Klage habe De Bode in dieser Zwischenzeit geltend gemacht, unter den Statuten von Ondo automatisch zum CEO geworden zu sein. Außerdem habe er sich über eine Voting Agreement zum alleinigen Direktor ernannt und mehrere Schritte eingeleitet, darunter die Beauftragung von Beratern, die Genehmigung von Performance Grants und den Versuch, einen weiteren Vorstandssitz zu besetzen. Das Erbe hält dagegen, dass die Statuten eigentlich vorsehen, dass der Vorstand die vakante CEO-Position formell besetzt.
Kathleen Allman versuchte nach der Übernahme der Stimmrechte zunächst, einen geordneten Übergang sicherzustellen. Sie berief sich selbst in den Vorstand, setzte eine Übergangsregelung auf, damit der laufende Betrieb weitergehen konnte, bestätigte De Bode als Präsident und verlangte grundlegende Unterlagen wie eine Aktionärsliste.
Warum das wichtig ist
Für die breitere Kryptobranche ist der Fall relevant, weil Ondo Finance zu den wichtigen Anbietern im Bereich tokenisierte Real-World Assets zählt. Dabei werden klassische Finanzprodukte über Blockchain abgebildet. Das Unternehmen wurde 2021 von ehemaligen Goldman-Sachs-Mitarbeitern gegründet und hat Produkte rund um tokenisierte US-Treasuries und weitere Anlageinstrumente wie OUSG und USDY aufgebaut.
Gerade deshalb sind Fragen der Governance hier besonders sensibel. Als Plattform, die auf Vertrauen, Compliance und institutionellen Beziehungen basiert, dürfte sich Ondo kaum längere Unklarheit über Führung und Zuständigkeiten leisten können. Hinzu kommt, dass das Unternehmen erst Anfang dieser Woche einen neuen CFO ernannt hat. Auch der breitere Tokenisierungsmarkt entwickelt sich weiter: RWA-Tokens gehörten im Juli zu den stärksten Narrativen am Kryptomarkt.
Ondo hält an Kontinuität fest
De Bode sagte in einer E-Mail an CoinDesk, der Schritt von Kathleen Allman sei „bedauerlich“ und liege weder im Interesse des Unternehmens noch der Aktionäre, des Teams oder des Ondo-Ökosystems. Aus seiner Sicht sind die Vorwürfe des Erbes unbegründet. Zudem habe die aktuelle Führung weiterhin die Unterstützung wichtiger Stakeholder, darunter Lead Investors und die Ondo Foundation.
Der Vorstand von Ondo erklärte in einer separaten Mitteilung, das Unternehmen halte an der Vision von Nate Allman fest, wonach Onchain Markets die Zukunft von Finance seien. Gleichzeitig betonte der Vorstand, Ondo werde den Betrieb ohne Unterbrechung fortsetzen, während nach einer dauerhaften Nachfolge gesucht werde. Ein Gerichtsurteil liegt bislang nicht vor, und die eingereichten Unterlagen geben zunächst nur die Sicht des Erbes wieder.