Polnischer Olympia-Chef im Zondacrypto-Verfahren festgenommen
Die Ermittlungen betreffen nicht nur mögliche Bestechung, sondern auch Vorwürfe von Betrug und Geldwäsche rund um Zondacrypto. Der Fall kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Exchange schon länger unter Beobachtung steht und nach Estland ausgewandert ist.

Wichtigste Erkenntnisse
- Radosław Piesiewicz, Vorsitzender des Polnischen Olympischen Komitees, ist im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen Zondacrypto festgenommen worden.
- Staatsanwälte prüfen mögliche Bestechung, Betrug, Geldwäsche und Geldflüsse rund um die Krypto-Exchange.
- Die breiteren Ermittlungen gegen Zondacrypto laufen seit April und umfassen einen mutmaßlichen Schaden von mindestens 350 Millionen Zloty.
Radosław Piesiewicz, Vorsitzender des Polnischen Olympischen Komitees, ist im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen die Krypto-Exchange Zondacrypto festgenommen worden. Staatsanwälte prüfen, ob er vom Firmenchef einen finanziellen Vorteil erhalten hat, während sich der Fall zugleich breiter um mögliche Betrugs-, Geldwäsche- und Geldflussvorwürfe rund um die Exchange dreht.
Ermittlungen zu Uhr und Geschenken
Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek bestätigte die Festnahme und sagte, dass später weitere Informationen folgen, nachdem Piesiewicz vernommen worden ist. Derzeit sind noch keine formellen Anklagen bekanntgegeben worden. Polnische Medien schreiben jedoch, dass sich die Ermittlungen um mögliche Bestechung durch Zondacrypto drehen.
Laut einer gemeinsamen Recherche von Wirtualna Polska und TVN24 soll Zondacrypto-Chef Przemysław Kral Piesiewicz eine Patek-Philippe-Uhr im Wert von rund 40.000 Euro sowie weitere Geschenke übergeben haben. Das soll mit Hilfe bei Problemen zusammenhängen, die die Exchange mit der polnischen Wettbewerbsbehörde hatte. Piesiewicz bestreitet, die Uhr als Geschenk erhalten zu haben. Er sagt, er habe sie bar bezahlt und Kral habe nur beim Kauf geholfen. Żurek sagte, die Uhr sei einer der Punkte, die die Staatsanwälte untersuchen werden.
Zondacrypto steht schon länger unter Druck
Der Fall steht nicht für sich allein. Die breiteren Ermittlungen gegen Zondacrypto begannen im April und betreffen mutmaßlichen Betrug und Geldwäsche. Staatsanwälte sagten zuvor, der Eigentümer habe eingeräumt, dass das Unternehmen jahrelang keinen Zugriff auf eine Cold Wallet mit rund 4.500 Bitcoin hatte. Der geschätzte Schaden für Kunden lag den Behörden zufolge bei mindestens 350 Millionen Zloty, also rund 94 Millionen Dollar (80,7 Millionen Euro).
Die Behörden hatten im Juni bereits mehr als 3.600 Beschwerden erhalten und seitdem mehr als 100 Millionen Zloty für mögliche Entschädigungen gesichert. Im vergangenen Monat wurde das Ermittlungsverfahren mit einem Fall rund um das Verschwinden von Sylwester Suszek zusammengelegt, dem Gründer von BitBay, dem Vorgänger von Zondacrypto. Die Exchange erhielt im Oktober außerdem eine Rolle als Hauptsponsor des Polnischen Olympischen Komitees für den Zeitraum 2026 bis 2028.
Bedeutung für Europa
Für europäische Kryptoleser zeigt dieser Fall, wie schnell eine Krypto-Exchange zugleich in ein strafrechtliches, regulatorisches und reputationsbezogenes Ermittlungsverfahren geraten kann. Das ist besonders relevant, weil Zondacrypto zuvor bereits unter Aufsichtsfragen stand und später nach Estland ausgewandert ist. Solche Fälle können auch zeigen, wie groß der Druck auf Exchanges ist, ihre Geschäftsabläufe, Custody und Beziehungen zu Aufsichtsbehörden klar zu halten.