Saylor warnt vor BIP-110, während Strategy bei BTC pausiert
Strategy hat fünf Wochen lang keine BTC gekauft und einen Cashpuffer von 3,75 Milliarden Dollar aufgebaut. Gleichzeitig rückt BIP-110 näher, ein Vorschlag, der die Bitcoin-Governance unter Druck setzen könnte.

Wichtigste Erkenntnisse
- Michael Saylor warnt davor, dass BIP-110 die Bitcoin-Governance und die Netzwerkneutralität beeinträchtigen könnte.
- Strategy hat fünf Wochen lang keine BTC gekauft und seine Dollarreserve über Aktienverkäufe auf 3,75 Milliarden Dollar erhöht.
- Das Unternehmen hält 843.775 BTC, will aber bis Ende 2026 1 Million BTC besitzen.
Michael Saylor erklärt, Bitcoin habe sich durchgesetzt. Gleichzeitig hat Strategy seit fünf Wochen keinen einzigen BTC zugekauft. Parallel dazu ist die Dollarreserve des Unternehmens auf 3,75 Milliarden Dollar (3,3 € Milliarden) gestiegen, während die Debatte um BIP-110 auf einen entscheidenden Abschnitt zusteuert.
BIP-110 gibt den Ton an
Dass Saylor gerade jetzt warnt, dürfte kein Zufall sein. BIP-110, auch als Reduced Data Temporary Soft Fork bekannt, wurde im Dezember 2025 von Entwickler Dathon Ohm mit technischem Input von Luke Dashjr vorgeschlagen. Ziel des Vorschlags ist es, die Menge beliebiger Daten in Bitcoin-Transaktionen vorübergehend zu begrenzen, um Netzwerkkongestion durch nicht-finanzielle Daten einzudämmen.
Laut dem aktuellen Fahrplan beginnt im August 2026 eine verpflichtende Lock-in-Phase. Ab diesem Zeitpunkt sollen Blöcke, die nicht signalisieren, als ungültig verworfen werden. Zwei Wochen später wäre die Aktivierung vorgesehen, bevor die Regeln nach rund einem Jahr wieder automatisch auslaufen. Bemerkenswert ist, dass die Miner-Unterstützung nach dem neuesten Stand noch unter 1 % liegt. Das spricht derzeit eher gegen eine Aktivierung, auch wenn der Vorschlag damit nicht vom Tisch ist.
Saylor betrachtet die Konsensregeln von Bitcoin als Grundlage für Knappheit, Settlement und die Neutralität des Netzwerks. Aus seiner Sicht könnte ein Eingriff in diese Regeln einen problematischen Präzedenzfall für die Governance von Bitcoin schaffen.
Strategy setzt auf Cash
Die Pause bei den BTC-Käufen hängt mit der Finanzierung von Strategy selbst zusammen. Ein Form 8-K vom 27. Juli bestätigte eine weitere Aufstockung der Dollarreserve um 525 Millionen Dollar (462 € Millionen). Damit lag die gesamte Reserve bei 3,75 Milliarden Dollar (3,3 € Milliarden). Nach Angaben des Unternehmens entspricht das etwa 2,1 Jahren Dividendenabdeckung gegenüber rund 1,76 Milliarden Dollar (1,5 € Milliarden) an jährlichen Preferred-Verpflichtungen.
Aufgebaut wurde dieser Puffer über Aktienverkäufe und nicht durch den Verkauf von Coins. In der vergangenen Woche veräußerte Strategy MSTR-Aktien im Wert von 544,5 Millionen Dollar (479 € Millionen). In den beiden Wochen davor kamen bereits rund 467 Millionen Dollar (411 € Millionen) und 263,5 Millionen Dollar (232 € Millionen) hinzu. Zusammengenommen ergibt das etwa 1,26 Milliarden Dollar (1,1 € Milliarden) innerhalb von drei Wochen.
Das geschah zu einem Zeitpunkt, an dem MSTR bei rund 96,66 Dollar (85 €) notiert und damit etwa 76 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 414,36 Dollar (365 €) liegt. Für Strategy ist Kapital über Aktien damit deutlich teurer geworden als noch vor einem Jahr.
Was das für BTC bedeutet
Strategy hält an seinem Ziel fest, bis Ende 2026 1 Million BTC zu besitzen. Derzeit liegen die Bestände bei 843.775 Coins, es fehlen also noch 156.225 BTC. Bei noch etwa 22 Wochen bis dahin wären dafür grob 7.000 BTC pro Woche nötig, was zum aktuellen Kurs fast 447 Millionen Dollar (393 € Millionen) pro Woche entspräche. Aktuell kauft das Unternehmen jedoch gar nicht.
Für europäische Krypto-Anleger ist das relevant, weil Strategy weiterhin zu den größten institutionellen BTC-Positionen weltweit zählt. Die Kombination aus pausierten Käufen, einer hohen Cashreserve und der laufenden Debatte über Bitcoin-Governance zeigt, wie eng Unternehmensfinanzierung und Protokolldiskussionen in diesem Markt miteinander verbunden sind.
Auch das Marktumfeld spielt eine Rolle. Bitcoin notiert bei rund 63.817 Dollar (56.100 €) und damit etwa 49 % unter dem Hoch von Oktober 2025. Strategies durchschnittlicher Kaufpreis liegt bei rund 75.494 Dollar (66.400 €) pro Coin, sodass die Position auf dem Papier weiterhin deutlich im Minus liegt. Die Spannung zwischen defensiver Bilanzpolitik und einer weiterhin ambitionierten BTC-Strategie dürfte die kommenden Wochen sowohl für BTC- als auch für MSTR-Anleger prägen.
Bitcoin bewegt sich zudem nicht isoliert von der allgemeinen Marktschwäche. Bitcoin fällt nach Wall-Street-Schluss und schwachem Kospi um 2,7 % zeigt, wie Risk-off-Stimmung und schwache asiatische Aktien den Kurs zusätzlich belasten.