Südkorea will Krypto in nationales Vermögensgesetz aufnehmen
Seoul will Staatsimmobilien tokenisieren und bereitet außerdem Spot-Krypto-ETFs sowie an den Won gekoppelte Stablecoins vor. Die Reform passt zu einer breiteren Modernisierung des Vermögensmanagements.

Wichtigste Erkenntnisse
- Südkorea will Krypto in die neue National Asset Basic Act aufnehmen, um das Management von rund 1.400 Billionen Won an Staatsvermögen zu modernisieren.
- Die Regierung plant, Staatsimmobilien über Security Tokens zu tokenisieren, und will 2027 einen Pilotversuch mit tokenisierten Staatsanleihen starten, die an die CBDC-Infrastruktur angebunden sind.
- Parallel arbeitet Seoul an einer breiteren Kryptoregulierung, darunter eine Digital Asset Basic Act für Stablecoins und mögliche Spot-Krypto-ETFs.
Südkorea will Krypto in die neue National Asset Basic Act aufnehmen. Mit dem Gesetz will die Regierung die Verwaltung von rund 1.400 Billionen Won an Staatsvermögen modernisieren. Der Schritt zeigt, dass digitale Assets in Seoul zunehmend als Bestandteil einer langfristigen staatlichen Vermögensstrategie gesehen werden und nicht nur als spekulatives Thema.
Alte Gesetzgebung macht Platz
Das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen stellte den Plan am 15. Juli in Seoul vor. Er ist Teil der Wirtschaftsstrategie für die zweite Hälfte von 2026. Das neue Gesetz soll die State Property Act von 1950 ablösen. Nach Regierungsangaben war dieser Rahmen vor allem auf Immobilien und Erhalt ausgerichtet und ließ für neue Asset Classes nur wenig Spielraum.
Laut Ministerium geht es um ein Portfolio im Umfang von rund 1.400 Billionen Won, also fast 940 $ Milliarden (824 € Milliarden). Die Reform soll den Fokus des Staates stärker von reiner Verwaltung hin zu Wertschöpfung verschieben. Damit fügt sich der Plan in einen breiteren Wandel ein, wie Südkorea auf digitale Infrastruktur und öffentliche Assets blickt.
Tokenisierung von Staatsbesitz
Bemerkenswert ist, dass die Regierung auch Staatsimmobilien über Security Tokens tokenisieren will, damit Bürger investieren und an den Erträgen teilhaben können. Für 2027 ist zudem ein Pilotprojekt mit tokenisierten Staatsanleihen vorgesehen, die an die CBDC-Infrastruktur der Bank of Korea gekoppelt sind.
Die Vorhaben knüpfen an frühere Schritte Seouls in Richtung einer breiteren Regulierung des Kryptosektors an. Die Behörden arbeiten außerdem an der Digital Asset Basic Act für an den Won gekoppelte Stablecoins und prüfen Anpassungen im Capital Markets Act, um die ersten Spot-Krypto-ETFs zu ermöglichen. Auch eine rechtliche Grundlage für grenzüberschreitende Stablecoin-Transaktionen steht zur Diskussion.
Bedeutung für Europa
Für europäische Kryptonutzer ist vor allem relevant, dass eine große Volkswirtschaft Krypto nicht nur als Handelsmarkt betrachtet, sondern auch als Teil des öffentlichen Vermögensaufbaus und der Finanzinfrastruktur. Südkorea zählt zudem zu den aktivsten Kryptomärkten weltweit, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Altcoins und einer Handelskultur, die lange von hohen Volumina und schneller Rotation geprägt war. Deshalb hat eine solche politische Weichenstellung oft mehr Gewicht als reine Lokalregulierung.
Auch der Zeitpunkt ist vor dem Hintergrund einer Verschiebung weg von reiner Spekulation interessant. In Südkorea sanken die Krypto-Handelsvolumina zwischen August 2025 und Mai 2026 um 71 %, während der KOSPI im selben Zeitraum deutlich zulegte. Das spricht dafür, dass Kapital teilweise in traditionellere Märkte abfließt, während die Regierung digitale Infrastruktur zugleich stärker in die staatliche Politik einbinden will.