STA drängt die SEC zu Regeln für tokenisierte Aktien
Die Branchenvereinigung fordert, dass unter neuen SEC-Regeln nur vom Emittenten autorisierte Tokens zugelassen werden, damit Eigentum, Stimmrechte und Custody-Risiken klar geregelt sind.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die STA will, dass die SEC bei neuen Regeln issuer-sponsored tokenized securities gegenüber Tokens von Zwischenhändlern bevorzugt.
- Laut der Branchenvereinigung müssen tokenisierte Aktien vom Emittenten autorisiert sein und im offiziellen Aktionärsregister stehen.
- Die Debatte betrifft auch Europa, weil die US-Entscheidung mitbestimmen kann, wie weltweit echtes Eigentum und synthetische Exponierung unterschieden werden.
Der Streit darüber, wie sich Aktien auf Blockchain-Infrastrukturen abbilden lassen, verlagert sich zunehmend nach Washington. Die Securities Transfer Association (STA), eine Branchenvereinigung für Transfer Agents mit Mitgliedern aus dem Umfeld großer Wall-Street-Institutionen, fordert von der SEC eine klare Priorisierung von issuer-sponsored tokenized securities gegenüber Tokens, die von Zwischenhändlern ausgegeben werden.
Wer der Eigentümer ist
Im Zentrum der Diskussion steht die Frage, wem die Aktien rechtlich zugeordnet sind. Nach Ansicht der STA sollten Blockchain-Aktien nur dann als echte Wertpapiere gelten, wenn sie vom Emittenten autorisiert wurden und im offiziellen Aktionärsregister erscheinen. Tokens, die von einer separaten Plattform erstellt werden, lehnt die Vereinigung dagegen ab.
Damit rückt auch die Rolle der Transfer Agents in den Fokus. Sie führen die offiziellen Aktionärsunterlagen, begleiten Eigentumsübertragungen und legen fest, wer rechtlich als Eigentümer von Wertpapieren gilt. Aus Sicht der STA sind sie deshalb ein zentraler Baustein dafür, wie tokenisierte Aktien am Ende strukturiert werden.
Die SEC hatte im Januar bereits zwischen issuer-sponsored und Third-Party-Tokenization unterschieden. Diese Staff Guidance ist jedoch nicht rechtsverbindlich. Sie macht aber deutlich, dass die Aufsicht den Markt nicht als einheitliche Produktkategorie betrachtet, sondern als mehrere Strukturen mit unterschiedlichen Rechten und Risiken. Im Juni legte die Behörde zudem bereits einen vorläufigen Weg für Tokenisierung in einem separaten Vorschlag für tokenisierte Wertpapiere vor.
Druck auf synthetische Modelle
Die STA warnt davor, dass Third-Party-tokenisierte Aktien Anleger den Kredit-, Custody- und operationellen Risiken der Plattform aussetzen könnten, die die Tokens emittiert. Zudem könnten solche Produkte bei Stimmrechten und anderen Aktionärsrechten für Unklarheiten sorgen, weil sie nicht direkt in den Büchern des Emittenten geführt werden.
Das Thema gewinnt an Gewicht, weil Tokenisierung sowohl im Krypto-Sektor als auch an der Wall Street an Tempo aufnimmt. Große Marktteilnehmer, von Asset Managern über Krypto-Unternehmen bis hin zu Brokerages, arbeiten daran, Aktien, Anleihen und Fonds auf Blockchain-Netzwerke zu bringen. Citi schätzte früher, dass tokenisierte Wertpapiere in einem Basisszenario bis 2030 auf einen Markt von 5,5 $ Billionen (4,8 € Billionen) anwachsen könnten.
Innerhalb dieses Marktes existieren mehrere Modelle nebeneinander. Bei einer issuer-sponsored Struktur autorisiert das Unternehmen selbst die tokenisierten Shares, und sie werden im offiziellen Register erfasst. Andere Ansätze laufen über einen Custodian oder über synthetische Produkte, die vor allem eine wirtschaftliche Exponierung gegenüber dem Kurs einer Aktie bieten.
Warum das Europa betrifft
Für europäische Kryptonutzer ist das mehr als nur eine amerikanische Regulierungsfrage. Das Ergebnis dürfte mitbestimmen, wie schnell tokenisierte Aktien weltweit vom Experiment in einen regulierten Markt übergehen, zumal auch große Börsen und Brokerages mit Onchain-Wertpapieren experimentieren. Für Akteure in Europa, die bereits an Tokenisierung arbeiten, könnte die US-Linie vorgeben, wie strikt zwischen echtem Eigentum und synthetischer Exponierung unterschieden wird.
Die STA will deshalb, dass die SEC nur issuer-sponsored Modelle in eine mögliche Innovation Exemption, einen Pilot oder eine dauerhafte Regelung aufnimmt. Außerdem fordert die Gruppe eine Modernisierung des Direct Registration System, weil der heutige Ablauf zwischen DTCC- und Transfer-Agent-Records aus ihrer Sicht zu langsam für tokenisierte Märkte ist.
Die Debatte hat sich nach früheren Vorfällen rund um synthetische Stock Tokens weiter verschärft. OpenAI distanzierte sich im vergangenen Jahr öffentlich von einem tokenisierten Produkt von Robinhood, das an seine Aktien gekoppelt war, weil das Unternehmen dafür keine Zustimmung gegeben hatte und die Tokens keine echte Equity darstellten.
Die SEC hat bislang keine formalen Regeln für tokenisierte Wertpapiere vorgelegt. Da Coinbase, Robinhood, Nasdaq, die New York Stock Exchange und DTCC jedoch Schritte in Richtung Onchain-Aktien unternehmen, könnte die Entscheidung der Aufsicht darüber mitbestimmen, welche Modelle sich in den USA durchsetzen und welche Rechte Anleger am Ende erhalten.